Pakistan:Gefesselt von Islamisten

Viele fordern die Ausweisung des französischen Botschafters. Das ist völlig unsinnig, doch Premier Imran Khan hat keine Strategie im Umgang mit den Radikalen.

Von Arne Perras

Man könnte vermuten, dass Pakistan in Zeiten von Pandemie und wirtschaftlicher Krise andere Sorgen hat. Armut drückt die unteren Schichten nieder, überall fehlen Jobs. Weil Religion aber wie kaum ein anderes Thema Emotionen schürt, nutzen islamistische Kräfte die Gelegenheit, sich wieder einmal als unverzichtbare Tugendwächter in den Vordergrund zu spielen.

Dass der Streit um die Mohammed-Karikaturen aus Frankreich ausgerechnet jetzt eskaliert, liegt nicht nur, aber auch am schlechten Krisenmanagement. Der Premier spielte auf Zeit, weiß sich gegen den Ansturm der Eiferer nicht zu wehren. Es rächt sich nun, dass der Staat seit den späten Siebzigerjahren eine breite Islamisierung vorangetrieben hat. In einem Land, das die Beleidigung des Propheten mit dem Tode bestraft, muss sich eine Regierung nicht wundern, wenn so viele die Ausweisung des französischen Botschafters fordern, so unsinnig das auch ist.

Stimmen der Vernunft hört man im Land immer seltener; nicht, weil es sie nicht gibt, sondern weil sie um ihr Leben fürchten, wenn sie fordern, dass das drakonische Strafrecht reformiert werden müsse. Die Regierung kneift, weil Radikale die moralische Deutungshoheit erobert haben. Es wird schwer für Premier Imran Khan, sich aus dieser ideologischen Fessel zu befreien.

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