Tebartz-van Elst Zeugnis der Maßlosigkeit

Eine Privatwohnung für drei Millionen Euro, Glaskunst für 150.000 Euro und Sicherheitsglas, das aus den USA importiert werden musste: Akten belegen, wie der Limburger Bischof Tebartz-van Elst beim Bau seiner Residenz jedes Maß verlor. Sie zeigen auch, wie trickreich die Kosten verschleiert wurden.

Glaskunst: 157.944 Euro. Beschallung: 203.123 Euro. Graffitischutz: 6230 Euro. Wer verstehen will, wie es sein kann, dass ein Bischofssitz 31 Millionen (oder vielleicht 40 Millionen?) Euro kosten kann, der muss nur die Kostenaufstellung des Diozösanen Zentrums Limburg lesen, die bei FAZ.net online einzusehen sind. Kirschholz, Naturstein, aus den USA importiertes Sicherheitsglas für das Arbeitszimmer, verdeckte Lautsprecher in den Decken. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst baut mit den besten Materialien. Die Realisierung seiner Wünsche bedarf der Arbeit von Lichtplanern, Sounddesignern und eines Innenarchiteken - letzterer wird laut Akte etwa 170.000 Euro kosten und kümmerte sich etwa um Einbauschränke für etwa 477.000 Euro.

Der größte Posten ist aber das, was in dem Dokumenten unter "Umplanungen" läuft. Tatsächlich sind es hauptsächlich Umbauten, wie etwa eine "Verlegung der Dachluke wegen der Aufstellung eines Antiken Schrankes". Immer wieder wird den Dokumenten zufolge umgeplant. Naturstein soll statt dem Boden lieber die Wände zieren. Kurze Zeit später soll er doch wieder auf den Boden, aber weg von den Wänden.

Die Akten, die FAZ.net in Teilen dokumentiert, belegen aber nicht nur wie der Bischof von Limburg baut, sondern auch wie er die Aufsichtsinstanzen des Vatikans und des Vermögensverwaltungsrats im Bistum Limburg systematisch unterlief.

Demnach war das neu gegründeten Vermögensverwaltungsrat im Sommer 2011 ein Kostenvolumen in Höhe von 17 Millionen Euro für Um- und Neubauten auf dem Limburger Domberg vorgelegt worden. Diese Summe sei in zehn Einzelprojekte gestückelt gewesen, die demnach allesamt unter der Grenze von fünf Millionen Euro lagen, ab der Bauvorhaben dem Vatikan zwingend angezeigt werden müssen.

Obwohl das Gesamtpaket im Volumen von 17 Millionen Euro damit laut Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung schon vor gut zwei Jahren faktisch beschlossen worden sei, machten Tebartz-van Elst, Dombaumeister Tilmann Staudt und die Pressestelle in der Folge immer wieder viel zu niedrige Angaben über die Baukosten. Im Dezember 2012 wurden die Kosten mit vermeintlich sechs Millionen Euro noch nahe an den ursprünglich veranschlagten 5,5 Millionen Euro angegeben, im Juni 2013 waren es 9,85 Millionen Euro.

Im Sommer 2012 habe der Vermögensverwaltungsrat dann eine Zwischenfinanzierung in Höhe von 15,7 Millionen Euro genehmigt, schreibt die FAS weiter. Der Kredit sei bei der Deutschen Bank aufgenommen worden und habe erstmals zu einem Konflikt zwischen dem Bischof und dem Rat geführt.

Tebartz-van Elst habe verlangt, dass die Kosten niemals öffentlich werden dürften. Das Gremium habe versucht, den Bischof davon zu überzeugen, dass dies "völlig abwegig sei", doch der Bischof habe aufs heftigste widersprochen und sei bei seiner Haltung geblieben.

Immer nur Gerüchte, keine konkreten Zahlen

Um damit durchzukommen, so die FAS, sei die Buchführung an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ausgelagert worden. Alle Rechnungen und Belege seien ihr zugeleitet worden, nur Dombaumeister Staudt und Architekt Michael Frielinghaus hätten sie abzeichnen können, im Ordinariat habe die Belege hingegen niemand zu Gesicht bekommen. Dieser Verwaltungskniff erkläre, warum immer nur Gerüchte über das Bauprojekt kursierten, aber keiner die Zahlen kannte.

Erst am 2. Oktober erhielt der Vermögensverwaltungsrat Einblick in die tatsächlichen Kosten. Dies war eine der Konsequenzen des einwöchigen Besuches von Kardinal Giovanni Lajolo, den der Papst Anfang September als Friedensstifter für eine Woche nach Limburg entsandt hatte. Der Bischof stimmte daraufhin einer Offenlegung der Baukosten zu.

Dem Dombaumeister Staudt sei die Angst ins Gesicht geschrieben gewesen, als er mit den Zahlen beim Verwaltungsrat angerückt sei, berichtet die FAS aus dem Gespräch mit dem Gremiumsmitglied Jochen Riebel. Dann habe er gestanden: "Ich habe Sie immer belogen! Wir alle haben Sie auf Weisung des Bischofs belogen." Sogar in der Akte, die er übergeben habe, habe er aus "Umplanungen auf Wunsch des Bauherrn" einfach "Umplanungen" oder "notwendige Umplanungen" machen müssen.

Mit inzwischen 31,4 Millionen Euro beliefen sich die Ausgaben zu diesem Zeitpunkt schon auf etwa ein Drittel des Vermögens des Bischöflichen Stuhls.

Der Bischof ist nun in Rom zu Gesprächen im Vatikan. Weitere Details zu den Gesprächen im Vatikan nannte der Bistumssprecher am Sonntag nicht.