US-Serie Hacker veröffentlicht zehn neue Folgen von "Orange is the new Black"

"Orange is the new Black" handelt von den Insassen eines amerikanischen Frauengefängnisses.

(Foto: picture alliance / AP Photo)
  • Ein Hacker hat zehn bisher unveröffentlichte Folgen der US-Serie "Orange is the new Black" online gestellt.
  • Zuvor war Netflix offenbar erpresst worden.
  • Hackerangriffe werden seit einigen Jahren häufig mit Lösegeldforderungen verbunden.
Von Kathleen Hildebrand

"Also möge es gelesen werden, dass die verabscheuungswürdigen Riesen tatsächlich fallen." Es klang wie die Ankündigung alttestamentarischer Strafen, als der Hacker, der sich "thedarkoverlord" nennt, auf Twitter eine bevorstehende Tat ankündigte.

Was dann geschah? Es regnete keine Frösche. Kein Erstgeborener starb, und es schwappte auch keine Sintflut los. Stattdessen stellte "thedarkoverlord" am vergangenen Freitag eine bisher unveröffentlichte Folge der amerikanischen Fernsehserie "Orange is the new black" auf einem illegalen Downloadportal online. Am Samstag folgten neun weitere. Die Netflix-Eigenproduktion handelt von den Insassen eines Frauengefängnisses. Die fünfte Staffel, zu der die gehackten Episoden gehören, soll offiziell am 9. Juni auf Netflix ihre Premiere haben.

Offenbar war Netflix nicht auf die Lösegeldforderungen des Hackers eingegangen. Seit einigen Jahren verbinden Hacker ihre Angriffe häufig mit Erpressung. Sie verschlüsseln mit spezieller Software wichtige Daten auf Unternehmensservern und geben sie nur gegen Geld wieder frei. Oder sie drohen, wie in diesem Fall, mit deren Veröffentlichung, wenn die Bestohlenen nicht bereit sind, zu zahlen.

Hacker-Nachrichten im Ton eines Batman-Bösewichts

"Es hätte nicht so weit kommen müssen, Netflix", schreibt "thedarkoverlord" in einem Statement vom Samstag und fährt, diesmal eher im Ton eines Batman-Bösewichts, fort: "Wir schämen uns, dieselbe Luft zu atmen wie ihr. Wir dachten, dass ihr als pragmatisches Unternehmen den Vorteil erkennen würdet, der darin liegt, mit einer vernünftigen und gnädigen Instanz wie uns zu kooperieren."

Laut einem Bericht der New York Times ist Folgendes passiert: Netflix hatte zehn der dreizehn neuen "Orange is the new Black"-Folgen zur digitalen Nachbearbeitung an eine kleine Post-Production-Firma, Larson Studios, ansässig in Los Angeles, geschickt. Deren Server waren aber offenbar nicht gut genug gegen Hackerangriffe geschützt. "Thedarkoverlord" konnte die Episoden ergattern und Netflix mit deren Veröffentlichung erpressen. Das FBI wusste laut New York Times schon im Januar von den Angriffen auf Larson Studios, informierte Netflix aber erst vor einem Monat.

Auf Twitter hat sich "thedarkoverlord" damit gebrüstet, dass auf Netflix noch viele weitere Produktionsfirmen folgen würden. Er sei im Besitz von Sendungen von National Geographic, Fox, ABC und IFC.

Dass Netflix mit einiger Gemütsruhe auf die Erpressung reagiert hat, dürfte im Geschäftsmodell des Streaminganbieters begründet liegen. Netflix verkauft Abonnements, die den Zugriff auf eine große Anzahl von Serien und Filmen ermöglichen. Zehn Folgen einer einzelnen Serie verursachen da keinen gewaltigen Schaden. Vielleicht ist der Fall sogar eine ganz gute Werbung für "Orange is the new Black". Die Serie ist zwar noch sehr erfolgreich, Schlagzeilen machen mittlerweile aber andere, neuere Formate.

"Thedarkoverlords" Ankündigung, man werde "noch sehr viel Spaß haben", hat aus einem anderen Grund einen bitteren Beigeschmack. Der Hacker war wohl auch an einem anderen Angriff beteiligt, der im Januar stattfand und sich gegen eine kleine Wohltätigkeitsorganisation für Krebspatienten im US-Bundesstaat Indiana richtete. Damals verlangten Hacker etwa 43 000 Dollar Lösegeld für die Serverinhalte der Organisation.

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