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RTL-Dschungelcamp: Tag 4:Die Tränen von Prollkönig und Pornoqueen

Dschungelcamp - Bastian Yotta und Sibylle Rauch im Camp 2019

Professioneller Selbstdarsteller gegen Schauspielerin: Bastian Yotta und Sibylle Rauch zeigten sich im Dschungelcamp an Tag vier emotional - mal mehr, mal weniger glaubwürdig.

(Foto: RTL)

Wer sich im Dschungelcamp Siegchancen ausrechnet, hat eine anrührende Lebensbeichte im Gepäck. An Tag vier packen Bastian Yotta und Sibylle Rauch aus.

Thema des Tages: lebensbedrohliche Niederschläge. "Jetzt ist er auch noch nass und schwer. Die Sorge um einstürzende Dächer wächst", sagt RTL- Nachtjournal-Moderator Maik Meuser in einer Werbepause. Er meint damit natürlich den Schnee in Deutschland - seine Ansage passt aber auch aufs tropenwarme Camp in Australien. Mit einem Unterschied: Down Under gehört der Zusammenbruch zum Konzept. Jeder Kandidat, der sich Siegchancen ausrechnet, hat eine sympathiewirksame Lebensbeichte im Gepäck. An Tag vier packen Sibylle Rauch und Bastian Yotta aus. Oder anders gesagt: Eine Ex-Erwachsenen­film­dar­­stellerin tritt ins Emotionsduell mit einem Mann, der nach eigener Aussage immer noch ein kleiner Junge ist, "der nach Liebe strebt".

Tragende Rolle (männlich): Bastian Yotta, der Harte, als Bastian Yotta, der Wachsweiche. Bastians Tragik ist, dass ihm trotz aller Mühen und Motivationssprüche die Anerkennung verwehrt bleibt. "Mein Opa hat immer drunter gelitten, dass die Leute nicht gesehen haben, wie ich als Mensch bin", sagt er im Dschungeltelefon. Die Stimme bricht, die Tränen kullern - so sieht ein Mensch aus, dem etwas wirklich nahegeht. Oder eben jemand, der eine Reality-TV-Show gewinnen will.

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Wer ist Bastian Yotta? Das weiß wohl nur er selbst. Und gibt Mitcamper Felix van Deventer prompt einen Abriss seines bisherigen Lebens: aus dem Dreck gekommen. Drei Universitätsabschlüsse gemacht (Betriebswirtschaft, Jura, Sport). Sich als Versicherungs­ver­tre­ter verdingt. Geld gemacht. Geld durchgebracht. Obdachlos geworden (Wo schläft man eigentlich als Homeless?"). An Suizid gedacht ("Wie bringt man sich um?"). Eine Erleuchtung gehabt. Sich zurück in die Erfolgsspur gekämpft. Am Ende schafft es der begnadete Geschichtenerzähler sogar noch, den Bogen zurück zum eingangs erwähnten Opa zu schlagen: "Ich glaube, er wäre stolz auf mich."

Tragende Rolle (weiblich): Sibylle Rauch als "Pornoqueen" wider Willen. Auch bei dieser Lebensbeichte spielt Felix van Deventer den Stichwortgeber - wobei man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass der Soap-Darsteller mit seinen 22 Jahren noch mitten in der Pubertät steckt. Brüste? Hihihihihi. Sex? Ohohohoho. Am Campfeuer klingt das dann so: "Wann hast du dir zum ersten die Brüste machen lassen?" Und: "Also hat dir Porno schon Spaß gemacht?"

Sibylle behält die Würde - einmal Königin, immer Königin. Nein, Porno habe ihr keinen Spaß gemacht. Sie habe aber in ihrer "sogenannten Glanzzeit" sehr viel Geld verdient. Und die Brüste habe sie sich im Übrigen wegen eines Angebots von Pornoproduzentin Teresa Orlowski machen lassen. Drei Sex-Szenen, 100 000 Mark Gage. "Ich habe erst mal abgelehnt - in meinem Kopf war Hollywood", erklärt die "Eis am Stiel"-Ikone mit Camp-untypischer Selbstkritik.

