Süddeutsche Zeitung

Erstausstrahlung vor 30 Jahren:Was von der "Schwarzwaldklinik" hängengeblieben ist

Die "Schwarzwaldklinik" war in den Achtzigern nicht aus dem deutschen Fernsehen wegzudenken. Vor 30 Jahren zeigte das ZDF die erste Folge der Kultserie. Fünf Dinge, die in Erinnerung geblieben sind.

Titelmelodie

Dadaadaadadadadadaaaaa ... Vier Jahre lang war das ein deutliches Signal am Samstagabend. Wenn das Leitmotiv erklang, von Streichern untermalt, war das gleichsam der Aufruf an Millionen Deutsche: "Familien, ab aufs Sofa, die Schwarzwaldklinik läuft!"

Frauen freuten sich drauf, Dr. Udo Brinkmann oder Pfleger Mischa anzuschmachten, Männer darauf, ihren Frauen beim Schmachten zuzusehen (und so den Haussegen zu bewahren).

Wohlfühl-Deutschland in den Achtzigern. Aus der harmonischen Melodie mit Orchesterbesetzung wurde eine der bekanntesten Fernsehmelodien überhaupt. An einigen Stellen erinnert das opulente Stück fast an die Titelsequenz von Falcon Crest, einem weiteren TV-Schmachtfetzen der Achtziger aus den USA. Aber der Schwarzwaldklinik - und ihrer Titelmelodie - fehlten die dramatischen Untertöne.

Ursprünglich sollte ein anderer Titelsong die charmanten Ärzte einleiten, aber Komponist Martin Böttcher und das ZDF konnten sich nicht auf die Bezahlung einigen. Also schuf Hans Hammerschmid rasch Ersatz - und gab seiner Titelmelodie den schmissigen Namen "Hallo Dr B.". Bis heute ist sie unverkennbar. Und Böttchers Entwurf? Der eröffnet inzwischen das Forsthaus Falkenau.

Die Klinik

Die wenigsten Gesunden machen sich Gedanken um Krankenhäuser. Wer doch mal gezwungen ist, einen hospitalisierten Freund oder Verwandten zu besuchen, erschauert beim Anblick der allgemeinen ästhetischen Trostlosigkeit. Da hilft es auch nichts, wenn eine Sonne mit roter Glitzersteinapplikation an der Wand des Krankenzimmers prangt. Man stopft seine mitgebrachten Echtblumen in eine Plastikvase, die so auch auf Friedhöfen zu finden sein könnte, und verlässt diesen Ort, so schnell es die Höflichkeit erlaubt.

Es dürfte allerdings auch eine gar nicht kleine Gruppe gesunder Menschen geben, die beim Schlagwort "Krankenhaus" leuchtende Augen bekommen. Die dann an ein weiß getünchtes, mehrstöckiges Haus denken, mit drei Holzgiebeln und einem vorgelagerten Park - die Schwarzwaldklinik.

Sehnsuchtsort aller serienguckenden Kassenpatienten, denn dieses Prachthaus versprach nicht nur körperliche Genesung, sondern vor allem seelische Wellness. Wo Blumenrabatten so sorgsam gepflegt werden, da kümmert man sich auch gut um die Menschen - das war das unausgesprochene Versprechen der Sendung.

Dass das Format vom selben Mann produziert wurde, der auch das Traumschiff erfand, mag einem passend erscheinen - oder wie Ironie. Sämtliche Außenaufnahmen wurden im Glottertal bei Freiburg gedreht, die echte Schwarzwaldklinik ist heute eine psychosomatische Akutklinik. Ein Déja-vu gibt es für die Patienten dort aber nicht: Alle Szenen, die im Krankenhaus spielen, wurden in einem Studio in Hamburg aufgezeichnet. Irgendwie trostlos.

