Erstausstrahlung vor 30 Jahren Schwester Christa - das doppelte Klischee

Ja, Gaby Dohm erfüllte als Schwester Christa gleich zwei Klischees. Zum einen war sie das Sinnbild der sich aufopferungsvoll kümmernden Krankenschwester, für die ein Patient nie nur eine Akte war. Und dann heiratete sie im Verlauf der Serie auch noch den Chefarzt der Schwarzwaldklinik, Professor Doktor Klaus Brinkmann.

Wenn davon nicht jedes Mädchen träumt - oder so. Die Macher kriegten dann aber doch noch die Kurve in Richtung Geschlechtergerechtigkeit. Schwester Gaby durfte, unterstützt von ihrem finanziell wohlsituierten Ehemann, das Medizinstudium beenden und selbst Ärztin werden. Nebenbei schenkte sie ihrem Göttergatten noch einen Sohn. Das klingt nach einer Vita, die auch einer Mattel-Barbie, Modell "Ärztin", beiliegen könnte. In die USA hat es die Schwarzwaldklinik tatsächlich nie geschafft, dafür in 38 andere Länder.

Der Cabriosprung

Ist jemals wieder irgendjemand so locker-lässig in sein Cabrio gesprungen wie Dr. Udo Brinkmann, Sohn von Klinikchefarzt Professor Klaus Brinkmann? Es würde nicht verwundern, wenn durch die Schwarzwaldklinik der Absatz an Golf-Cabrios rapide gestiegen wäre. Wer hätte nicht gern auch im realen Leben den charmanten Jungarzt gegeben?

Sascha Hehn spielte den Sunnyboy mit blonder Föhnfrisur, hellblauem Sakko und gewinnbringendem Lächeln und becircte als smarter Arzt die Damen in der Serie und im Publikum gleichermaßen.

Sein Einser-Golf-Cabrio, arztgemäß natürlich in Weiß, war das adäquate Mittel zum Zweck. Was mit 30 Jahren Abstand latent peinlich erscheint, wirkte in der biederen ZDF-Serie verwegen. "Also wirklich, dann benutzt er nicht mal die Tür seines Wagens!" Hat wohl manche ältere Dame daheim auf ihrem Sofa gedacht, dabei den Kopf geschüttelt - und leicht beschämt gelächelt.

Mischa

Ach, der liebe Mischa! Als gutmütiger und frecher Pfleger Mischa Burgmann gab Jochen Schroeder das Gegenstück zum draufgängerischen, aber erfolgreichen Udo Brinkmann. Mischa war sich für keinen Spaß zu schade und trotz seines losen Mundwerks bei allen beliebt. Oder gerade deswegen. Und doch war er der Pechvogel der Serie: Mal wurde Mischa bezichtigt, Sex mit einer Minderjährigen gehabt zu haben, mal von einem Löwen attackiert und trug Schrammen am Hintern davon, die er prompt auch in der Serie zeigte.

Seinen Einstand in der Schwarzwaldklinik gab Mischa als Zivildienstleistender - und hatte damit politischen Vorbildcharakter. In einem Interview mit dem Focus zitierte Darsteller Jochen Schroeder eine Studie, wonach "durch die Figur des Pflegers Mischa die Akzeptanz von Kriegs- und Wehrdienstverweigerern in der bunderepublikanischen Gesellschaft signifikant zum Positiven verändert wurde". Da kann man auch die Löwenkratzer verkraften.