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Presse in Spanien:"El País"-Verleger entlässt und verklagt Journalist

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Juan Luis Cebrián ist der bekannteste Medienmanager Spaniens.

(Foto: Getty Images)

Dabei griff Ignacio Escolar lediglich Berichte über die Panama-Verbindungen des Medienmanagers Juan Luis Cebrián auf.

Die Radiosendung Hoy por hoy ("Heute über heute") ist eine der meistgehörten Spaniens. Von Montag bis Freitag diskutieren in dieser tertulia (so heißen die Talkshows in Spanien) der großen Radiostation Cadena SER politische Kommentatoren das Zeitgeschehen. Einer der bekanntesten ist - oder besser: war - Ignacio Escolar. Denn künftig müssen die Hörer auf ihn verzichten: Cadena SER habe ihm mitgeteilt, dass man auf seine Dienste als Analyst künftig verzichten müsse, berichtet Escolar. Dahinter steckt ein Streit mit Juan Luis Cebrián, dem mächtigen Chef der Mediengruppe Prisa, zu der neben Cadena SER auch die größte Tageszeitung Spaniens, El País, gehört. Grund für den Rauswurf: Ignacio Escolar hatte in seiner Internetzeitung eldiario.es über Cebrián im Zusammenhang mit den Panama Papers berichtet. Cebrián fühlt sich dadurch in seiner Ehre verletzt, er hat rechtliche Schritte eingeleitet. Cebrián nennt die Berichterstattung falsch und diffamierend, sie beschädige seine Reputation sowie die von Prisa. In den Panama Papers komme er nicht vor.

Cebrián ist der bekannteste Medienmanager Spaniens, er hat einen Ruf zu verlieren. In den 1970er-Jahren gehörte er zu den Gründern der linksliberalen Zeitung El País, deren Beitrag zur Demokratisierung Spaniens nach 40 Jahren Diktatur unstrittig ist. Dass ihn die Nennung im Zusammenhang mit den Panama Papers erzürnt, überrascht also nicht. Doch trotzdem hat seine Reaktion die Kritik des spanischen Journalistenverbandes APM hervorgerufen. Cebrián habe das Recht, sich zu verteidigen, schreibt dieser in einer Presseerklärung. Die Entlassung Escolars trage aber eher Züge einer Repressalie als die einer professionellen Entscheidung.

Die spanischen Traditionsblätter seien nur Sprachrohre ihrer Eigentümer, lautet der Vorwurf

Dazu kommt, dass Escolar eigentlich nicht zu denen gehörte, die Cebrián als Erste in Zusammenhang mit den Panama Papers brachte. Das waren die investigative Internetzeitung El Confidencial und der kleine, linksorientierte Fernsehsender La Sexta, Partnermedien der Investigativplattform ICIJ, die zusammen mit der Süddeutschen Zeitung die Panama Papers enthüllt haben. Beide Medien hatten berichtet, Cebriáns Ex-Ehefrau sei von 2004 bis 2010 als Bevollmächtigte einer Offshore-Firma auf den Seychellen gewesen, bei deren Gründung die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca Dienste geleistet habe, aus der die Papers stammen. Cebrián und seine heutige Ex-Frau seien damals noch zusammen gewesen. Diese gab jedoch an, sie habe nie eine Vollmacht unterzeichnet. Cebrián betonte gegenüber La Sexta und El Confidencial, er habe nie eine Offshore-Firma besessen.

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Jedoch soll Cebrián laut den Recherchen eine Beteiligung an einer in Luxemburg beheimateten Ölfirma halten, die vorhat, im Bürgerkriegsland Südsudan Öl zu fördern. "Treibende Kraft" dieser Firma sei ein mit ihm befreundeter, iranisch-stämmiger Geschäftsmann aus dem Umfeld der Sozialistischen Partei Spaniens (PSOE). Cebrián sei auch mal kurze Zeit Mitglied des Verwaltungsrats der Ölfirma gewesen, habe dieses Amt jedoch 2015 niedergelegt, als Prisa sich neue Ethikregeln gab, berichteten La Sexta und El Confidencial.

Cebrián hat beide Medien wegen Rufschädigung angezeigt - und eldiario.es von Ignacio Escolar gleich dazu, obwohl dessen Internetplattform eigentlich nur die Recherchen der anderen Medien kolportiert und kommentiert hatte. Außerdem berichtete das Prisa-Medium El País auf der Titelseite über Cebriáns rechtliche Schritte.

Escolar und seine Kollegen von eldiario fühlen sich dadurch in ihrem Vorwurf bestätigt, die spanischen Traditionsblätter seien nur Sprachrohr ihrer Eigentümer und Financiers und würden keinen unabhängigen Journalismus mehr betreiben. Die Auflagenzahlen von El País sind seit Jahren rückläufig, der Mutterkonzern Prisa steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Die Konkurrenz durch Online-Medien wird stärker.

Prisa-Chef Cebrián soll Journalisten seiner Mediengruppe nun auch untersagt haben, als Gast beim Fernsehsender La Sexta aufzutreten. Mit solchen Methoden verquicke er seine eigenen Interessen mit denen des Konzerns, kritisiert der Journalistenverband. Die Journalisten von Prisa dürften nicht für ein Thema sanktioniert werden, das den Präsidenten der Gruppe privat betreffe, heißt es in der Erklärung.

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