ARD-Serie "Lamia":Datteln mit Milch

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ARD-Serie "Lamia": Lamia (Amel Charif, 2. v. re.) will von zu Hause ausziehen - sucht aber viel mehr: einen richtigen Umgang mit den Familientraditionen.

Lamia (Amel Charif, 2. v. re.) will von zu Hause ausziehen - sucht aber viel mehr: einen richtigen Umgang mit den Familientraditionen.

(Foto: Alexander Janetzko/ARD Degeto)

Eine ARD-Serie erzählt kurzweilig von der jungen Deutsch-Algerierin Lamia, die von zu Hause ausziehen will.

Von Lilly Brosowsky

Wie man algerische Datteln isst? Man hat die Dattel und ein bisschen Milch im Mund, man kaut und vermengt, bevor man schluckt. "Das ist sehr lecker", erklärt Lamias Vater Said. Wie man Datteln isst, hat von ihm gelernt. Wäre er doch nur bei ihrer Wohnungssuche genauso hilfreich.

Die junge Muslimin sucht in Berlin eine Wohnung, und als wäre das mit einem algerischen Nachnamen nicht schon schwer genug, ist ihr Vater alles andere als begeistert davon, dass Lamia mit 25 Jahren das elterliche Zuhause verlassen möchte. Selbst als sie ihn zum Treffen mit den Bewohnerinnen einer muslimischen Frauen-WG mitnimmt, kann er sich für die Idee kein bisschen erweichen. So sitzen Lamia, ihr düster dreinblickender Vater und ihr Onkel, den sie als moralische Unterstützung mitgenommen hat, den beiden Bewohnerinnen in deren sommerlichen Garten am gedeckten Tisch gegenüber. Kein alltägliches WG-Casting, zumal sich schnell ein Streit zwischen Lamia und Said entzündet und damit auch der Grundkonflikt der ARD-Serie Lamia.

Mit jeder Veränderung, die Lamia anstößt, ruckelt die Familiendynamik ein wenig mehr

Die Serie erzählt in knapp 20-minütigen Folgen mit Leichtigkeit und Witz von den großen und kleinen Dramen in Lamias Leben, und ihrer Identitätssuche als deutsch-algerischer Muslima in Berlin. Lamia beleuchtet Ungerechtigkeiten, mit denen sogenannte "Third Culture Kids" von allen Seite konfrontiert werden. "Third Culture Kid", so nennt Nilgün Akinci die Figur Lamia und damit sind Kinder zweier Kulturen gemeint, die diese zu einer neuen verbinden. Akinci fungierte als Beraterin für die Serie und sollte als Kulturwissenschaftlerin und "praktizierende Muslima" für die Authentizität der religiösen Elemente in der Serie sorgen.

Perspektiven wie die von Lamia als "Third Culture Kid" finden immer noch selten ihren Weg ins deutsche Fernsehen und allein daher ist die Serie sehenswert - auch wenn manche Szenen albern daherkommen. Etwa wenn Lamia ganz ungezwungen betet, also mit Allah spricht, als säße er ihr gegenüber im Kinderzimmer, sich dabei aber ständig entschuldigt, um auf ihrem Handy Textnachrichten zu lesen, ist der moderne Wink überdeutlich. Und die Pointe mau. Andere Szenen sind gelungen, weil unaufdringlich witzig: So liest Lamia den Koran im gelben Reclam-Heft und macht sich - fleißige Studentin, die sie ist - am Rand Notizen. Verbotenerweise, wie ihre Mutter beim Auffinden entsetzt feststellt: Den Koran soll man nicht hinterfragen.

Lamia versucht im Laufe der Serie ihre Religion, ihren Freiheitsdrang, die Liebe und die Strenge in ihrer Familie zusammenzubringen. Mit jeder Veränderung, die sie anstößt, ruckelt die Familiendynamik ein wenig mehr. Auch die Dialoge ruckeln ein wenig, wirken hier und da gestelzt, aber das wiederum ist man vom deutschen Fernsehen ja gewohnt. Herrlich charmant klingt es dagegen, wenn Said seine Tochter emotional etwas unbeholfen, aber versöhnlich am Gartentisch fragt: "Was fühlst du so in deinem Herzen?" Statt: "Was denkst du jetzt?" Und sie antwortet: "So normale Dinge halt."

Lamia, in der ARD-Mediathek.

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