Politik und Medien – Christian Wulff und die Bild-Zeitung

Auch der frühere Bundespräsident stolperte über einen Anruf bei Journalisten. Lange galt der CDU-Politiker als geschickt im Umgang mit Medien, besonders mit der Bild-Zeitung, aber auch mit Promimagazinen wie der Bunten. Doch in Schloss Bellevue angekommen, verhedderte er sich in seinen Kontakten. Im Winter 2011/12 sah sich Wulff Vorwürfen ausgesetzt, zu enge Beziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens zu unterhalten. Als in der Bild-Zeitung ein kritischer Bericht über einen privaten Immobilienkredit bei dessen Frau erscheinen sollte, hinterließ Wulff eine fatale Mailbox-Nachricht bei Chefredakteur Kai Diekmann. 

Zitate wie "Rubikon überschritten", "Krieg führen" und "endgültiger Bruch mit Springer" gelangten an die Öffentlichkeit, jedoch nicht der vollständige Wortlaut, dagegen wehrte sich Wulff vehement. In einem Fernsehinterview am 4. Januar 2012 gestand der Bundespräsident zwar Fehler ein, sagte aber auch, er habe den Erscheinungstermin des Kreditberichts nur verschieben, nicht verhindern lassen wollen. Die Bild-Zeitung widersprach dieser Darstellung.

Der Deutsche Journalisten-Verband DJV wertete gegenüber der SZ den Anruf als "klaren Versuch, Einflussnahme auf die Berichterstattung auszuüben" und kritisierte dies scharf. Der frühere SZ-Chefredakteur Hans Werner Kilz sagte, "ein so törichtes Vorgehen wie bei Wulff habe ich noch bei keinem Spitzenpolitiker erlebt".

Im Bild: Bundespräsident Christian Wulff und seine Ehefrau Bettina am 17. Februar 2012 im Schloss Bellevue auf dem Weg zu seiner Rücktrittserklärung

Bild: dpa 25. Oktober 2012, 16:252012-10-25 16:25:05 © Süddeutsche.de/ihe/vks/woja