Neue Führung bei RTL Deutschland:Schon wieder weg

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Neue Führung bei RTL Deutschland: Stephan Schäfer war im September 2021 die Geschäftsführung von RTL Deutschland aufgestiegen.

Stephan Schäfer war im September 2021 die Geschäftsführung von RTL Deutschland aufgestiegen.

(Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Nach einem knappen Jahr in der Geschäftsführung von RTL Deutschland verlässt Stephan Schäfer das Unternehmen. Es übernimmt Bertelsmann-Chef Thomas Rabe.

Von Harald Hordych

Knapp ein Jahr war Stephan Schäfer Co-CEO von RTL Deutschland. Nun teilte der Medienkonzern mit, dass Schäfer aus der Geschäftsführung "in bestem Einvernehmen" ausscheide und das Unternehmen verlasse. Der Abgang kommt umso überraschender, als sich Schäfer einst als Vorstandsmitglied von Gruner+Jahr als einer der Befürworter der Zusammenlegung von RTL und Gruner+Jahr profiliert hatte und unter anderem schon 2016 den Werbeverbund Ad Alliance gegründet hatte, in dem das Kölner TV Unternehmen und das Hamburger Verlagshaus Werbeplätze gemeinsam vermarkteten. Das glich einem Bewerbungsschreiben für eine leitende Position des künftigen Medienriesen.

Wie eine irritierende Pointe wirkt vor dem Hintergrund von Schäfers Abgang nun der Satz: "Er bleibt RTL als Berater verbunden." Das ist ungefähr so, als wenn jemand zur Vordertür hinausgeht und zum Lieferanteneingang wieder hineinkommt. Auf Nachfrage der SZ erklärte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch, dass Schäfer als Berater vor allem seine journalistische Expertise einbringen werde: "Seine kreativen Impulse sind bei RTL sehr geschätzt - unabhängig von Amt und Funktion."

Journalistische Expertise und Kreativität sind in diesen Zeiten offenbar nicht die primär geforderten Skills eines CEO, um einen Konzern durch die aktuellen Krisen zu führen. Wie ernst bei der Konzernmutter Bertelsmann die Situation eingeschätzt wird, belegt die Tatsache, dass der CEO von Bertelsmann und RTL Group, Thomas Rabe, künftig selbst den Vorsitz der neuen vierköpfigen Geschäftsführung von RTL Deutschland übernehmen wird - also jener Mann, der Schäfer einst mit dem Posten beauftragt hatte.

Künftig soll ein vierköpfiges Team das Unternehmen führen

"Ich habe noch nicht erlebt, dass so viele externe negative Faktoren gleichzeitig aufgetreten sind. Das ist eine so außergewöhnliche Situation, da ist aktives Handeln nötig", sagte Thomas Rabe gegenüber der FAZ. Auf Anfrage der SZ nannte ein Sprecher, welche Faktoren Rabe meinte: "Krieg in der Ukraine, die Corona-Pandemie, Inflation, Energieversorgungs- und Lieferketten-Probleme - all diese Faktoren beeinflussen unsere Geschäfte." Außerdem verwies er auf die Halbjahreszahlen der RTL Group: Die Buchungen und Aussichten hätten sich auf den meisten europäischen Werbemärkten in den vergangenen Monaten weiter eingetrübt. Im zweiten Halbjahr rechnet der Konzern mit einem Rückgang der TV-Werbemärkte um bis zu acht Prozent.

Angesichts dieser Herausforderungen vertraut Rabe fürs "aktive Steuern" lieber dem Team einer neu formierten vierköpfigen Geschäftsführung unter seiner Führung. In diesem Team findet sich auch der bisherige zweite Co-CEO, Matthias Dang, wieder. Erst im Januar hatte RTL das Magazingeschäft von Gruner + Jahr für 230 Millionen Euro übernommen und Anfang September 2021 diesem Führungsduo die heikle Aufgabe anvertraut, Fernsehunterhaltung und Magazinjournalismus zusammenzuführen. Dang war bereits Teil der Geschäftsführung von RTL Deutschland gewesen, als zweiten CEO stellte Rabe ihm Stephan Schäfer von Gruner+Jahr zur Seite.

Schäfer hatte da bereits einen steilen Karriereweg hinter sich, erst im März 2021 war er nach dem Ausscheiden der bisherigen G+J-Verlagschefin Julia Jäkel zum CEO von Gruner + Jahr aufgestiegen, übrigens da schon parallel als RTL-Geschäftsführer zuständig für Inhalte und Marken. Zu diesem Zeitpunkt eilte ihm der Ruf der "Wunderwaffe" voraus, wie ihn das Branchenmagazin Horizont betitelt hatte. Gewinnsteigernder Personalabbau und Umbau bewährter Titel hatten ihn schon 2012 in den G+J-Vorstand geführt. Er hatte zeitweilig fünf Lifestyle-Titel gleichzeitig als Chefredakteur geführt, darunter Schöner Wohnen und Essen & Trinken. Mit dem Eintritt in den Vorstand hatte ihm Jäkel obendrein die Geschäftsführung der Verlagsgruppe "G+J Life" mit 20 Magazinen übergeben. In dieser Zeit galt Schäfer als treibende Kraft bei unbequemen Maßnahmen, um den Verlag auf dem schwierigen Markt zu behaupten, auch die umstrittene Zusammenlegung der Stern-Politikredaktion mit der des Magazins Capital war sein Werk.

Stephan Schäfer freut sich jetzt in einem offiziellen Statement auf seine Beratungstätigkeit und sieht "RTL Deutschland und Gruner + Jahr in einer guten Ausgangsposition, um zu einem nationalen Media-Champion in Deutschland zu werden".

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