Italien:Fünf Sterne im Sinkflug

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Italien: Luigi Di Maio, Italiens Außenminister, der nach Querelen aus der Fünf-Sterne-Bewegung ausgetreten ist.

Luigi Di Maio, Italiens Außenminister, der nach Querelen aus der Fünf-Sterne-Bewegung ausgetreten ist.

(Foto: Mauro Scrobogna/dpa)

Die einstige Protestbewegung Cinque Stelle hat sich in kürzester Zeit unglaubwürdig gemacht. Die jetzige Abspaltung ist nur ein schwaches Ablenkmanöver, das Di Maio und Co. kaum helfen wird.

Kommentar von Oliver Meiler, Rom

Vier Jahre nach ihrem spektakulären Sieg bei den italienischen Parlamentswahlen fliegen die Cinque Stelle auseinander - laut und gehässig, in zwei antagonistische Lager. Luigi Di Maio, Italiens Außenminister und früherer "Capo politico" der Partei, nimmt nach seinem Parteiaustritt mehr als sechzig Parlamentarier mit in eine neue, zentristische Fraktion, die sich "Insieme per il futuro" nennen wird: Gemeinsam für die Zukunft. Die Macht von Giuseppe Conte, Italiens ehemaligem Premier und neuem Chef der Fünf Sterne, halbiert sich über Nacht.

Di Maio rechtfertigte seinen Schritt mit Contes außenpolitischer Lavierlinie und dessen angeblich lauer Unterstützung für die Ukraine. Das klingt wie ein nobles Motiv, ist aber höchstens die halbe Wahrheit. Ein Jahr vor den Neuwahlen drohte vielen Sternen, inklusive Di Maio, das Karriereende, weil sie schon zum zweiten Mal im Parlament sitzen: Bei den Cinque Stelle gilt eine Obergrenze von zwei Amtszeiten. Außerdem sind die Umfrageresultate der Partei gerade im freien Fall. Da schien eine Wette opportun.

Die Italiener konnten in den vergangenen Jahren live zuschauen, wie die Cinque Stelle, die einst als Schrecken der alten politischen Kaste auftraten, die sie vulgär verwünschten mit ihrem "Vaffanculo" (Fahrt zur Hölle!), die sich brüsteten mit hehren Prinzipien, dann, kaum waren sie an der Macht, ihre Werte und Themen reihenweise über Bord warfen, mit allen regierten, der extremen Rechten, der Linken, nun mit Mario Draghi. Zu Dutzenden wechselten sie die Partei, Wendehälse vor dem Herrn, als hätte ihnen das früher nicht die Sünde schlechthin gegolten.

Mit einer pathetischen, stellenweise grotesken Abschiedsrede versuchte Di Maio, sich die Erblast dieses Niedergangs mal rasch von der Schulter zu wischen. Gelingen wird ihm das wohl nicht. In Italien fragt man sich schon, an wen die 33 Prozent Stimmen gehen werden, die die Cinque Stelle 2018 gewonnen hatten. Alles ist offen. Unterdessen regiert Draghi weiter, mit derselben Koalition wie bisher, als wäre nicht gerade eine Galaxie explodiert.

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