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Coronakrise:Kein Impftermin darf verstreichen

Corona-Impfung: Graffiti "Impfen lassen" an einer Hauswand in Hamburg

Der Aufruf "Impfen lassen" steht an einer Hamburger Hauswand.

(Foto: Hanno Bode/imago images)

Rarer Impfstoff bleibt ungenutzt liegen? Das ist fatal! Viele Menschen rasch zu versorgen, ist eine Frage guter Organisation - an der aber scheitert es unverständlicherweise noch immer.

Kommentar von Christina Kunkel

Zu wenig Impfstoff, zu lange Wartezeiten - diese Zustandsbeschreibung galt noch bis vor Kurzem für Deutschland und seinen im Vergleich zu anderen Ländern elendig langsamen Weg heraus aus der Pandemie. Umso absurder wirkt es nun, dass es seit der Zulassung des dritten Vakzins, des Impfstoffs von Astra Zeneca, offenbar vielerorts schwierig ist, Mensch und Impfstoff zusammenzubringen. Bundesweit sind inzwischen 1,4 Millionen Dosen des Präparats ausgeliefert, aber nur 211 886 verimpft worden - das sind gerade einmal fünfzehn Prozent. Und das in einer Zeit, in der Wissenschaftler und Politiker ständig betonen, es käme vor allem auf Schnelligkeit an: bei den Tests, der Kontaktverfolgung, aber vor allem beim Impfen. Doch wo bleibt das zuletzt wieder von Gesundheitsminister Jens Spahn versprochene Tempo?

Impfzentren haben freie Termine nicht vergeben und sind bei Weitem noch nicht an ihrer Kapazitätsgrenze - auch weil es die Behörden zuletzt nicht hinbekommen haben, rechtzeitig genügend Impfwilligen die so wichtige Spritze anzubieten. So wurde wochenlang darüber diskutiert, ob man die Reihenfolge nicht zum x-ten Mal überarbeitet, ob nicht doch Lehrerinnen und Erzieher früher dran sein müssten als Supermarktmitarbeiter, während Hunderttausende Impfstoffdosen, die Menschen ziemlich sicher vor einer schweren Covid-19-Erkrankung und vermutlich auch vor der Ansteckung anderer schützen würden, unverimpft herumlagen.

Lieferungen des Vakzins sind nicht vom Himmel gefallen

Dabei sind die Lieferungen des Astra-Zeneca-Vakzins nicht vom Himmel gefallen. Und spätestens als Anfang Februar die ersten Dosen an die Länder verteilt wurden, hätte dort das Motto lauten müssen: Kein Termin darf verstreichen. Wenn es tatsächlich, wie es jetzt aus einigen Landesbehörden heißt, bei den unter 65-Jährigen aus der ersten Prioritätsgruppe kaum noch Impfberechtigte oder Impfwillige gibt, dann hätte man direkt mit der nächsten Impfgruppe weitermachen sollen. So hätten längst Hunderttausende jüngere Menschen mit Vorerkrankungen, Personal in Haus- oder Zahnarztpraxen, aber eben auch Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher zumindest eine erste Dosis Schutz bekommen können. Zumal die nächsten Impfstoff-Lieferungen bereits bevorstehen und man bei Astra Zeneca laut neuesten Daten aus Großbritannien sogar problemlos bis zu zwölf Wochen mit der Gabe der zweiten Dosis warten kann.

Es wäre fatal, wenn nach all den Diskussionen um zu wenig Impfstoff in den kommenden Wochen die Situation anhalten würde, dass man mit dem Verimpfen des vorhandenen Stoffs nicht mehr hinterherkommt, sei es wegen chaotischen Einladungsmanagements oder, wie es sich etwa in Sachsen bereits andeutet, weil Personal und Infrastruktur in den Impfzentren gar nicht ausreichen, um die in den kommenden Wochen erwarteten Impfstoffdosen zeitnah zu verabreichen.

Gerade das Vakzin von Astra Zeneca würde sich perfekt dafür eignen, auch außerhalb von Impfzentren eingesetzt zu werden. Weil es sich leicht lagern und transportieren lässt, könnte man damit vor Ort an Schulen, in Kitas oder in Arztpraxen in kurzer Zeit viele Menschen immunisieren. Es ist höchste Zeit, in diesen Fragen flexibler zu werden, weil es eben gar nicht schnell genug gehen kann, bis eine Impfstoffdosis ihren Weg von der Spritze in möglichst viele Oberarme findet.

Sicher haben auch die zahlreichen negativen Berichte über den Astra-Zeneca-Impfstoff dazu beigetragen, dass ein Teil der Menschen sich jetzt nicht damit immunisieren lassen möchte. Dabei haben zuletzt erst wieder Daten aus Schottland gezeigt, dass auch dieses Vakzin ähnlich wirksam ist wie die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna - nach einer ersten Dosis liegt laut dieser noch nicht wissenschaftlich begutachteten Studie der Schutz vor schweren Verläufen bei Astra Zeneca sogar leicht über dem der mRNA-Impfstoffe. Überhaupt darf das Zögern einiger weniger Impfberechtigter nicht dazu führen, dass das ganze Impfprogramm ins Stocken gerät. Insofern ist es richtig, wenn die Verantwortlichen in den Ländern klar kommunizieren, dass es aktuell eben nicht möglich ist, sich seinen Lieblingsimpfstoff auszusuchen.

Für alle, die sich nicht oder noch nicht mit dem Astra-Zeneca-Präparat impfen lassen wollen, muss dann gelten: Wieder hinten anstellen.

© SZ/fzg/kia
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