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TV-Diskussion:ORF-Interview von Armin Wolf empört die FPÖ

Austria's Vice Chancellor Strache and FPOe top candidate Vilimsky address the media in Vienna

Österreichs Vize-Kanzler H.C. Strache und FPÖ-Europa-Spitzenkandidat Harald Vilimsky bei einer Pressekonferenz am 23.4.2019.

(Foto: REUTERS)
  • Im ORF kam es am Dienstagabend zu einem Schlagabtausch zwischen Moderator Armin Wolf und Harald Vilimsky, Generalsekretär der FPÖ.
  • Wolf stellte dort einen Cartoon der steirischen FPÖ-Jugend antisemitschen NS-Darstellungen gegenüber.
  • Vilimsky nannte diesen Vergleich "skandalös" und schimpfte, dass er nicht "ohne Folgen" bleiben könne.
  • Schon seit längerem droht die FPÖ dem Sender mit einer Abschaffung der Gebühren.

"Vielen Dank für Ihren Besuch im Studio", sagte der Moderator Armin Wolf wie gewohnt am Ende des Gesprächs. Und Harald Vilimsky, FPÖ-Generalsekretär und Spitzenkandidat bei der Europawahl, gab zurück: "Ich danke für das freundliche Interview." Das war natürlich gelogen, und selbst Vilimsky würde das wohl zugeben. Denn hinter beiden lag ein denkwürdiger Schlagabtausch. Zwölf Minuten lang. Live und laut, eine Drohung inklusive.

Was den freiheitlichen Spitzenpolitiker als Studiogast der ORF-Abendnachrichten Zeit im Bild 2 so in Rage brachte, war die Gegenüberstellung eines Cartoons der steirischen FPÖ-Jugend zur Migration mit einer antisemitischen Darstellung aus dem NS-Blatt Der Stürmer. Hakennasige Gestalten hier wie dort, und Wolf wollte wissen, wie Vilimsky zum Plakat der Parteijugend steht. Zur Antwort bekam er eine Kaskade aus Worten wie "skandalös", "geschmacklos", "jenseitig" und "allerletzte Schublade". Vilimsky meinte aber nicht das FPÖ-Plakat, sondern Wolfs Gegenüberstellung. Ein solcher Vergleich, schimpfte er, sei "etwas, das nicht ohne Folgen bleiben kann."

FPÖ droht ORF schon länger mit einer Abschaffung der Gebühren

Welche Folgen das sein könnten, sagte Vilimsky nicht. Viel Fantasie braucht man allerdings nicht, um diese Drohung in den Kontext der seit langem tobenden Auseinandersetzung zwischen der FPÖ und dem ORF im Allgemeinen und Armin Wolf im Speziellen einzuordnen. In der aktuellen Diskussion um ein neues ORF-Gesetz droht die Regierungspartei dem von ihr seit jeher gern als "Rotfunk" bezeichneten Sender mit einer Abschaffung der Gebühren. Journalisten, die sich aus FPÖ-Sicht "nicht korrekt verhalten", wurde schon mal die Kündigung in Aussicht gestellt, und Wolf selbst ist sowieso seit Jahren eine Art Lieblingsfeind der Freiheitlichen.

Das Interview mit Vilimsky in der ZiB 2 hat nun die Wogen wieder hochschlagen lassen. FPÖ-Parteichef-Strache legte nach mit dem Vorwurf, "Sachlichkeit kennt ein Herr Wolf wohl nicht". Der Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats Norbert Steger nannte den Stürmer-Vergleich "pervers". Armin Wolf twitterte dazu: "Es hilft ev. zum Verständnis, dass Herr Steger FPÖ-Parteichef war und von der FPÖ in den Stiftungsrat nominiert wurde."

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