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Fußball-EM in München:Gut so

Zuschauer im Stadion, während die Intensivstationen gefüllt sind? Klingt absurd. Aber die Aussicht auf ein wenig Unbeschwertheit tut gut.

Von René Hofmann

Ein Sportfest mit mehr als 10 000 Zuschauern auf den Rängen in gut sechs Wochen: Das ist die Perspektive, die der europäische Fußballverband Uefa am Freitag eröffnet hat mit seinem Festhalten an München als einem der Austragungsorte für die Europameisterschaft. Kicken vor Fans, während draußen womöglich die Pandemie noch tobt, Eltern bangen, ob die Schulen schließen, und auf den Intensivstationen viele Covid-Patienten liegen? So gewagt die Vorstellung im Moment erscheinen mag - es ist richtig, sie zu eröffnen.

Die deutsche Politik hat sich von der Uefa nicht erpressen lassen. Sie hat keinerlei Garantien abgegeben, nur klare Regeln formuliert: Wenn es die Corona-Kennzahlen zulassen, dürfen im Juni Zuschauer in die Arenen. Wenn sie sich gut entwickeln, auch richtig viele. Wenn die Seuche aber zurückschlägt, dann bringt dies das Aus für die Sause. Nach einiger Hinterzimmerdiplomatie der mächtigen Deutschen hat die Uefa das so akzeptiert, lässt sich aber auch noch ein Hintertürchen offen: Läuft das Spiel gegen die Pandemie anderswo besser, ist es auch im laufenden Turnier denkbar, mit Partien umzuziehen.

So viel Unwägbarkeit ist ungewöhnlich bei einem Sportereignis von solcher Größe (und für die Ticketkäufer auch unangenehm), aber so ist das nun mal in einer Situation, in der das Virus so vieles diktiert. In einigen Wochen kann vieles schon wieder ganz anders, vielleicht besser sein. Die Aussicht, dass dann ein wenig Unbeschwertheit möglich sein könnte, ist erst einmal eine gute.

© SZ/jok
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