Diekmann ... der Karrierist

Nonchalance ist eigentlich nicht die Art des Kai Diekmann, darüber können auch Struwelbart und Jeans nicht hinwegtäuschen, die seit einigen Jahren sein optisches Erscheinungsbild prägen. Aber wenn man von einem der wichtigsten Posten in der deutschen Medienlandschaft zurücktritt, um noch mächtiger zu werden, darf man auch ein bisschen Lässigkeit markieren. Selbst als knallharter Karrierist. So schreibt Diekmann auf Twitter schlicht: "Es gibt News." Angehängt ist eine Pressemitteilung der Axel Springer SE, in der verkündet wird, dass der 51-Jährige zum 1. Januar 2016 als Chefredakteur der Bild-Zeitung abtritt, um künftig als Herausgeber der Bild-Gruppe die Führung sämtlicher Chefredakteure zu übernehmen. Weiter stehen da die Schlagworte "gesamte Markensteuerung", "publizistische Ausrichtung" und "Weiterentwicklung". Das Schreiben bedeutet nicht weniger als: Diekmann ist ab sofort Deutschlands mächtigster Boulevardmacher.

Es ist der Höhepunkt einer Karriere, die von Beginn an nur eine Richtung kennt: steil bergauf. Mitte der Achtzigerjahre kommt Diekmann zum Springer-Verlag, das ist er Anfang 20. Er wird schnell Parlamentskorrespondent in Bonn für Bild und Bild am Sonntag, dann Chefreporter bei der Bunten, Anfang der Neunziger ist er schon stellvertretender Chefredakteur der B.Z. 1997 kommt der bis heute einzige wirkliche Knick in seiner Vita: Diekmann ist inzwischen zurück bei der Bild, doch der damalige Vorstandschef, Jürgen Richter, soll sich an den guten Kontakten seines Hamburger Politikchefs zu Springer-Aktionär Leo Kirch und ins Kanzleramt stören - Diekmann wird zum relativ unbedeutenden Springer-Auslandsdienst versetzt. Nur ein Jahr später ist Richter zurückgetreten und Diekmann wird zum Chefredakteur der Welt am Sonntag gewählt. Am 1. Januar 2001 beginnt schließlich die Ära Diekmann bei der Bild-Zeitung: Er wird Chefredakteur, 2004 auch Herausgeber. Und nun eben: Oberboss.

Kai Diekmann 2007 vor einem Plakat mit der legendären Bild-Titelzeile zur Papstwahl.

Bild: dpa 5. November 2015, 16:132015-11-05 16:13:02 © SZ.de/jobr/doer/hum