Auch Sibylle hatte dunkle Zeiten. Nach der Karriere war das verdiente Vermögen schnell aufgebraucht. Es folgte der Absturz. "Ich hab' da, ganz ehrlich, an Selbstmord gedacht", gesteht sie in Richtung Kamera. "Ich war dabei, diesen Weg zu gehen." Auch ihre Stimme versagt in diesem Moment, auch ihre Augen sind feucht. Und womöglich ist es tatsächlich nur dieses nachgeschobene tapfere Schniefen, das sie so viel glaubwürdiger und anrührender wirken lässt als Bastian Yotta. Mag sein, dass hier die Schauspielerin über den professionellen Selbstdarsteller triumphiert. Doch, wie Chris Töpperwien sagen würde, das ist immer noch eine "fucking Fernsehshow". Hier geht es weniger um Authentizität als darum, wer die Zuschauer abholt.

Und die Dschungelprüfung? "Entscheidend ist auf'm Platz", sagte einst Adi Preißler. Man ist froh, dass der legendäre Fußballtrainer nicht mehr miterleben muss, wie "auf'm Platz" immer unwichtiger wird. Das gilt zumindest in Bezug auf die Dschungelprüfungen. Man kennt das inzwischen: Kakerlaken, Maden, menschliches Geschrei. Selbst der Anblick eines blutigen Darms (wir befinden uns an Tag vier in der "Klinik unter Palmen") löst keinen Würgereiz mehr aus. Ekliger TV-Alltag, eben. Spannender ist da schon, wie die Dschungelprüfung von denen diskutiert wird, die nicht antreten müssen - oder dürfen. Doreen Dietel ist angefressen, dass einmal mehr Gisele Oppermann von den Zuschauern geschickt wurde: "Es wird immer das schwächste Glied oder das Arschlochglied gewählt. Aber was soll ich jetzt machen - soll ich anfangen zu weinen?"

(Der Vollständigkeit halber: Gisele und Mitstreiter Chris Töpperwien erkämpfen acht Sterne.)

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Worüber wurde am Lagerfeuer gesprochen? Vor allem wurde aneinander vorbeigeredet. Evelyn Burdecki und Domenico de Cicco versuchen sich erneut an einer Aussprache. Also getrennt voneinander. Um neu Dazugekommene abzuholen: Die beiden fanden sich in der Kuppelshow Bachelor in Paradise. Ein entscheidendes Detail hatte die thailändische Sonne Domenico allerdings vorübergehend aus dem Gehirn gebrannt - er hatte im realen Leben bereits eine Eva, die noch dazu in freudiger Erwartung war. (Mutmaßlich nicht auf die Rückkehr ihres amourös vielseitig interessierten Adams.)

An Tag vier schildern beide noch einmal ihre Sicht der Dinge. Und hier zeigt sich: Das hätte ohnehin nicht gehalten - die beiden sind einfach zu unterschiedlich. Sie, die Romantikerin ohne Angst vor billigen Klischees ("Wir waren wie Seelenverwandte." / "Das war wie meine zweite Herzhälfte." / "Dir wurde so dein Leben rausgerissen"). Er, der Realist, der seine Zukunft nicht in der Liebe, sondern in Likes sieht ("Ich will dieses Familienimage haben, weißt du? Als ich jetzt auf meinem Instagram-Account ein Bild von ihr reingesetzt habe, also wir zusammen - das ist so nach oben geschossen.").

Tier des Tages: die Cobra-11-Schlange. So getauft von Evelyn Burdecki, die ja mitunter auch ein bisschen an einen Autounfall erinnert. Es handelt sich bei der Cobra-11-Schlange im Übrigen nicht um ein Reptil mit Vorliebe für Asphalt-Action, sondern eine wild gewachsene Gurke. Crash, Boom, Plemplem.

Moral der Geschichte? "Gedanken werden zu Worten. Worte werden zu Taten. Taten werden zu deinem Charakter. Also achte stets drauf, was du denkst." Sagt Bastian Yotta. Denken Sie mal drüber nach.

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