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TV-Junkie Donald Trump:Politiker, die Trump etwas mitteilen wollen, streben in dessen Lieblingssendungen

Nicht selten twittert der Präsident nämlich genau das in die Welt hinaus, was gerade irgendein Moderator im Studio gesagt hat.

Ein Lehrbuchbeispiel für diese Art von medialer actio und präsidentieller reactio war Trumps Tweet nach der Begnadigung der Wikileaks-Informantin Chelsea Manning durch den früheren Präsidenten Barack Obama.

Am Morgen nach der Entscheidung lief im Fernsehen - wieder bei Fox News, wo sonst - ein Beitrag über die "undankbare Verräterin" Manning. Obama sei ein "schwacher Anführer", schimpfte eine der Kommentatorinnen in der Sendung. "Undankbare Verräterin Chelsea Manning nennt Präsident Obama einen schwachen Anführer. Schrecklich!", twitterte nur Minuten nach dem Segment Donald Trump, der aber offensichtlich durcheinandergebracht hatte, wer da jetzt genau wen als was bezeichnet hatte.

Dass Trump oft vor dem Fernseher sitzt, hat sich in Washington natürlich herumgesprochen. Clevere Politiker, die dem Präsidenten etwas mitteilen wollen, versuchen daher nicht mehr, einen Termin im Oval Office zu bekommen.

Sie bemühen sich, in einer der Lieblingssendungen des Präsidenten aufzutreten. "Wir spüren, dass das Interesse, zu uns zu kommen, seit Trumps Amtsantritt deutlich gestiegen ist", zitierte das Magazin Politico vor einigen Tagen einen Mitarbeiter einer Politikshow. "Viele Abgeordnete kommen in die Shows, die Trump sich anschaut, weil sie wollen, dass er mitbekommt, was sie machen."

Tagsüber schaltet der Präsident sich wild durch die Sender

Für die Konzerne, denen die Sender gehören, hat dieses gestiegene Interesse die erfreuliche Folge, dass auch die Werbepreise zu diesen Zeiten angezogen haben. Donald Trump war schon zu Wahlkampfzeiten ein Quoten- und damit Geldbringer. Das setzt sich nun fort.

Zu den Sendungen, die Trump mit fast religiöser Hingabe verfolgt, zählt das Frühstücksformat Morning Joe des Senders MSNBC, das von dem ehemaligen republikanischen Abgeordneten Joe Scarborough und der eher linken Journalistin Mika Brzezinski moderiert wird. Morning Joe läuft von sechs bis neun Uhr, zeitgleich zu Fox & Friends, dem Morgenmagazin von Fox News, das Trump ebenfalls täglich sieht.

Tagsüber schaltet der Präsident sich dann wild durch die Sender. Er sieht sich alles an, selbst Programme, auf denen er öffentlich immer rumhackt. Trump "schaut meine Show öfter als meine Mutter", bemerkte kürzlich Anderson Cooper, Moderator beim Sender CNN, über den Trump nur noch mit dem Zusatz "fake news" spricht.

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