Schwester Christa

Rufen wir uns doch mal einen Dialog zwischen Schwester Gaby und ihrem Professor Brinkmann, also dem Senior (gespielt von Klausjürgen Wussow), in Erinnerung. Da sitzen die beiden in seinem Sportwagen, sie schaut ihn an, er schaut sie an. Schwester Gaby: "Es war sehr schön. Danke." - Professor Brinkmann: "Ja, es war sehr schön. Aber nicht ohne Peinlichkeiten, nicht?" - Schwester Gaby: "Das macht nichts." - Professor Brinkmann: "Nein?" - Schwester Gaby: "Nein." Dann geht er ums Auto, öffnet die Beifahrertür, löst ihren Gurt - und küsst sie.

Schwester Christa - das doppelte Klischee

Ja, Gaby Dohm erfüllte als Schwester Christa gleich zwei Klischees. Zum einen war sie das Sinnbild der sich aufopferungsvoll kümmernden Krankenschwester, für die ein Patient nie nur eine Akte war. Und dann heiratete sie im Verlauf der Serie auch noch den Chefarzt der Schwarzwaldklinik, Professor Doktor Klaus Brinkmann.

Wenn davon nicht jedes Mädchen träumt - oder so. Die Macher kriegten dann aber doch noch die Kurve in Richtung Geschlechtergerechtigkeit. Schwester Gaby durfte, unterstützt von ihrem finanziell wohlsituierten Ehemann, das Medizinstudium beenden und selbst Ärztin werden. Nebenbei schenkte sie ihrem Göttergatten noch einen Sohn. Das klingt nach einer Vita, die auch einer Mattel-Barbie, Modell "Ärztin", beiliegen könnte. In die USA hat es die Schwarzwaldklinik tatsächlich nie geschafft, dafür in 38 andere Länder.

Der Cabriosprung

Ist jemals wieder irgendjemand so locker-lässig in sein Cabrio gesprungen wie Dr. Udo Brinkmann, Sohn von Klinikchefarzt Professor Klaus Brinkmann? Es würde nicht verwundern, wenn durch die Schwarzwaldklinik der Absatz an Golf-Cabrios rapide gestiegen wäre. Wer hätte nicht gern auch im realen Leben den charmanten Jungarzt gegeben?

Sascha Hehn spielte den Sunnyboy mit blonder Föhnfrisur, hellblauem Sakko und gewinnbringendem Lächeln und becircte als smarter Arzt die Damen in der Serie und im Publikum gleichermaßen.

Sein Einser-Golf-Cabrio, arztgemäß natürlich in Weiß, war das adäquate Mittel zum Zweck. Was mit 30 Jahren Abstand latent peinlich erscheint, wirkte in der biederen ZDF-Serie verwegen. "Also wirklich, dann benutzt er nicht mal die Tür seines Wagens!" Hat wohl manche ältere Dame daheim auf ihrem Sofa gedacht, dabei den Kopf geschüttelt - und leicht beschämt gelächelt.

Mischa

Ach, der liebe Mischa! Als gutmütiger und frecher Pfleger Mischa Burgmann gab Jochen Schroeder das Gegenstück zum draufgängerischen, aber erfolgreichen Udo Brinkmann. Mischa war sich für keinen Spaß zu schade und trotz seines losen Mundwerks bei allen beliebt. Oder gerade deswegen. Und doch war er der Pechvogel der Serie: Mal wurde Mischa bezichtigt, Sex mit einer Minderjährigen gehabt zu haben, mal von einem Löwen attackiert und trug Schrammen am Hintern davon, die er prompt auch in der Serie zeigte.

Seinen Einstand in der Schwarzwaldklinik gab Mischa als Zivildienstleistender - und hatte damit politischen Vorbildcharakter. In einem Interview mit dem Focus zitierte Darsteller Jochen Schroeder eine Studie, wonach "durch die Figur des Pflegers Mischa die Akzeptanz von Kriegs- und Wehrdienstverweigerern in der bunderepublikanischen Gesellschaft signifikant zum Positiven verändert wurde". Da kann man auch die Löwenkratzer verkraften.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.2699111
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/cag/jobr/pak
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.