Diekmann ... der politische Ränkespieler

Es gäbe Dutzende Geschichten, die man an dieser Stelle erzählen könnte. Ein Journalist lebt von seinem Netzwerk - nur das dieses im Fall von Kai Diekmann mitunter auch aus Seilschaften besteht. Dass Diekmann dem konservativ-liberalen Lager politisch am nächsten stand, dürfte nicht zuletzt beim Blick auf dieses Foto wenig überraschen: Der Mann sah lange Jahre aus wie Karl-Theodor zu Guttenberg, oder umgekehrt, also damals, als beide noch aussahen wie sie selbst. Es gibt auch härtere Indizien in Bildform: Im Frühjahr 2013 sorgt ein Schnappschuss von Diekmann und dem damaligen Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) in inniglich-brüderlicher Umarmung für Irritationen. Und es ist wohl kein Zufall, dass Diekmann eine Biografie über Helmut Kohl veröffentlicht hat. Als Kohl Kanzler war, soll Diekmann so enge Verbindungen ins Kanzleramt gepflegt haben, dass ihn einer seiner Ex-Chefs sicherheitshalber aufs Abstellgleis schob (siehe "Karrierist").

Kein politisches Schicksal hat Diekmann so sehr mitbestimmt wie das von Christian Wulff. Diekmanns Bild-Zeitung schreibt den CDU-Politiker hoch, sichert ihm mit rührigen Homestorys Sympathien, macht ihn zum wertvollen Mann für seine Partei. Aus dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff wird der Bundespräsident Wulff. Dann kommt die Hauskredit-Affäre, die zur Handy-Affäre wird: Wulff versucht, die ihm unliebsame Berichterstattung über seine fragwürdigen Finanzgeschäfte mit einer Nachricht auf der Mailbox des Bild-Chefredakteurs zu stoppen. Diekmann macht den Mitschnitt öffentlich - das Seil ist zerhackt. Am 17. Februar 2012 tritt Wulff als Bundespräsident zurück.

Bild: dpa 5. November 2015, 16:132015-11-05 16:13:02 © SZ.de/jobr/doer/hum