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Zu Besuch in Südtirol:Die Grenze verläuft mitten durch Markus Lanz

"Seit Generationen bilden die Lanz' gemeinsam mit den Töchterles den Kern dieses Weilers", erklärt Ernst Kammerer, Heimatforscher in der Gegend. Das Wappen der Familie Lanz, das einen der Höfe in Gassl ziert, stammt aus dem 16. Jahrhundert und trägt Insignien der Schmiedezunft. Man könnte sagen: Spätestens nach der unheilvollen Mallorca-Ausgabe vor einer Woche ist die Show für Lanz zum heißen Eisen geworden.

Neben dem Hotel steht das schlichte weiße Haus, in dem Markus Lanz mit seiner Schwester Doris und seinem Bruder Gotthard aufgewachsen ist. Die Mutter Anna wohnt noch immer dort, eine ernste Frau in den hohen Siebzigern. Mit Journalisten spricht sie nicht. Vor ihrem zugewachsenen Garten, in dem das Gras knöchelhoch steht, wirft sie dem Reporter nur diesen einen Satz zu: "Er hat sein Leben, ich habe mein Leben." Das muss reichen.

Ein Leben zwischen Kapelle und Furkelbach

Man kann nur darüber mutmaßen, ob Anna Lanz regelmäßig die Sendungen ihres Sohnes sieht oder wie sie sich während der Hochzeit in der Nähe von Brixen gefühlt haben mag. Dort heiratete Lanz vor zwei Jahren eine Frau von draußen, die Deutsch-Japanerin Angela. Betriebswirtin aus der Medienbranche. Auf der Hochzeitsgästeliste, das erfährt man in Gassl, sollen Namen wie Jörg Pilawa und Judith Rakers gestanden haben. Und gegen Mitternacht gab's ein Ständchen von Howard Carpendale. Aus deutscher Sicht: eine Traumhochzeit.

Ob das eine bescheidene katholische Frau aus einem Weiler zwischen Mitterolang und Geiselsberg wohl genauso empfindet? "Das ist alles nicht ihre Welt", sagt der Neffe Christoph und zwinkert. "Aber verbittert, nein, das ist sie nicht. Sie lebt ihr bescheidenes Leben weiter, wie sie es in den vergangenen Jahren gelebt hat." Ein Leben zwischen der Kapelle für die beiden Opfer aus dem 2. Weltkrieg und dem Furkelbach, der gelegentlich mehr Wasser führt, als den Menschen in Gassl lieb ist. 1886 war es ganz schlimm. Da riss der Bach einen Handwerker mit.

Draußen und drinnen, dazwischen liegen Welten. Und die Grenzlinie verläuft mitten durch Markus Lanz hindurch. Ein Wunder, dass es ihn nicht zerreißt.

Reinhard Bachmann, Bürgermeister von Olang, hat den kleinen Markus einst in der örtlichen Musikschule kennengelernt. "So einen Schüler wie ihn hatten wir vorher noch nie. Er wollte seine Unterrichtsstunden einfach nicht beenden. Hatte immer noch eine Frage und noch eine Frage. Er wollte perfekt sein auf dem Steirischen Akkordeon."

Später habe Markus ein Stipendium fürs Gymnasium im Kloster Neustift erhalten und sich mit seinem Bruder Gotthard als Alleinunterhalter ein bisschen was verdient. Dann wurde er Moderator bei einem lokalen Radiosender, dann ging er nach Deutschland. Der Rest ist Regionalfernsehen, Koch- und Talkshowfernsehen und als Höhepunkt dann die Gottschalk-Nachfolge.

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