30 Jahre Traumschiff im ZDF "Bleiben Sie auf meinem Gesicht!"

Woher kommt der Erfolg des Traumschiffs, das doch eher selten den Anforderungen genügt, die heute angeblich an einen Fernsehfilm gestellt werden? Seit 30 Jahren ist das ZDF-"Traumschiff" gemütliches Unterhaltungsfernsehen für Millionen. Und Produzent Rademann mögen vielleicht einmal die Länder ausgehen - die Schauspieler bestimmt nicht.

Ein Gastbeitrag von Harald Schmidt

"Der Wolfgang ist ein Herz auf zwei Beinen". (Eine Beschreibung des Traumschiff-Produzenten Wolfgang Rademann durch eine Schauspielerkünstlerin (Grimmepreis) weit nach Mitternacht, an Bord der MS Deutschland, irgendwo im Südpazifik)

30 Jahre auf Quotenkurs: Das "Traumschiff" legt zum Jubiläum ab. Regisseur Hans-Jürgen Tögel, Harald Schmidt, Siegfried Rauch, Heide Keller, Nick Wilder, Wolfgang Rademann und Inka Bause posieren sie auf dem Pooldeck des Kreuzfahrtschiffes "MS Deutschland" für die Jubiläumsfolge am Sonntag.

(Foto: dpa)

Es sind jene Stunden unter dem Kreuz des Südens, Luft 29, Wasser 28 Grad, Rotwein reichlich, in denen selbst qualitätsvernarrte deutsche Menschendarsteller dem Zauber einer Schiffsreise erliegen, bei der man den Drehbeginn am nächsten Morgen fast als kalten Waschlappen empfinden kann.

Woher kommt der Erfolg des Traumschiffs, das doch eher selten den Anforderungen genügt, die heute angeblich an einen Fernsehfilm gestellt werden? Frag Rademann: "Sonne, Palmen und 'ne Reise, bei der die Zuschauer uffn Arsch fallen, wennse die im Reisebüro buchen wollen."

Wenn's so einfach wär! Erst mal die Bücher. Pro Folge eine Krimigeschichte, eine Romanze, eine Komödie. Erfolgreichste Themen: Zwillinge auf einem Ticket, blinder Passagier und das Paar auf Silberhochzeit, das seine Jugendliebe wieder trifft. Mit dem blinden Passagier ist es schwieriger geworden, wie Wolfgang Rademann wehmütig beim Ablegen in Singapur sinniert: "Kleener, schwarzer Junge, der im letzten Moment an Bord springt - jeht nicht mehr."

Zoll, Sicherheit, TÜV. Auch bei seiner anderen Lieblingsidee - Erpresser schüttet Abführmittel in den Suppentopf des Bordrestaurants - weigern sich Reederei und ZDF.

Bärte sind schlecht für die Quote

Dafür gibt's andere redaktionelle Wünsche: Viel Rot, wenig Nacht, kein Regen. Kommt gut bei Frauen an, hat die Marktforschung rausgefunden. Keine Bärte. Die Figuren heißen Steffen oder David, Barbara oder Nina.

Rademann braucht keine Marktforschung. Hat seinen Bauch. Hat seit einer gefühlten Ewigkeit im Showgeschäft alles erlebt. Hat doch Marika Rökk vom Kölner Hauptbahnhof zurückgeholt, damals, bei der großen Krebsgala mit Peter Alexander. Sie war abgehauen, weil er ihr verklickern musste, dass Rühmann die Schlussnummer ist. Musste Kulenkampff beruhigen, nachdem ihm Frankenfeld während der Generalprobe sagte, dass er im selben Sketch mehr Gage kriegt.

Dabei war da doch Autorenhonorar mit drin. Hat Elke Sommer entdeckt und auf die Frage von politisch engagierten Traumschiff-Schauspielern, irgendwo vor der chilenischen Küste: "Und, Wolfgang, was hast du denn '68 gemacht?", geantwortet: "Icke? Na ick saß bei Springer hinter den Fenstern, uff die ihr die Steine jeworfen habt."

Gaststars des ZDF-Traumschiffs

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