RTL-Dschungelcamp: Tag 5 Vorzeitiger Dramenerguss

Evelyn und Domenico sind sich nur in einer Sache einig: Geredet wird nicht miteinander, sondern mit dem Kameramann.

(Foto: RTL)

Tommi erzählt von seiner sexuellen Blüte - und klärt die jüngere Testosteron-Generation über ein Tabuthema auf. Für den leidenschaftlichen Höhepunkt sorgen Evelyn und Domenico.

TV-Kritik von Johanna Bruckner

Thema des Tages: Fake News, dreiste Lügen und der Kampf um die Wahrheit. Und ja, wir sind immer noch in Australien und nicht in Amerika. Aber es gibt durchaus Parallelen, zum Beispiel diese: Wenn die Beteiligten des unwürdigen Schauspiels ehrlich wären, geht es natürlich nicht um Wahrheit, sondern um Deutungshoheit. In der Schaltzentrale der öffentlichen Fernsehaufmerksamkeit in Murwillumbah werden an Tag fünf brisante Fragen verhandelt: Hat TV-Casanova Domenico de Cicco Evelyn Burdecki etwas vorgemacht, als er mit ihr bei Bachelor in Paradise anbandelte? Wusste er vor seiner Teilnahme an dem Format, dass seine Freundin schwanger ist (und war diese vielleicht sogar eingeweiht)? Oder spielt Evelyn ihrerseits ein falsches Spiel, wenn sie im Dschungel tränenreich auf einer Aussprache beharrt - wo sie doch auf Instagram längst mit einem anderen Beau am Beach liegt?

Die Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber. Und was macht RTL? Klar, immer schön Öl ins Liebesfeuer gießen. Domenico und Evelyn werden gemeinsam auf Schatzsuche geschickt. Es kommt zum vorzeitigen Dramenerguss. In der relativen Einsamkeit des Waldes fliegen minutenlang die Fetzen. Der ganze Konflikt lässt sich auf einen Wortwechsel herunterbrechen. Sie sagt: "Ich hab' ein Herz und das ist verletzt." Er sagt: "Ich geb' dir einen Burger aus." Angesichts solcher Gräben ist man froh über einen Minimalkonsens: Geredet wird nicht miteinander, sondern mit dem Kameramann.

Fernsehen Die Tränen von Prollkönig und Pornoqueen
RTL-Dschungelcamp: Tag 4

Die Tränen von Prollkönig und Pornoqueen

Wer sich im Dschungelcamp Siegchancen ausrechnet, hat eine anrührende Lebensbeichte im Gepäck. An Tag vier packen Bastian Yotta und Sibylle Rauch aus.   TV-Kritik von Johanna Bruckner

Tragende Rolle: der Lustmolch. Eigentlich hatte RTL für die sexuellen Bedürfnisse des Publikums ja Leila Lowfire gecastet - aber die köchelt bisher auf Sparflamme. Evelyn hätte Lust, offenbart in einer Diskussion über die Folgen sexueller Abstinenz beim Mann allerdings eklatante Wissenslücken ("Tut das nicht weh?"). Da kommt es dem Sender zupass, dass spontan Camp-Senior Tommi einspringt. Er verteilt Komplimente: "Den besten Po hat Evelyn. Aber die anderen haben auch 'nen schönen Arsch." Erzählt von früher: "Die Beste, die ich je hatte, das war Amelie. Die war 26 Jahre jünger als ich. Das war ein Feuervogel. Das ging ab wie Schmitz' Katze." Und klärt die jüngere Testosteron-Generation über ein Tabuthema auf: Prostata-Probleme. "Die Frauen wollen Potenz sehen", sagt Tommi. "Wenn ein Mann sichtbar nicht mehr spritzt, also eierkuliert, dann ist das für den Mann richtig schlimm." Er komme zwar noch zum Orgasmus, "aber das Eierkulat geht nach innen".

Ja, als Fernsehmacher braucht man manchmal Glück. Oder eine sichere Samenbank.

Worüber wurde am Lagerfeuer gesprochen? Über Sibylle. Eine Männerrunde macht sich des Morgens am Feuer Sorgen um die frühere Erwachsenenfilmdarstellerin. Erst Porno, und jetzt auch pennen unter Palmwedeln - packt die das? Domenico vermutet höhere Kräfte hinter Sibylles Camp-Teilnahme: "Das ist schlimm, wenn ein Manager kommt: Du musst da rein." Tommi diagnostiziert einen sichtbaren körperlichen Verfall: "Das war mal ein richtig gutaussehender Käfer." Und Felix findet: "Das hier, das macht sie noch viel kaputter." Unisono wird dann noch spekuliert, dass der "Eis am Stiel"-Star sich nicht nur auf der Leinwand für Sex bezahlen ließ. Sibylle selbst tut derweil das einzig Richtige: Sie verschläft die misogyne Grütze einfach.

Und die Dschungelprüfung? Wird einmal mehr von Gisele Oppermann bestritten, der die Zuschauer an Tag fünf Bastian Yotta zur Seite gestellt haben. Der Buchautor ("Die Yotta-Bibel") steht damit vor der Herausforderung, aus Weinen irgendwas zu machen - für einen Mann, der wie Jesus das Kreuz des unverstandenen Propheten trägt, sollte das eigentlich kein Problem sein. Eigentlich. Der Rest der Prüfung "Mitgehangen, mitgefangen" ist schnell erzählt. Das altbekannte Testament des Scheiterns, für Sie kurz zusammengefasst.

Gisele sagt: "Ich hab' richtig Bock auf diese Prüfung."

Dr. Bob sagt: "Ich kann nicht verhindern, dass etwas in euren Mund gelangt - oder an jede andere Stelle eures Körpers."

Gisele sagt: "Ich kann das nicht, ich will das nicht, holt mich hier raus."

Bastian sagt: "Fuck, fuck, fuck, fuck."

Bastian sagt: "Das ist wie, wenn mich meine Freundin geil machen würde, und dann darf ich nicht ficken."

Bastian sagt: "Wir sind hierhergekommen, um unsere Grenzen zu überwinden. Wer das nicht versucht, ist ein Loser."

"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!"

Das sind die Dschungelcamp-Kandidaten 2019

Satz für die TV-Annalen: "Ich seh' mich als Primus inter pares." (Sagt Peter Orloff, als er zum neuen Teamchef im TV-Busch auserkoren wird. Ihnen sagen wir an dieser Stelle: Gern geschehen, nach fünf Tagen Dschungel haben Sie ein bisschen Niveau verdient. Aber gewöhnen Sie sich besser nicht daran. Denn ...)

Moral der Geschichte? "Diese Fernsehwelt ist abgefuckt." Bilanziert Reality-Show-Veteran Domenico. Dabei kommt er um das Schlimmste derzeit herum: Das Unerträglichste am Dschungelcamp sind nämlich immer noch die letzten fünf Minuten DSDS davor. Hier werden Menschen vorgeführt, die im Gegensatz zu Domenico den Baum der bitteren Erkenntnis noch nicht gekreuzt haben.

"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" TV-Kritiken zum Dschungelcamp