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Meinungslenkung:Netzwerk der erfundenen Autoren

UAE, Dubai, City seen from airplane window VEGF02344

Besonders produktiv war jemand, der sich als Raphael Badani ausgab und Dubai als Vorbild pries.

(Foto: imago images)

Das amerikanische Web-Magazin "Daily Beast" enttarnt Lobschreiber für die Vereinigten Arabischen Emirate: Insgesamt neunzig Beiträge von Autoren mit fingierten Biografien sind offenbar in den USA erschienen.

Von Alan Cassidy und Paul-Anton Krüger

Was die offene und weniger offene Einflussnahme der Golfstaaten auf die politische Debatte angeht, ist man in Washington einiges gewöhnt. Die Ölmonarchien orchestrieren Kampagnen in den sozialen Medien mit bezahlten Internet-Trollen und lassen sich auch herkömmliche Public Relations einiges kosten: Zum Beispiel finanzieren und unterstützen sie eine Reihe von Thinktanks, die in der Hauptstadt eine wichtige Rolle als Ideenlieferanten für die US-Außenpolitik spielen. Besonders aktiv sind die Vereinigten Arabischen Emirate, die sich seit Jahren einen Propagandakrieg mit dem verfeindeten Katar liefern, aber auch mit der Türkei und anderen politischen Widersachern. Sie gehören nach einer Untersuchung des Center for International Policy zu den fünf größten ausländischen Geldgebern überhaupt.

Mittel für Thinktanks sind aber nicht der einzige Weg der Imagepflege, wie neue Medienberichte nahelegen. Das US-Webmagazin Daily Beast hat aufgedeckt, dass im vergangenen Jahr in 46 verschiedenen Publikationen mindestens 90 Artikel und Gastbeiträge erschienen, die sich oft durch ausgesprochenes Lob für die Emirate auszeichneten sowie durch ausgesprochene Kritik an den regionalen Rivalen von Abu Dhabi: der Türkei, Iran und Katar - und insbesondere des in Katars Hauptstadt Doha ansässigen staatlich finanzierten Senders Al Jazeera .

Das Besondere dabei ist, dass diese Texte von 19 verschiedenen Autoren verfasst wurden, die es gar nicht gibt: Es handelt sich nach den Recherchen von Daily Beast um ein "Netzwerk" erfundener Personen, die nichtsahnende Medienorganisationen mit "Propaganda" versorgt hätten. Allerdings scheint dort auch niemand genauer nachgefragt zu haben. Eine schnelle Recherche im Internet erbrachte immerhin plausible Lebensläufe mit Abschlüssen renommierter Universitäten. Die Mühe mit den Profilen für die angeblichen Autoren hatten sich die Hinterleute der Aktion schon gemacht, was für eine professionelle Planung spricht, wie sie große PR-Agenturen vornehmen könnten - oder ein Geheimdienst.

Wer hinter dem Netzwerk steckt, ist nicht klar

Besonders produktiv war jemand, der sich als Raphael Badani ausgab und sich als früheren Spezialisten für internationale Beziehungen beim US-Arbeitsministerium bezeichnete. "Badani" war als außenpolitischer Kolumnist auf der Webseite des konservativen TV-Senders Newsmax aufgeführt, der in den USA eine große Reichweite hat. Darin schrieb er gegen den schlechten Einfluss Irans auf die Geschäftstätigkeit im Nahen Osten an und pries Dubai als Vorbild. Artikel von "Badani" erschienen auf Seiten der Zeitung Washington Examiner sowie der Zeitschriften National Interest und dem Online-Magazin American Thinker - alles Publikationen aus dem konservativen Spektrum.

Raphael Badani war allerdings bloß ein Pseudonym: Das Profilfoto zeigte einen Geschäftsmann aus Kalifornien, der davon nichts wusste, und auch die dazugehörigen Social-Media-Profile waren eine Fälschung. Nachdem die Journalisten des Daily Beast die betroffenen Publikationen darüber informierten, wurden die Beiträge von vielen Websites gelöscht. Manche Publikationen, darunter das rechtsorientierte Magazin Human Events, ließen Beiträge jedoch stehen: Man habe darin keine "faktischen Fehler" gefunden und sei mit der generellen Stoßrichtung einverstanden.

Neben "Badani" hat Daily Beast 18 weitere Fake-Autoren ausgemacht, denen es gelang, ähnliche Artikel zu platzieren, wobei sich manche auch etwa mit der Lage in Hongkong befassten. Wer hinter dem Netzwerk steckt, ist nicht klar - die Emirate stehen aufgrund des Inhalts vieler Artikel im Fokus, denkbar wären aber etwa auch konservative Kreise in den USA. Die meisten Schreiber seien als Mitarbeiter bei zwei als Nachrichtenportalen getarnten Websites namens The Arab Eye und Persia Now aufgeführt gewesen, die im Februar 2020 gleichzeitig und von denselben Hinterleuten aufgesetzt wurden, analysierte Daily Beast. Die Texte dort hatten sich wiederholt äußerst wohlwollend über die Vereinigten Arabischen Emirate geäußert. Beide Webseiten wurden inzwischen gelöscht.

© SZ/tyc/khil
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