bedeckt München
vgwortpixel

Matthias Opdenhövel wechselt zur Sportschau:In Seenot vor dem Mururoa-Atoll

Pro Sieben erklärte an diesem Dienstag, dass Opdenhövel bei Schlag den Raab bereits am 4.Juni durch Steven Gätjen ersetzt wird. Der Sender war offensichtlich auf den Wechsel vorbereitet. Für seine Moderationen bei Schlag den Raab wurde Opdenhövel 2007 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Raab hat zum Abschied gesagt: "Das ist für Matthias die Chance seines beruflichen Lebens."

Für ihn ist es eine Chance. Opdenhövel, 40, ist im Auftritt unerschrocken, er hat durch seinen Werdegang eine große Bühnenerfahrung (Viva, Sat-1-Frühstücksfernsehen, Vox-Quiz) und wird von fast allen, die beruflich mit ihm zu tun hatten, geschätzt. Wenn es stürmt, wenn es regnet, wenn alles durcheinander geht, dann steht er wie eine Eins.

Als bei Pro Sieben vor zwei Jahren Das große Kipp Roll Fall Spektakel live ins Chaos trudelte, glich er einem Kriegsberichterstatter, der völlig ruhig sprach, obwohl die Einschläge näher rückten. "Ich mach meinen Job und fahre nach Hause", sagte er im SZ-Gespräch 2009. Er werde sich nicht anbiedern. "Ich gehe nicht mit einem Plakat spazieren, wo drauf steht: Nehmt mich doch bitte wahr, ich bin auch spitze."

Manchmal ist er das. So wollte der U2-Sänger Bono bei einem Interview unbedingt wissen, woher Opdenhövel diese italienischen "Schnellficker-Schuhe" habe. Opdenhövel veröffentlichte bald darauf ein Buch mit dem Titel Die Schnellficker-Schuhe und andere Geschichten. Darin ist auch beschrieben, wie er 1995 im Auftrag von Viva zum Mururoa-Atoll schipperte, um über die Proteste gegen französische Atomversuche zu berichten. Das Schiff geriet in Seenot, und Opdenhövel lernte ganz andere Seiten der mitgereisten Politiker kennen.

Das alles hat mit der Sportschau wenig zu tun. Die ARD steuert durch die Verpflichtung Opdenhövels ausgerechnet die Unterhaltungssendung weiter Richtung Show, für die das Bundeskartellamt Vermarktungsschranken setzte, um sie den Menschen zu erhalten.

Dahinter steht die Auffassung, die Sportschau sei ein kulturelles Gut und das öffentlich-rechtliche Fernsehen habe einen kulturellen Auftrag. Aber bestimmt werden bald die Quoten der Sportschau wegen Opdenhövel durch die Decke schießen. Die Frauen werden Fanpost schicken, der Programmchef wird Recht behalten. Alles ist gut.