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Günther Jauch über Bischof Tebartz-van Elst:Wir sind Limburg

Die Prunksucht des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst empört die Menschen - und offenbart ein strukturelles Problem der katholischen Kirche. Dieses zu diskutieren, war eigentlich das Anliegen von Günther Jauchs Talk-Runde. Doch die Gäste gerieten schnell ins Schwärmen.

Ob der Fall des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst auch Teil eines strukturellen Problems der katholischen Kirche ist, fragt Günther Jauch seine Gäste. Christiane Florin bejaht. Die Redaktionsleiterin von Christ & Welt und einzige Frau in dieser sonntagabendlichen Runde, zitiert einen biblischen Vergleich: Bereits der erste Bischof war ein Lügner. Petrus verleugnete Jesus dreimal. Und doch baute der seine Kirche auf diesen Felsen - weil Petrus sich gewandelt hat. Beim Limburger Bischof fehlen die Zeichen für eine solche Wandlung allerdings bisher, so Florin.

Der Wirbel um die Kosten für den Bau eines "Diözesanen Zentrums", die inzwischen auf 31 Millionen Euro oder noch mehr gestiegen sind, beschäftigte Jauch und seine Gäste, nachdem die ARD dem Thema bereits in der vergangenen Woche eine Brennpunkt-Sendung gewidmet hatte. Bei Jauch sollte es neben dem von Boulevardmedien als "Protz-Bischof" Betitelten allerdings auch um die Kirche als Ganzes gehen. "Protz-Bischof oder Armen-Papst - was will die Kirche wirklich?", fragt der Sendungstitel.

Und weil sich diese Frage nach dem Wollen der Kirche an einem Sonntagabend kaum beantworten lässt, zerlegt Jauch die Sendung in zwei übersichtlichere Teile: Im ersten lässt er seine Gäste, darunter der Trierer Bischof Stephan Ackermann, Ex-Theologie-Student Norbert Blüm, der Theologe und Arzt Manfred Lütz sowie Jochen Riebel, 
Mitglied des Vermögensverwaltungsrates in Limburg, über die himmelschreiende Maßlosigkeit des Limburger Bischofs wettern. Während im zweiten Teil dann die Runde in ebenso trauter Einstimmigkeit über Papst Franziskus ins Schwärmen gerät.

Dramatische Streicher untermalen die Bilder von Papst Franziskus

Für Blüm verkörpert der neue Papst eine "fröhliche Bescheidenheit", die er ohne Worte predige. Auch Lütz lobt an Franziskus, dass er der Seelsorge Priorität einräume. Florin sieht eine große Veränderung in der Außenwirkung des Papstes gekommen: "Ein Papst, der nicht nur etwas maliziös lächelt, sondern ein Papst, der lacht." Von seinen Vorgängern unterscheide er sich außerdem darin, dass er sich den Menschen zuwendet. "Wobei es schon erstaunlich ist, dass das in der katholischen Kirche so eine Sensation ist", stellt Florin nüchtern fest.

Ohnehin ist sie die Einzige in dieser Runde, der es gelingt, der etwas drögen Thematik intellektuellen Witz zu verleihen. Erfrischend anders als der Trierer Bischof Ackermann, der den immensen Reichtum der katholischen Kirche in Deutschland angesichts des bescheidenen Vorbilds in Rom damit zu begründen sucht, dass nur wer reich ist, auch viel geben könne.

Das einstimmige Gloria auf Papst Franziskus unterstützt die Jauch-Redaktion ihrerseits durch einen Einspieler: Der Papst zwängt sich auf die Rückbank eines klapprigen Autos, küsst die Füße von Strafgefangenen - untermalt von dramatischen Streichern. Allem Anschein nach gibt der Oberhirte im Vatikan also tatsächlich den perfekten Gegenentwurf zum protzenden Prunkbischof in Limburg ab.

Geblendet von der Aura eines Bischofs

Bei einem letzten Blick auf das Bistum dort kommt auch Jochen Riebel vom Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls in Limburg zu Wort. Jauch fragt ihn direkt, warum sein Gremium angesichts der stetig steigenden Kosten für den Bau des Diözesanen Zentrums nicht viel früher eingeschritten sei oder zumindest nachgefragt habe.

"Wir sind ein außenstehendes Gremium", betont Riebel. Der Vermögensverwaltungsrat könne den Bauherrn nur dann beraten, wenn er gefragt werde. Außerdem sei man "mit Respekt und Zuneigung gegenüber dem Bischof" in die Sache gegangen. An dieser Stelle hakt Florin ein: Sie bedauere, dass sich ein Aufsichtsgremium derart geblendet fühle von der Aura eines Bischofs, der sich erhaben glaubt über Recht, Wahrheit und Kontrolle. Eben darin liege eines der strukturellen Probleme der Kirche.