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Diözese Limburg:Kosten für Residenz könnten auf 40 Millionen Euro steigen

Bischof Tebartz van-Elst

Bischof Tebartz van-Elst Franz-Peter Tebartz-van Elst unter Druck: Die Kosten für den Bischofssitz steigen weiter

(Foto: dpa)

Die Residenz von Limburgs Bischof Tebartz-van Elst wird immer teurer: Bisher werden die Kosten mit 31 Millionen Euro veranschlagt, einem Zeitungsbericht zufolge könnten sie noch einmal drastisch steigen - auf 40 Millionen Euro. Nächste Woche soll sich Papst Franziskus mit dem Fall befassen.

Der Umbau der Limburger Bischofsresidenz könnte noch einmal deutlich teurer werden als bisher angenommen. Laut einem Bericht der Welt am Sonntag rechnet die Limburger Stadtverwaltung zusätzlich zu den bisher veranschlagten 31 Millionen Euro für den Bischofssitz mit Folgekosten in Millionenhöhe. Der Grund seien Schäden in der direkten Umgebung der Residenz, die im Zuge der Bauarbeiten entstanden seien und von der Kirche beglichen werden müssten. Die Gesamtkosten könnten damit auf bis zu 40 Millionen Euro steigen.

Bistumssprecher Martin Wind bestätigte der Zeitung, dass solche zusätzlichen Kosten auf den Bischöflichen Stuhl zukommen: "Diese Rechnungen werden dann selbstverständlich beglichen", sagte er. Zur Höhe machte er keine Angaben und verwies auf die Prüfung des Bauamts.

In den nächsten Tagen soll der Skandal um die kostspielige Residenz auf höchster Ebene im Vatikan diskutiert werden. Nach dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Robert Zollitsch, hat nun auch Tebartz-van Elst einen Rom-Flug für nächste Woche angekündigt. Von dem Gespräch mit dem katholischen Kirchenoberhaupt erwartet Tebartz-van Elst Klarheit über seine Zukunft in der Diözese. "Die Entscheidung über meinen bischöflichen Dienst liegt in den Händen des Heiligen Vaters", zitierte Bistumssprecher Wind am Samstag den 53-Jährigen.

"Der Bischof ist betroffen"

Zuvor war spekuliert worden, Tebartz-van Elst könnte den Papst schon am Wochenende treffen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) hatte berichtet, Tebartz-van Elst wolle noch am Samstag nach Rom reisen, um Zollitsch zuvorzukommen, der am Montag im Vatikan erwartet wird. Schon eilten Reporter zum Frankfurter Flughafen, doch der Bistumssprecher dementierte: Zum dem von der Zeitung gemeldeten Zeitpunkt habe der Bischof mit ihm am Schreibtisch gesessen, sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. Tebartz-van Elst werde erst "im Laufe der Woche" nach Rom fliegen.

Nähere Angaben zum Zeitpunkt der Reise stehen auch nicht in der Mitteilung, die das Bistum am Samstagabend verbreitete. Stattdessen versicherte die Diözese, der Bischof sei betroffen über die Eskalation der aktuellen Diskussion. "Er sieht und bedauert, dass viele Gläubige im Bistum und darüber hinaus unter der gegenwärtigen Situation leiden."

Scharfe Kritik

Am Sonntag wollen sich enttäuschte Katholiken auf dem Limburger Domplatz versammeln, um über einen Neuanfang in der Diözese zu sprechen. "Es muss einfach mal ein Forum gegeben werden für die Gläubigen", sagte Pastoralreferent Joachim Schaefer von der katholischen Domkirchengemeinde Wetzlar.

Auch außerhalb des Bistums nimmt der Druck auf den Bischof zu: In der Welt bekräftigte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, seine Kritik an Tebartz-van Elst: "Viele in der Kirche, auch viele seiner bischöflichen Amtsbrüder, erwarten einen Rückzug." Jedoch befürchteten sie, "dass der Bischof nicht zu dieser Einsicht kommt". Am Ende werde wohl Rom die Entscheidung treffen.

Deutliche Worte kamen auch vom ehemaligen Weihbischof aus Limburg, Gerhard Pieschl. "Wenn der Bischof auch nur einen Funken Ehrgefühl in sich hat, bietet er dem Papst sofort seinen Rücktritt an", sagte er der Frankfurter Neuen Presse. Einen Bischof, der öffentlich als Lügner, Betrüger oder Kranker bezeichnet werde, könne der Papst nicht im Amt belassen.

Fürsprecher im Vatikan

Doch längst nicht alle in der Kirche sind von Tebartz-van Elst abgerückt. Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der mächtigen Glaubenskongregation, stärkte seinem Mitbruder den Rücken. Bei einer Messe im römischen Campo Santo sagte Müller laut einem Bericht der FAS, dass es sich bei den Vorwürfen gegen den Bischof um eine "Erfindung von Journalisten" und eine "Medienkampagne" handle. Für die hohen Baukosten für das Bischöfliche Haus in Limburg sei nicht der Bischof verantwortlich, sondern dessen Mitarbeiter.

Unklar ist die Position des Kölner Kardinals Joachim Meisner. Dessen Sprecher Christoph Heckeley stellte am Samstagnachmittag klar, dass Meisner nicht von dem Limburger Bischof abgerückt sei. "Der Kardinal beobachtet weiterhin die Vorgänge sehr aufmerksam, und das lässt ihn auch nicht unberührt", sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Auch sehe Meisner, dass durch den von der Hamburger Staatsanwaltschaft beantragten Strafbefehl "eine neue Lage" eingetreten sei. Er wisse jedoch nicht, wie die FAS in ihrer Berichterstattung zu dem Schluss komme, dass sich der Kardinal von Tebartz-van Elst distanziert habe.

Tebartz-van Elst steht unter Druck, weil die Baukosten für die Residenz des Bischofs am Limburger Dom auf 31 Millionen Euro explodiert sind und die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl wegen Falschaussage gegen ihn beantragt hat. Zuletzt hatte die SZ berichtet, dass die Kostensteigerung im Bistum spätestens 2010 bekannt war.