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Deutscher Fernsehpreis in Köln:Ehrenpreis für die Nationalelf

Wer war eigentlich schon nicht mehr nicht da? Günther Jauch beispielsweise nicht und der Dortmunder Bundesligatrainer Jürgen Klopp nicht, die für ihre RTL-Berichterstattung während der Fußball-WM belobigt wurde. Jauch habe bei der Weinlese zu tun, sagte RTL-Sportchef Manfred Loppe. Spätestens, wenn man sich einen Weinberg kauft, wird also der Fernsehpreis überflüssig?

Deutscher Fernsehpreis

Kein Danke, aber immerhin ein bisschen Singen: Grand-Prix-Siegerin Lena Meyer-Landrut tritt am Samstagin Köln bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises auf.

(Foto: dapd)

Jauch blieb die langweiligste Inszenierung des Fernsehpreises erspart. Verantwortlich für Langeweile war der WDR. Es verblüfft, wie wenig gebührenfinanzierte TV-Unterhalter heute von Show verstehen. Sandra Maischberger und Kurt Krömer steuerten vermutlich unverschuldet, aber hilflos durch eine angestaubte Nummernrevue. Wenigstens hatte die Jury nichts falsch gemacht, was aber daran lag, dass die meisten Preisträger sich aufdrängten durch die konkurrenzlose Qualität ihrer Leistung.

Es gab Preise für den Frankfurter Tatort ( Weil Sie böse sind/Kategorie Fernsehfilm), die Heute Show (ZDF/Comedy), für RTL-Koch Christian Rach (Dokutainment), den ARD-Film Aghet - Ein Völkermord (Dokumentation), für Ulrike Kriener (beste Schauspielerin in Klimawechsel, ZDF) und Christoph Bach (bester Schauspieler in Dutschke, ZDF).

"Beste Serie" wurde die Sat-1-Produktion Danni Lowinski, die Sender und Produzent als Lizenz gerade nach Amerika verkauften. Lowinski-Hauptdarstellerin Annette Frier lieferte als einzige einen Kommentar zum Dissenz zwischen Stiftern und Verbänden. Die Stifter sollten "ihren beleidigten Arsch an einen Tisch setzen, um für die Preisverleihung 2011 eine konstruktive Lösung zu finden, so dass wir uns alle wieder gemeinsam besaufen können". Ach, Frier.

Nach der Verleihung mussten die Gäste mit bahnhofshallenartigen Durchsagen zum Dinner - an runden Tischen! - gerufen werden. Als die letzten Teller abgetragen waren, traten die meisten den Rückzug an. Um ein Uhr nachts war das Coloneum so leer wie früher nicht um fünf Uhr morgens.

Zurück zum WDR, wo Monika Piel herrscht. Die meistdiskutierte Entscheidung war der Ehrenpreis für die deutsche Fußballnationalelf. Ein Einfall aus dem WDR. Nach Köln war nur DFB-Manager Oliver Bierhoff gereist. Hans-Werner Meyer übte sich angesichts des Ehrenpreises in schwarzem Humor. "Wir erwarten jetzt, dass wir Schauspieler demnächst auch vom DFB ausgezeichnet werden." Kommt sicher noch. Auch DFB-Chef Theo Zwanziger ist so ein Stifter, ein ganz besonders engagierter.