Führungsduo bei RTL Deutschland:Auf Augenhöhe

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Führungsduo bei RTL Deutschland: An der Spitze von RTL Deutschland: Stephan Schäfer (l.) und Matthias Dang.

An der Spitze von RTL Deutschland: Stephan Schäfer (l.) und Matthias Dang.

(Foto: Marina Rosa Weigl/picture alliance/Horst Galuschka/imago images)

Stephan Schäfer und Matthias Dang leiten künftig gemeinsam RTL Deutschland. Was das für Unternehmen und Zuschauer bedeutet.

Von Carolin Gasteiger

Das Führungsteam von RTL Deutschland steht fest: Gruner+Jahr-Chef Stephan Schäfer und Matthias Dang, bislang Chef des Werbevermarkters Ad Alliance, werden das Unternehmen künftig gleichberechtigt leiten. Das teilte der Mutterkonzern Bertelsmann am Mittwoch mit. Der bisherige Chef von RTL Deutschland, Bernd Reichart, muss die Führungsposition abgeben, bleibt bei Bertelsmann.

Mit dem Duo hatten viele bereits gerechnet. Schäfer, der auch bereits für RTL tätig war, gilt intern als Vertrauter von Bertelsmann-Vorstand Thomas Rabe. Der 47-Jährige, der seit dem Weggang der langjährigen Unternehmenschefin Julia Jäkel im März Chef von Gruner + Jahr wurde, baut seine Position im Unternehmen sukzessive aus.

Matthias Dang war bereits Teil der Geschäftsführung von RTL Deutschland, mit Schäfer soll er sich gut verstehen. Mit der Ernennung zum CEO von RTL Deutschland zieht der 54-Jährige auch ins Group Management Committee (GMC) von Bertelsmann ein, das direkt unterhalb des Vorstands angesiedelt ist - also unterhalb von Thomas Rabe. Der gleichberechtigte zweite neue CEO Stephan Schäfer sitzt bereits im GMC.

Mit Schäfer und Dang als Doppelspitze ziehen Inhalt und Vermarktung auf Augenhöhe - das birgt auch Gefahren

Was die Personalrochade für Reichart bedeutet, ist noch nicht klar. Er bleibt zwar auch ohne Chefposten im GMC, aber welche Aufgaben er künftig übernehmen wird, etwa ob er zum Teil Aufgaben von Vorstandschef Rabe übernehmen könnte, ist unklar. Reichart gibt außerdem die Führung der Bertelsmann Content Alliance an Schäfer ab, in der RTL Deutschland, die Film- und Fernsehproduktionsfirma Ufa, die Penguin-Random-House-Verlagsgruppe, Gruner + Jahr sowie das Musikunternehmen BMG zusammenarbeiten, um neue Formate zu schaffen. Mit Gründung der Content Alliance hatte Bertelsmann im Januar 2019 seine deutschen Inhalte-Geschäfte zusammengeführt. Seitdem war Schäfer für Fernsehen und Zeitschriften zuständig, auch wenn er zuvor keine TV-Erfahrung hatte.

Anfang August hatte Bertelsmann bekannt gegeben, dass RTL das Magazingeschäft von Gruner + Jahr für 230 Millionen Euro übernehmen wird. Wer das Unternehmen führen sollte, war damals noch offen.

Mit Schäfer und Dang als Doppelspitze von RTL ziehen nun Inhalt und Vermarktung auf Augenhöhe. Was aus Unternehmenssicht zeitgemäß wirken mag, birgt jedoch auch ein Risiko. Wenn Inhalte immer stärker danach ausgerichtet werden, ob sie gut vermarktbar sind oder nicht, verlieren sie an Profil. Ähnlich ist es bei den Zeitschriften von Gruner + Jahr, Geo, Stern oder Brigitte, schon passiert. Für Nischenthemen und ein eigenes Profil ist kaum mehr Platz. Stattdessen setzt der Konzern auf massenkompatible Inhalte.

Passend dazu war der Personalwechsel bereits am Dienstag bekannt geworden, an dem Tag, als Bertelsmann seine - guten - Halbjahreszahlen veröffentlichte und von einem Rekordwert sprach. Man erwarte für das Gesamtjahr ein Konzernergebnis von knapp zwei Milliarden Euro.

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