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TV-Experten zur EM:Mehmet Scholl, Symbolfigur in einer Neiddebatte

EURO 2016 - Mehmet Scholl

Mehmet Scholl soll für seine Auftritte als Fußball-Experte in der ARD angeblich ein Millionen-Honorar erhalten.

(Foto: dpa)

Wie viel darf ein Fußball-Experte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verdienen? Über diese Frage wird gerade leidenschaftlich gestritten.

Ein Experte, der pointierte Sätze von sich gibt, kann für einen Fußball-Sender viel wert sein. Einer der pointiertesten Sätze, die je ein einstiger Fußballprofi im deutschen Fernsehen gesagt hat, stammt von Mehmet Scholl. Zu den Laufwegen des damaligen FC-Bayern-Stürmers Mario Gomez im EM-Spiel 2012 gegen Portugal fiel Scholl, der damals die zweite Mannschaft des FC Bayern trainierte, ein: "Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss."

Einfach mal frech einen raushauen: So hatte Scholl das auch als Fußballprofi gehalten. Mit seiner Unbekümmertheit war er ein Liebling der Fans gewesen - und mit seiner Schnoddrigkeit am Mikrofon war er auch als ARD-Mann schnell ein Aufsteiger. Es hat ein wenig gedauert, bis Scholl dämmerte, dass er mit dem Spruch auch einiges anrichtete. Bei Gomez hat er sich nach einiger Zeit entschuldigt.

Rumpel-Dialoge zwischen Experten sind inzwischen selten

EM- und WM-Zeit - das heißt schon lange auch: Experten-Zeit. Früher wirkten die Doppelpass-Versuche zwischen Moderatoren und Insidern oft bemüht, etwa wenn Heribert Faßbender Karl-Heinz Rummenigge die Vorgabe spielte: "Was soll ich sagen? Es ist spannend, es steht null zu null", und der einstige Paradestürmer antwortete: "Das liegt wohl vor allem daran, dass noch kein Tor gefallen ist." Derlei Rumpel-Dialoge sind inzwischen selten. Mittlerweile sind auch die vermeintlichen Insider ein wichtiger Teil der Show, mit der vor und nach jedem Spiel viel Sendezeit gefüllt wird.

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An Scholls markantem Kopf entzündet sich nun eine spannende Debatte: Wie viel sollen, wie viel dürfen die Wortbeiträge der Szenegrößen den öffentlich-rechtlichen Sendern wert sein? Der Branchendienst Kress pro hatte behauptet, Scholl beziehe bei der ARD wie sein einstiger Bayern-Kollege Oliver Kahn beim ZDF ein Millionen-Honorar. Beide Sender und beide Ex-Kicker wiesen das am Dienstag empört als übertrieben zurück. Am Tag darauf rechnete Bild vor, an Scholl könnten in diesem Jahr rund 800 000 Euro gehen, die zuvor als Gebühren eingesammelt wurden. Egal, wie viele Euro es exakt sind: Scholl steht jetzt als Symbolfigur inmitten einer Neiddebatte - und diese Debatten werden hierzulande immer leidenschaftlich geführt.

Scholls Kicker-Karriere endete 2007. Seit 2008 analysiert er die Spiele der Nationalelf. Als die ARD seinen Vertrag im vergangenen Jahr bis 2018 verlängerte, tat er kund, was aus seiner Sicht das Schöne an seiner zweiten Karriere sei: "Mein Vorteil ist, dass mich im Fernsehen kein Ehrgeiz treibt. Ich will da nichts werden, ich muss mich nicht anpassen." Inzwischen dürfte Scholl, 45, klar sein, dass selbst auf diesem Spielfeld Tücken lauern. Auch Experten werden zunehmend beäugt. Ein Trend, der sich auch an Thomas Hitzlsperger zeigt. Der ARD-Neuling verriet der Zeit, er halte Joshua Kimmich für "überschätzt". Der Konter des Kimmich-Beraters folgte prompt: Vielleicht sei ja auch der Experte "völlig überbewertet".

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