TV-Kritik: Plasbergs "Hart aber fair" Intimes Würstchenessen

Drama, Drama, Drama. In Plasbergs "Hart aber fair" durften sich Gottschalk, Karasek, ein Ex-Sänger einer Casting-Band und ein Medienanwalt über die Gefahren des Ruhms unterhalten. Eine Sendung von absonderlicher Ahnungslosigkeit.

Eine kleine Nachtkritik von Friederike Zoe Grasshoff und Lars Langenau

"Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen." Bertolt Brecht.

Frank Plasbergs ambitionierte Frage: "Berühmt um jeden Preis?". Da wussten auch seine Gäste nicht so richtig weiter.

(Foto: dapd)

Ein Satz, 80 Jahre. Und doch so aktuell. Eingespielt wurde er auch in der Sendung Hart aber fair mit dem ambitionierten Titel "Berühmt um jeden Preis - wie viel Öffentlichkeit verträgt der Mensch?" So viel vorab: ein Anspruch, der am Montagabend in der ARD nicht beantwortet wurde.

Allein Frank Plasbergs Gästeauswahl lässt einen grübeln, wohin der Moderator eigentlich will. Bis auf Thomas Gottschalk ist hier niemand berühmt. Und auch der nur in den engen Grenzen Deutschlands. Literaturkritiker Hellmuth Karasek ist nur einem ausgewählten Publikum bekannt. Und an Retortenband-Sänger Ross Anthony erinnern sich lediglich jüngere Freunde von Selbstentblößungsshows. Ex-Bravo-Girl Mirjam Weichselbraun ist sowieso eher Sternchen als Star. Um der "Bildungssendung" (Plasberg) wenigstens noch einen Anstrich von Seriösität zu geben, hat seine Redaktion den Medienanwalt Ralf Höcker als Bedenkenträger geladen.

Zudem sei die Frage erlaubt: Warum überhaupt so eine Sendung? Warum jetzt? Warum über ein Luxusproblem reden? Geht es jetzt um Gottschalks Quotenloch? Oder geht es um die Gefahren des Internets, in dem jeder seine fünfzehn Minuten Ruhm erlangen kann, frei nach Andy Warhol? Geht es um Cybermobbing? Oder etwa um Pseudoprominenz im Trashfernsehen?

Irgendwie ein Sommerlochthema. Im Winter.

Tommy kann überall aufs Klo gehen

Schlauer ist man auch nach 75 Minuten Sendezeit nicht. Was bleibt, ist ein Zeugnis von absonderlicher Ahnungslosigkeit. Immerhin hat Gottschalk, ein bekennender analoger Idiot in einer digitalen Welt, genug Zeit, um sich für seine miesen Quoten im ARD-Vorabendfernsehen zu rechtfertigen. Trotzdem könne er bei jedem Deutschen klingeln, "wenn ich mal dringend auf die Toilette muss". Toll.

Prominent zu sein müsse eben gelernt sein, manche seiner Kollegen hätten ja gar eine "Rote-Teppich-Ausbildung". Dann folgen ein paar Seitenhiebe auf "die Heidi" und Seal, die eine öffentliche Friede-Freude-Eierkuchen-Ehe geführt hätten. Da müsse man immer damit rechnen, als Farce entblößt zu werden.

Dann werden plötzlich alte Videos vom RTL-Dschungelkönig von 2008, Ross Anthony, eingespielt. Sie zeigen ihn, wie er überdreht mit Playmobilfiguren spielt und bei der Beauty-Behandlung kurz vor seiner Hochzeit. Vor allem ihn freut es offensichtlich, endlich mal wieder irgendwo im TV eingeladen zu sein. Damit hat die Sendung immerhin ein Ziel erreicht: Der Mann ist für 75 Minuten wieder prominent. Und er erinnert daran, wie lächerlich es sein kann, vorgebliche Privatheit in Homestorys zu kultivieren.