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"Polizeiruf" aus Magdeburg:Sie ist ein böses Mädchen

"Polizeiruf 110" mit Claudia Michelsen

Claudia Michelsen im Polizeiruf 110 aus Magdeburg.

(Foto: MDR/Julia Terjung)

Claudia Michelsen gibt im neuen "Polizeiruf 110" ihren Einstand in Magdeburg. Kommissarin Braschs erster Fall ist keine sehr erfreuliche ostdeutsche Geschichte über glatzköpfige Herren. Dafür ist sie aber eine extrem coole Socke.

Eine Stadt ist ja heute gar nichts mehr ohne einen eigenen Sonntagabendkrimi im Ersten Deutschen Fernsehen. Und so bewegte es zumindest im Sendegebiet des Mitteldeutschen Rundfunks doch einige Menschen, welche ostdeutsche Stadt die Nachfolge von Halle an der Saale als Polizeiruf-Standort übernehmen würde.

Die Wahl fiel auf Magdeburg, wo man dann aber gar nicht so sehr begeistert war über das, was der MDR in der Landeshauptstadt vor der Domkulisse gefilmt hatte: einen ermordeten Afrikaner und ein paar rechtsextreme Jugendliche. Politiker warnten prompt davor, "rechte Gesinnung als ausgewiesenes Ostproblem darzustellen". Eifersuchtsmorde sind wohl besser für die regionale Tourismusvermarktung.

Der erste Polizeiruf 110 aus Magdeburg erzählt, das ist schon wahr, keine sehr erfreuliche ostdeutsche Geschichte. Die glatzköpfigen Herren, die bald unter Mordverdacht geraten, beklagen sich über die Abwanderung aus ihrer Stadt, über die hohe Arbeitslosigkeit in der Region. Und sie sind sich sicher, dass man ein paar der Probleme ganz einfach damit lösen könnte, wenn Ausländer nicht auch noch Läden und Fitnessstudios betreiben würden, die eigentlich Deutschen gehören sollten.

Mit dem Motorrad die Treppe runter

Der Fall und das Thema dahinter, das ist alles sehr solide geschrieben und inszeniert, nur die neue Magdeburger Kommissarin ist an etwas sehr vielen Stellen in die Geschichte verwoben. So spektakulär wie manch anderer Film aus der Tatort-Konkurrenz-Reihe der vergangenen Monaten ist "Der verlorene Sohn" aber nicht.

Claudia Michelsen spielt die Kommissarin Brasch, damit kann der Sender ja nicht viel falsch machen. Aber weil ARD-Ermittler immer Typen mit Schrullen und tragischen Erlebnissen sein müssen, ist Claudia Michelsen in Magdeburg eine extrem coole Socke. Sie fährt mit dem Motorrad die Treppe hinunter und wenn sie einen fiesen Nazi zum Reden bringen will, dann hält sie sich ein Messer an den Hals. Ein Messer mit seinen Fingerabdrücken natürlich. Später, als hätte man es nicht auch so schon verstanden, sagt sie noch: "Ich bin ein böses Mädchen". Naja.

Angenehm schweigsam daneben steht Sylvester Groth, ihr Kollege, dessen Biografie nicht in 90 Minuten in Gänze aufbereitet wird. Einziger Hinweis bisher: Drexler spricht Französisch.

Polizeiruf 110, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.