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Podcasts des Monats:Das sind die Podcast-Tipps im Januar

Ist Gott männlich oder weiblich? Wie stark ist Irans Militär? Und sind Computerspiele wirklich unpolitisch? Die besten Podcasts des Monats versuchen sich an Antworten.

Zwei Pfarrerstöchter plaudern über die Bibel. Ein Pianist erzählt am Klavier. Und zwei Kunstfreunde machen sich auf die Suche nach einem verschwundenen van Gogh. Die SZ-Medienredaktion stellt ihre Lieblingspodcasts im Januar vor, diesmal mit Kunst, Religion und Sicherheitspolitik.

Sicherheitshalber

soundcloud.com/sicherheitshalber

Kämpfen deutsche Soldaten bald in der Sahelzone? Wie stark ist Irans Militär? Warum nennt Macron die Nato "hirntot"? Und wird Europa Schauplatz eines neuen Wettrüstens? Diese Fragen werden in Sicherheitshalber kompetent analysiert. Alle drei Wochen diskutiert Ulrike Franke von der Denkfabrik European Council on Foreign Relations mit Thomas Wiegold, dem Betreiber des Bundeswehr-Blogs Augen geradeaus!, sowie mit Carlo Masala und Frank Sauer von der Münchner Bundeswehr-Uni über sicherheitspolitische Themen. Das mag für Laien abschreckend klingen, doch die einstündigen Folgen sind verständlich und kurzweilig - etwa durch das Fazit, mit dem Franke jede Diskussion bilanziert, und weil es nicht immer einen Konsens gibt. Gerade wie Sauer und Masala auf respektvolle Art streiten, regt zum Nachdenken an. Gestartet wurde der Podcast aus Frust über die unterkomplexe und reflexhaft ablaufende deutsche Debatte über Sicherheitspolitik. Wer ihn hört, versteht besser, worüber die Welt sowie SPD und Union gerade streiten. Matthias Kolb

Games und Politik

deutschlandfunk.de/corso

Computerspiele sind unpolitisch, betonen Fans und Entwickler regelmäßig. Dafür steht das Medium recht häufig im Zentrum gesellschaftlicher Debatten. Eine siebenteilige Reihe der Deutschlandfunk-Sendung Corso setzt sich nun mit der Geschichte des Mediums und den Spielprinzipien auseinander. In einer Episode gibt der Kulturwissenschaftler Christian Huberts Einblicke in die Szene. Das geht wesentlich tiefer als die meist oberflächlichen und vorurteilsbelasteten Auseinandersetzungen mit Computerspielen. Spiegeln sich möglicherweise schon in den Spielmechaniken politische Ideologien, selbst in etwas scheinbar so Harmlosem wie dem Klötzchenspiel Tetris? Müssen sich Entwickler politisch positionieren, oder tun sie das nicht ohnehin schon, auch wenn sie es leugnen? Warum inszenierten die Attentäter von Christchurch und Halle ihre Amokläufe wie Computerspiele? Das sind die richtigen Fragen an das Medium, die zu selten gestellt werden. Manche der Antworten geben Grund zur Sorge. Nicolas Freund

Kino Welche Filme sich lohnen - und welche nicht Bilder
Filmstarts der Woche

Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

"Das Vorspiel" mit Nina Hoss ist ein subtil inszeniertes und großartig gespieltes Psychodrama. Die Jugendroman-Verfilmung "Wolf-Gang" erinnert ein bisschen zu sehr an Harry Potter.

32 x Beethoven

br-klassik.de/themen/beethoven-bewegt/podcast/index.html

Ein Mann sitzt am Klavier, ein anderer bringt ihn zum Erzählen, heraus kommt eine große Freude. Der Mann am Klavier ist der gefeierte Pianist Igor Levit, zusammen mit dem befreundeten Manager und Musiker Anselm Cybinski analysiert Levit in diesem Podcast von BR-Klassik die 32 Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven. Eine nach der anderen, in 32 Folgen. Man lernt dabei viel über Beethoven, aber auch über Igor Levit, der grundsätzlich, etwa auf Twitter, mitteilsam und politisch ist. Welches Stück ihn schon fast sein ganzes Klavierleben lang begleitet. Dass die 32 Sonaten, die er alle eingespielt hat, für ihn sind wie 32 Theaterstücke. Es fallen Sätze wie: "Entscheidend ist, was zwischen den Noten passiert." Oder: "Darin ist überhaupt keine Melodie." Levit spielt einzelne Passagen und erzählt unterhaltsam dazu, und besonders sympathisch ist, dass die Produzenten auch die Stellen dringelassen haben, an denen er sich mal verhaut. Elisa Britzelmeier

Finding van Gogh

staedelmuseum.de

Im Städelmuseum in Frankfurt ist derzeit die Ausstellung Making van Gogh zu sehen. Gezeigt wird auch: ein leerer Bilderrahmen. Ein Vierteljahrhundert lang, von 1912 bis 1937, hat dem Museum Vincent van Goghs Bildnis des Dr. Gachet gehört. Bis die Nationalsozialisten das Gemälde beschlagnahmt, als entartet klassifiziert und zu Geld gemacht haben. 1990 schließlich wurde es versteigert - und war zum bislang letzten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen. Wem es inzwischen gehört, wo es sich befindet, das möchten Johannes Nichelmann und Jakob Schmidt in ihrem begleitenden Podcast herausfinden. Die Welt der Kunsthändler und -sammler ist jedoch verschwiegen. Die beiden Produzenten tragen dennoch reichlich Spannendes zusammen über das Schicksal des Bildes, den Kunstmarkt und Deutschland im 20. Jahrhundert. Dabei vertrauen sie ganz souverän ihrer Geschichte, plustern also weder sie noch sich auf. Stefan Fischer

Unter Pfarrerstöchtern

zeit.de/serie/unter-pfarrerstoechtern

Pfarrerskind zu sein prägt ein Leben. So auch das von Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der Zeit, und ihrer Schwester Johanna Haberer, Theologieprofessorin. Sie sind mit der Bibel aufgewachsen und heute noch begeistert von ihr. "Wir wollen nicht belehren und nicht bekehren", sagt Rückert, sie wollen in ihrem Podcast lediglich durch die biblischen Erzähllandschaften wandern, sie bewundern und genauer betrachten. Wie kann es sein, dass die beiden Schöpfungsberichte so verschieden sind? Ist Gott männlich oder weiblich? Und wo lag, geografisch, der Garten Eden? Rückert ist mehr die weltliche Fragestellerin, Haberer die theologische Expertin im plaudernden Schwesterngespräch. Missionarisch ist der Podcast tatsächlich nicht, im Gegenteil, eher zu sachlich. Vermutlich entflammen die beiden niemanden, der sich nicht ohnehin für die Materie interessiert. Wer aber kluge Anregungen zu den jahrtausendealten Geschichten und dem unglaublichen Kulturgut Bibel haben will, der ist Unter Pfarrerstöchtern bestens aufgehoben. Christiane Lutz

sz.de/podcast-tipps

© SZ vom 23.01.2020/luch
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