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Verfilmungen in ARD und ZDF:Romeo und Julia der Design- und Architekturgeschichte

Jedenfalls: Die begabte Lotte, die eigentlich heiraten und Mutter werden soll, verliebt sich in einen gut gebauten Nackten, der sich angezogen als Bauhausstudent Paul Seligmann (dargestellt von Noah Saavedra) heraus- und vorstellt. Zum Mutterwerden taugt diese Begegnung bald auch. Lottes Tochter Marie weiß das. Was nun folgt, ist die von Gregor Schnitzler eindringlich feinnervig und suggestiv bebilderte Erzählung, die vor allem zwei Aspekte hat. Zum einen geht es um eine Frau, die auch oder gerade am Bauhaus, das sich eigentlich früh, aber nur in der Theorie, der Gleichberechtigung verschrieben hatte, hart kämpfen muss um ihren Stellenwert als Gestalterin. Zum anderen geht es um das Künstlerpaar, um Lotte und Paul als Romeo und Julia der Design- und Architekturgeschichte.

Gregor Schnitzler, Bauhaus-Fan wie Jörg Hartmann, der grandios einen zwei- bis dreigesichtigen Gropius spielt, sagt: "Ich wollte zeigen, was die gemeinsam gelebte Kunst mit der Liebe macht. Und umgekehrt." In der Kurzform ist es etwa dies: große Liebe - große Leidenschaft - große Hoffnung - großer Verrat - große Enttäuschung - und kleines Happy End (beim gemeinsamen Aufbau der "weißen Stadt" im nazifreien Tel Aviv). Abspann.

Schlecht? Keineswegs. Es ist eine spannende Geschichte, und ein komplexes Lehrstück über Männer und Frauen. Nur: Das Bauhaus gerät zum ästhetischen Rahmen, zum Beistück, zur Historie. Und leider auch zur Folklore. Das Bauhausdenken zwischen politischer Aufbruchstimmung, sozialer Utopie und ästhetischer Revolte, ja eigenwilliger Kunsttheorie bleibt dem Betrachter eher fremd. Das wäre aber eine Chance gewesen: Das Feuilleton-Bauhaus mit den Mitteln des Fernsehens populär aufzubereiten. Mit anderen Worten: Weniger Liebe zu Mann oder Frau und mehr Hingabe an das Ding an sich, an Möbel, Haus, Stadt und Welt - das wäre auch eine denkbare Variante für einen Film über das Bauhaus gewesen. Lotte am Bauhaus: Das ist viel gut gemachte Lotte und etwas zu wenig Bauhaus abseits der Party-Exotik, die es auch, aber nicht nur gab am Bauhaus.

Gropius hat im ZDF nicht nur eine Vision, sondern auch eine enge Beziehung zu Dörte Helm

Im Jubeljahr ruht nun die weitere Last der Bauhaus-Vergegenwärtigung beim ZDF. In der Produktion Die neue Zeit sagt August Diehl über seine Gopius-Figur: "Ich sehe den Walter als jemanden, der eine Vision hat." Gropius hat im ZDF aber nicht nur eine Vision, sondern auch eine besonders enge Beziehung zur Studentin Dörte Helm. Die wird von Anna Maria Mühe gespielt und sorgt mit ihrem unbedingten Willen, das konservative Korsett der Zeit abzuschütteln, für Aufruhr. "Dörte Helm war die rebellischste unter den rebellischen Studenten", sagt Regisseur Lars Kraume, der vor allem einem von ihm erkannten Defizit abhelfen will. "Alle kennen die Männer von damals, keiner die Frauen."

Gedreht wurde die Serie im Herbst in Köln, Berlin und Weimar. Der Aufwand war immens. Über 3800 Komparseneinsätze und bis zu 180 Personen in einem Bild sind dabei als beträchtliche Größe zu werten. In Köln schwirrten beim Dreh überall Bauhäusler in Anzügen und Kleider aus kratzigen Stoffen herum und versammelten sich im nachgebauten Audimax. Allein die Garderobe mit Hunderten von Kostümen nahm eine mittelgroße Halle ein. Dazu kamen nachgebaute Bauhausmöbel wie der afrikanische Stuhl. "Wir haben versucht, so viele originale Möbel zu beschaffen, wie es geht", sagt Produzent Thomas Kufus und formuliert das Ziel eindeutig. "Wir versuchen mit aller Kraft, eine Authentizität herzustellen und es nicht bei irgendwelchen flotten Fakes zu belassen."

Regisseur Kraume, der sich in den sechs Folgen vor allem auf die Weimarer Bauhaus-Zeit konzentriert und auf die Liebesgeschichte zwischen Gropius und Helm setzt, sieht die Serie als Auftakt zu einer Trilogie mit drei Staffeln. "Es wäre völliger Irrsinn, wenn wir das nicht drehen", sagt er. Beim ZDF gibt man sich zurückhaltend. "Wir sind in Gesprächen", heißt es dort. Die Gefahr, dass die Liebesgeschichte zwischen Gropius und Helm die historische Bedeutung der Kunstschule überschatten könnte, sieht Kraume nicht. "Historische Filme haben nur dann Relevanz, wenn sie in der Gegenwart dem Zuschauer etwas zu sagen haben", merkt er an und zieht einen Vergleich zwischen den aufmüpfigen Studenten von früher, die aufgrund der politischen Umstände durchaus Grund hatten, sich zu fürchten, und dem kürzlich im Bauhaus Dessau aus Angst vor rechten Tumulten abgesagten Konzert von Feine Sahne Fischfilet. "Da ist man genau da, wo man vor 100 Jahren auch war", sagt er.

Lotte am Bauhaus. Das Erste, Mittwoch, 20.15 Uhr.

© SZ vom 13.02.2019/cag

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