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Propaganda-Trickfilm zum Gaza-Krieg:"Die Hamas baut ein U-Bahn-System"

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Der blonde Reporter, der großzügig wegschaut: So stellt das israelische Außenministerium die internationale Berichterstattung zum Gaza-Krieg dar.

(Foto: Screenshot Youtube)
  • Das israelische Außenministerium hat einen Trickfilm und einen Text veröffentlicht, in dem die ausländische Berichterstattung zum Gaza-Krieg im vergangenen Sommer kritisiert wird.
  • Der Clip zeigt einen Reporter, der das Unrecht, das um ihn herum geschieht, verdreht darstellt.
  • Israel und die Palästinenser hatten nach dem Gaza-Krieg eine unbefristete Waffenruhe verkündet. In dem 50-tägigen Krieg waren mehr als 2100 Menschen ums Leben gekommen.
  • In dieser Woche wird ein Bericht des UN-Menschenrechtsrats zu möglichen Kriegsverbrechen in Gaza erwartet.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Im Krieg entfaltet sich die Macht der Bilder, nach dem Krieg tun es manchmal auch ein paar Cartoons: In einem Zeichentrick-Filmchen, produziert im Außenministerium in Jerusalem, nimmt Israels Regierung nun die internationale Berichterstattung über den Gaza-Krieg im vorigen Sommer aufs Korn, und das mit der Waffe des Humors, die ja bisweilen zweischneidig ist.

Gezeigt wird ein ziemlich blonder und ganz bestimmt blauäugiger TV-Reporter, dessen Aufsager für den Zuschauer daheim konterkariert werden durch das wirkliche Geschehen, das sich hinter seinem Rücken abspielt.

"Wir stehen hier im Zentrum von Gaza, und, wie Sie sehen, versuchen die Menschen hier in Ruhe zu leben. Es gibt keine Terroristen, nur normale Leute", sagt die Reporter-Karikatur - und im Hintergrund bringt ein vermummter Kämpfer eine Rakete in Stellung und schießt sie ab.

In einer anderen Szene preist der Berichterstatter Gazas "liberale und pluralistische Gesellschaft", während gerade ein Abtrünniger überwältigt und abtransportiert wird. Und wer will, kann sich auch noch an der Szene erfreuen, in der der Fernseh-Clown die Terror-Tunnel der Hamas als zukunftsweisendes Projekt preist: "Die Hamas baut hier ein U-Bahn-System."

Ein humorfreier Bericht zu möglichen Kriegsverbrechen in Gaza steht bevor

Natürlich gibt es tumbe Journalisten, wie es zum Beispiel auch tumbe Politiker gibt, vielleicht sogar in Israel. Doch hier kommt eine Methode zur Anwendung, die schon in der Antike gern beschrieben worden ist: Der Bote wird attackiert, weil die Botschaft nicht behagt. Seit den Kriegstagen wirft Israels Regierung den ausländischen Reportern immer wieder einseitige Berichterstattung vor, die dann für Israels schlechtes Image verantwortlich gemacht wird.

Jetzt also soll endlich einmal nicht mehr über die mehr als 2100 Kriegstoten gesprochen werden, von denen mehr als die Hälfte den Vereinten Nationen zufolge Zivilisten waren. Nun darf gelacht werden, und das ist besonders herzerfrischend in einer Woche, in der in Jerusalem ein gewiss humorfreier Bericht des UN-Menschenrechtsrats zu möglichen Kriegsverbrechen in Gaza erwartet wird.

Premierminister Benjamin Netanjahu hat bereits vorab wissen lassen, dass es "Zeitverschwendung" sei, diesen Bericht zu lesen. Bestimmt schaut er lieber Zeichentrickfilme.

© SZ.de/aper
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