Erstausstrahlung vor 30 Jahren Was von der "Schwarzwaldklinik" hängengeblieben ist

Wer wünschte sich in den Achtzigern nicht dieses engagierte Ärzteteam? Die Belegschaft der Schwarzwaldklinik vor selbiger.

(Foto: dpa)

Die "Schwarzwaldklinik" war in den Achtzigern nicht aus dem deutschen Fernsehen wegzudenken. Vor 30 Jahren zeigte das ZDF die erste Folge der Kultserie. Fünf Dinge, die in Erinnerung geblieben sind.

Von Carolin Gasteiger und Johanna Bruckner

Titelmelodie

Dadaadaadadadadadaaaaa ... Vier Jahre lang war das ein deutliches Signal am Samstagabend. Wenn das Leitmotiv erklang, von Streichern untermalt, war das gleichsam der Aufruf an Millionen Deutsche: "Familien, ab aufs Sofa, die Schwarzwaldklinik läuft!"

Frauen freuten sich drauf, Dr. Udo Brinkmann oder Pfleger Mischa anzuschmachten, Männer darauf, ihren Frauen beim Schmachten zuzusehen (und so den Haussegen zu bewahren).

Wohlfühl-Deutschland in den Achtzigern. Aus der harmonischen Melodie mit Orchesterbesetzung wurde eine der bekanntesten Fernsehmelodien überhaupt. An einigen Stellen erinnert das opulente Stück fast an die Titelsequenz von Falcon Crest, einem weiteren TV-Schmachtfetzen der Achtziger aus den USA. Aber der Schwarzwaldklinik - und ihrer Titelmelodie - fehlten die dramatischen Untertöne.

Ursprünglich sollte ein anderer Titelsong die charmanten Ärzte einleiten, aber Komponist Martin Böttcher und das ZDF konnten sich nicht auf die Bezahlung einigen. Also schuf Hans Hammerschmid rasch Ersatz - und gab seiner Titelmelodie den schmissigen Namen "Hallo Dr B.". Bis heute ist sie unverkennbar. Und Böttchers Entwurf? Der eröffnet inzwischen das Forsthaus Falkenau.

Die Klinik

Harald Schmidt "Bleiben Sie auf meinem Gesicht!" Bilder
30 Jahre Traumschiff im ZDF

"Bleiben Sie auf meinem Gesicht!"

Woher kommt der Erfolg des Traumschiffs, das doch eher selten den Anforderungen genügt, die heute angeblich an einen Fernsehfilm gestellt werden? Seit 30 Jahren ist das ZDF-"Traumschiff" gemütliches Unterhaltungsfernsehen für Millionen. Und Produzent Rademann mögen vielleicht einmal die Länder ausgehen - die Schauspieler bestimmt nicht.   Harald Schmidt

Die wenigsten Gesunden machen sich Gedanken um Krankenhäuser. Wer doch mal gezwungen ist, einen hospitalisierten Freund oder Verwandten zu besuchen, erschauert beim Anblick der allgemeinen ästhetischen Trostlosigkeit. Da hilft es auch nichts, wenn eine Sonne mit roter Glitzersteinapplikation an der Wand des Krankenzimmers prangt. Man stopft seine mitgebrachten Echtblumen in eine Plastikvase, die so auch auf Friedhöfen zu finden sein könnte, und verlässt diesen Ort, so schnell es die Höflichkeit erlaubt.

Es dürfte allerdings auch eine gar nicht kleine Gruppe gesunder Menschen geben, die beim Schlagwort "Krankenhaus" leuchtende Augen bekommen. Die dann an ein weiß getünchtes, mehrstöckiges Haus denken, mit drei Holzgiebeln und einem vorgelagerten Park - die Schwarzwaldklinik.

Sehnsuchtsort aller serienguckenden Kassenpatienten, denn dieses Prachthaus versprach nicht nur körperliche Genesung, sondern vor allem seelische Wellness. Wo Blumenrabatten so sorgsam gepflegt werden, da kümmert man sich auch gut um die Menschen - das war das unausgesprochene Versprechen der Sendung.

Dass das Format vom selben Mann produziert wurde, der auch das Traumschiff erfand, mag einem passend erscheinen - oder wie Ironie. Sämtliche Außenaufnahmen wurden im Glottertal bei Freiburg gedreht, die echte Schwarzwaldklinik ist heute eine psychosomatische Akutklinik. Ein Déja-vu gibt es für die Patienten dort aber nicht: Alle Szenen, die im Krankenhaus spielen, wurden in einem Studio in Hamburg aufgezeichnet. Irgendwie trostlos.

Schwester Christa

Rufen wir uns doch mal einen Dialog zwischen Schwester Gaby und ihrem Professor Brinkmann, also dem Senior (gespielt von Klausjürgen Wussow), in Erinnerung. Da sitzen die beiden in seinem Sportwagen, sie schaut ihn an, er schaut sie an. Schwester Gaby: "Es war sehr schön. Danke." - Professor Brinkmann: "Ja, es war sehr schön. Aber nicht ohne Peinlichkeiten, nicht?" - Schwester Gaby: "Das macht nichts." - Professor Brinkmann: "Nein?" - Schwester Gaby: "Nein." Dann geht er ums Auto, öffnet die Beifahrertür, löst ihren Gurt - und küsst sie.

Klausjürgen Wussow (sitzend), Volker Brandt (l.) und Sascha Hehn als charmante Ärzte der Schwarzwaldklinik

(Foto: Imago Stock&People)