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Zu Besuch in Südtirol:Ansichten aus Lanzland

'Wetten, dass..?' auf Mallorca

Das Sommer-"Wetten, dass..?" auf Mallorca sollte Markus Lanz´ Krönungsmesse werden. Sattdessen geriet es ihm zum Fiasko.

(Foto: dpa)

Markus Lanz wird von der Kritik verrissen. Inzwischen machen sich sogar die Amerikaner lustig über ihn. Aber wie sieht man das eigentlich in dem Dorf, aus dem er kommt? Ein Besuch in Gassl, Südtirol.

Von Martin Zips

Ins Herz eines Südtirolers gelangt man nur schwer, wenn man von draußen ist. Draußen, das ist aus Sicht des Südtirolers alles hinter dem Brenner. Deutschland zum Beispiel. Eine ganz andere Welt. Draußen, da schauen die Menschen ZDF-Samstagabendshows, in denen die Geissens auf Jürgen Drews treffen. Drinnen schalten sie dann meist um und schauen lieber die Südtirol-Nachrichten mit Jimmy Nussbaumer. Wozu braucht man überhaupt Fernsehen in Südtirol? Wozu braucht man einen Flachbildschirm, wenn man die herrliche Landschaft von Ötzi, Messner und Markus Lanz vor dem Fenster hat?

Gassl, ein auf knapp 1200 Höhenmetern liegender Weiler im Oberpustertal. Zwei Dutzend Gebäude, ein Gästehaus. "Fitnes" steht auf der Außenwand des Hotels Christoph. Der Deutsche bemerkt: Hier fehlt ein "s". Christoph, der Lanz mit Nachnamen heißt und der Cousin vom Fernseh-Lanz ist, sieht ein bisschen aus wie Willy Astor, der bayerische Komiker.

Die Eingangshalle zu seinem Hotel wirkt recht dunkel, und wenn Christoph an der Rezeption sitzt, drohen seine erdigen, bäuerlichen Hände die Computermaus fast zu zerdrücken. Im Winter ist bei Christoph Hochsaison, die Gäste müssen nur die Straßenseite wechseln, schon bringt sie die Kabinenbahn zum Kronplatz, einem pistenmäßig wie ökologisch etwas außer Kontrolle geratenen Skigebiet. Dafür ernährt es das ganze Tal.

Und dann musste sich Gerard Butler Eiswürfel in die Hose kippen

3000 Menschen wohnen in der Pustertaler Verwaltungsgemeinde Olang, zu der neben Oberolang, Mitterolang, Niederolang und Geiselsberg eben auch Gassl gehört. Beeindruckende 470 000 jährliche Übernachtungen zählt man in der gesamten Gemeinde. Der Hauptteil der Gäste kommt von draußen, aus Deutschland, wo man die autonome Provinz Südtirol gerne so wahrnimmt: wunderschöne Feriengegend; gutes Essen; ein Teil von Italien. Aber was den Südtiroler Markus Lanz und "Wetten, dass..?" angeht, da ist die Wahrnehmung draußen gerade ein bisschen ungünstig.

Gassl ist die Heimat des Mannes, der eine Show präsentiert, die angeblich noch immer Europas erfolgreichste ist. Allerdings stellte mittlerweile sogar die Huffington Post fest, dass die Russen sich langsam Sorgen machen müssen, weil die Deutschen sie in Sachen peinlichste Internet-Videos gerade überholen.

Die Szene, in der ein "Wetten-dass..?"-Kandidat Nüsse mit dem Hintern knackt, ist zum YouTube-Hit geworden. Auch, weil Markus Lanz den Wettpaten Gerard Butler anschließend dazu nötigte, sich Eiswürfel in die Hose zu kippen und aus dem Erlkönig zu rezitieren. Spiegel Online erklärte Lanz daraufhin zum "Thomas de Maizière der Abendunterhaltung". Zurücktreten, bitte.

Wie sehen sie das wohl hier in Gassl, wo die Älteren den Lanz Markus von Kindesbeinen an kennen, wo nicht die Huffington Post, sondern die Tageszeitung Dolomiten gelesen wird, in der steht, dass der Markus seine Sache prima macht?

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