"Willkommen Österreich" im ORF Satire wird zum Drahtseilakt

Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache

(Foto: AP)

"Vom Neonazi zum Sportminister - eine typisch österreichische Karriere": Warum der ORF ein Stück über Vizekanzler Strache aus dem Programm nahm.

Von Peter Münch, Wien

Bei dem von regierungsamtlicher Umgestaltung bedrohten ORF wird Satire zum Drahtseilakt. Zu spüren bekam das nun die Kabarettgruppe Maschek, die in der Satiresendung Willkommen Österreich regelmäßig Bildmaterial mit eigenen, bissigen Texten synchronisiert.

In der jüngsten Folge nahmen sie sich das Interview eines ORF-Sportmoderators mit Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der FPÖ vor. Strache wurde mit den Worten begrüßt: "Vom Neonazi zum Sportminister - eine typisch österreichische Karriere." Angespielt wird damit auf Straches Jugend in rechtsradikalen Kreisen. Im ORF aber, der von der FPÖ gerade wieder mit der Forderung nach einer Abschaffung der Gebühren unter Druck gesetzt wird, reagierte man erschrocken und nahm den Beitrag am Freitag aus der TVThek. "Der sendungsverantwortliche Unterhaltungsredakteur hat es verabsäumt, die Passage vorab rechtlich prüfen zu lassen", hieß es.

Einen Tag später war die Folge wieder online, mit einer ebenfalls satire-tauglichen und wohl auch typisch österreichischen Lösung: Das Wort "Neonazi" wird mit einem Piepton überdeckt. Die Erklärung: "Der ORF bekennt sich zu pointierter Satire und Parodie, aber selbstverständlich auch zur Einhaltung der Gesetze. Daher war in diesem Fall so vorzugehen." Via Twitter verteidigte Kabarettist Peter Hörmanseder seinen Beitrag als "dem Tatsachensubstrat entsprechend angebracht". Er schreibt: "Wir erfinden zwar unsere Geschichten, aber die Geschichten finden auch uns."

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