Sonneborn zur Vergabe der WM 2006 Überzeugungskraft eines Faxes

Süddeutsche.de: Was hatte denn nun mehr Überzeugungskraft: Die Frankfurter Würstchen, der Schwarzwälder Schinken oder die Kuckucksuhr?

Sonneborn: Ich glaube, die Tatsache, dass das damals per Fax angeboten wurde. Und man dies dann nachts um 23 Uhr unter der Tür des Hotelzimmers durchgeschoben bekam. Dagegen sind windige Gespräche mit Nelson Mandela oder Gerhard Schröder doch nichts Greifbares.

Süddeutsche.de: Derzeit sind die Fifa und ihr Boss schwer in Erklärungsnot. Wer hat denn da nun wen geschmiert? Das ist ja alles ein wenig undurchsichtig.

Sonneborn: Wichtig ist, dass da große Geldsummen fließen. Es wird keine WM ohne Präsentkörbe vergeben, die dann allerdings nicht nur mit Delikatessen gefüllt sind, sondern mit Schecks.

Süddeutsche.de: Waren Sie inzwischen in Südafrika im Urlaub? Oder haben Sie noch immer Angst, dass die Südafrikaner nachtragend sind?

Sonneborn: Nein, ich war noch nicht da, das habe ich für dieses Leben eigentlich auch ausgeschlossen. Aber die Urlaubsländer werden inzwischen ein wenig knapp. In China droht mir nach einem Spaß in der Heute-Show die Hinrichtung - und auch in Georgien bin ich nach einem Staatsbesuch mit der "Partei" nicht mehr willkommen.

Süddeutsche.de: Nun bleibt nur die Schweiz?

Sonneborn: Ja, die Schweiz! Das ginge weiterhin, denn die halten das da für ganz normal, dass man seine Ziele mit Korruption erreicht. Außerdem sind die Schweizer so schön devot uns Deutschen gegenüber.

Süddeutsche.de: Wir haben Sie auf der Tribüne der EM in der Ukraine neben Staatspräsident Viktor Janukowitsch vermisst. Hatten Sie gar keine Ehrenkarte?

Sonneborn: Ich habe das boykottiert, weil ich mich nicht neben derart unseriösen Politikern sehen lassen wollte.

Fußball-Weltverband

Das zwielichtige System der Fifa