Kino:Neuauflage im Alleingang

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Kino: Regisseurin Lana Wachowski

Regisseurin Lana Wachowski

(Foto: Imagespace/dpa)

Den Blockbuster "Matrix" drehte die Regisseurin Lana Wachowski noch als Mann. Jetzt erscheint "Matrix 4". Ein Porträt.

Von David Steinitz

Als die Regisseurin Lana Wachowski ihren Durchbruch in Hollywood hatte, hieß sie noch Larry und war ein Mann. 1999 war das, mit dem Blockbuster "Matrix", den sie gemeinsam mit ihrem Bruder Andy geschrieben und inszeniert hatte, und der mit seinen Spezialeffekten das Actionkino revolutionierte.

Seit diesem Hit, der fast eine halbe Milliarde Dollar einspielte und vier Oscars gewann, hat sich das Leben der Filmemacherin grundlegend verändert. Sie lebt mittlerweile als Frau, nennt sich Lana. Und der vierte Teil der "Matrix"-Reihe, der seit dieser Woche im Kino läuft, ist der erste Film, den sie ohne ihren Bruder gedreht hat. Beziehungsweise ohne ihre Schwester, denn auch Andy Wachowski lebt seit 2016 als Frau und nennt sich Lilly.

Sowohl über ihr Leben als Künstlerin, als auch über ihr Leben als Transgender könnte man Lana Wachowski zum Start von "Matrix 4" viele Fragen stellen. Normalerweise wäre das kein Problem, die Hollywoodstudios karren ihre Stars bei jedem neuen Werk um die Welt für Pressekonferenzen, Interviews, Fotoshootings. Aber die 56-Jährige entzieht sich diesem Medienzirkus meistens. Teilweise lässt sie sich sogar eine Klausel in ihre Verträge schreiben, dass sie keine Öffentlichkeitsarbeit für ihre Filme machen muss. Interviews mit ihr sind rar, besonders zum Thema Transgender. Eine Ausnahme war ein Porträt in der Zeitschrift The New Yorker im Jahr 2012, in dem sie sagte: "Ich weiß, dass viele Leute gern wissen würden, ob ich auch eine Geschlechtsumwandlung gemacht und eine Vagina habe. Aber ich möchte gern, dass darüber nur meine Frau und ich Bescheid wissen."

Lana Wachowskis Initialzündung war Stanley Kubricks Klassiker "2001", der sie nachhaltig faszinierte

Lana Wachowski wurde 1965 in Chicago geboren, wo sie mit drei Geschwistern aufwuchs. Ihre Eltern waren leidenschaftliche Filmfans und veranstalteten laut den Kindern regelrechte "Filmorgien". Lanas Initialzündung war Stanley Kubricks Klassiker "2001", der sie so nachhaltig faszinierte, dass sie unbedingt selbst Filme machen wollte. Schon als Kind inszenierte sie mit ihrem Bruder Andy kleine Heimvideos, als junge Erwachsene fingen sie an, Drehbücher zu schreiben.

Ihr erster Kontakt mit Hollywood war allerdings desillusionierend. Der Produzent Dino De Laurentiis kaufte ihnen ihr Skript zum Thriller "Assassins" ab und verkaufte es dann für das Fünffache an ein Filmstudio weiter. Das Studio ließ das Drehbuch so lange von einem anderen Autor umschreiben, bis kaum noch etwas übrig blieb von dem, was ihnen wichtig gewesen war. Als der Film 1995 ins Kino kam, hätten sie am liebsten ihre Namen aus dem Abspann streichen lassen.

Nach dieser Erfahrung war beiden klar, dass sie ihre Drehbücher künftig selbst inszenieren wollten. Damals hatten sie bereits "Matrix" geschrieben, drehten aber erst den kleinen Thriller "Bound", um zu beweisen, dass sie auch Regie führen können. Danach überließ man ihnen bei "Matrix" auch den Regiestuhl.

Es folgten zwei Fortsetzungen sowie andere Großprojekte, unter anderem eine Verfilmung des Romans "Cloud Atlas", die sie gemeinsam mit ihrem Freund, dem deutschen Regisseur Tom Tykwer, inszenierten. Zwischen diesen Projekten benannte Larry sich in Lana um. Dem New Yorker sagte sie dazu, sie habe schon als Kind in der Schule nie genau gewusst, ob sie zu den Jungs oder den Mädchen gehöre. Sie habe an Depressionen gelitten, bis sie sich entschloss, als Transgender zu leben: "Ich habe mein Äußeres geändert, um es mehr mit meinem Innenleben in Einklang zu bringen."

Warum sie bei "Matrix 4" nun allein Regie führt und nicht mit ihrer Schwester? Nachdem innerhalb kurzer Zeit erst ihr Vater und dann ihre Mutter gestorben sind, sagte Lana kürzlich bei einem ihrer seltenen Auftritte, habe sie entschieden, dass sie gern allein eine Fortsetzung machen wolle, als eine Form der Trauerarbeit, um sich von dem schweren Verlust abzulenken.

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