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Neues Buch über Donald Trump:Der Kandidat und ich

Megyn Kelly

Megyn Kelly: erhielt eine Flut von Todesdrohungen.

(Foto: Chris Carlson/AP)

Schamlose Bestechungsversuche: In "Settle for More" beschreibt die TV-Moderatorin Megyn Kelly Donald Trumps Vorgehensweise. Und der Leser erfährt etwas über den Sexismus bei Fox News.

Von Matthias Kolb, Washington

Spätestens im August 2015 konnte Amerika sehen, was es bedeutet, Donald Trump zum Feind zu haben. Die erste TV-Debatte der Republikaner hatte gerade begonnen, Tausende Fans verwandelten die Halle in Cleveland in ein Tollhaus, als Megyn Kelly dem Geschäftsmann eine Frage stellte. "Mister Trump, Sie haben Frauen, die Sie nicht mögen, als 'fette Schweine' oder 'Hunde' bezeichnet. Warum sollten wir jemanden wie Sie zum Präsidenten wählen?" Trump redete sich heraus. Er konnte froh sein, dass die drei Moderatoren von Fox News auch die anderen neun Bewerber befragen mussten.

Am Tag darauf folgte die Rache: Bei CNN nannte er Megyn Kelly ein "journalistisches Leichtgewicht" und machte eine jener Andeutungen, mit denen er so viele Gegner zur Seite schieben sollte: "Aus ihren Augen kam Blut, Blut kam aus ihr heraus ... woher auch immer."

Die Botschaft: Ich werde unfair attackiert von einer verwirrten Frau, der ihr Menstruationszyklus Probleme bereitet. Viele Trump-Fans reagierten sofort: Die heute 45-Jährige wurde auf Twitter belästigt, erhielt eine Flut an Todesdrohungen und musste für ihre Familie Leibwächter anheuern.

Wie Kelly diese Zeit erlebt hat, lässt sich von diesem Dienstag an in ihrem Buch Settle for More nachlesen. Die Auszüge beschreiben den nächsten US-Präsidenten als rücksichtslosen "Bully in Chief" und Feind der Pressefreiheit.

Eine der "nicht erzählten Geschichten" des Wahlkampfs 2016

Als Moderatorin der Abendsendung The Kelly File ist die Juristin der größte Star des konservativen Senders Fox News, und Trump umwarb sie schamlos. Einladungen in seinen Privatclub "Mar-A-Lago" in Florida, kostenlose Hotel-Übernachtungen: Sie lehnte alles ab, doch sie wisse nicht, ob andere Reporter ähnlich standhaft blieben. Diese Bestechungsversuche seien eine der "nicht erzählten Geschichten" des Wahlkampfs, so Kelly.

Besonders aufschlussreich sind jene Passagen über Fox News. Kelly beschreibt, dass sie 2006 von Sendergründer Roger Ailes sexuell bedrängt wurde. Sie habe dies aus Angst um ihre Karriere zunächst nicht gemeldet - erst im Sommer 2016 wurde Ailes mit einer 40-Millionen-Dollar-Abfindung in den Ruhestand geschickt, nachdem mehrere Moderatorinnen ihn wegen sexueller Belästigung verklagt hatten.

Kelly, die ihren Vertrag bei Fox News noch nicht verlängert hat, berichtet in Settle for More auch, dass Trump ihre Fragen in der TV-Debatte vorab kannte - ein klarer Widerspruch zum "Fair und ausgewogen"-Slogan des Senders.

"Beinahe hätte ich meinen wunderschönen Twitter-Account auf dich losgelassen"

Es sagt viel, dass Kelly all das nicht in ihrer Sendung thematisierte. Ihre Schilderungen verstärken die Sorge vieler US-Journalisten, dass Trump sie als nützliche Werkzeuge oder als Feinde ansieht.

Im Frühjahr 2015, so schreibt es Megyn Kelly, habe ein wütender Donald Trump ihr am Telefon gesagt: "Beinahe hätte ich meinen wunderschönen Twitter-Account auf dich losgelassen. Ich könnte das immer noch tun." Und in seinem ersten TV-Interview ließ es Trump offen, auch als Präsident weiter Tweets zu schicken: "Ich sage nicht, dass ich es liebe, aber ich kann so meine Botschaft verbreiten."

© SZ vom 15.11.2016/pak

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