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"The Crown" auf Netflix:Jäger und Gejagte

Ja, dieses Kleid wurde nur für eine einzige Einstellung nachgeschneidert. Emma Corrin als Prinzessin Diana.

(Foto: Des Willie/Netflix/AP/AP)

In der vierten Staffel der gefeierten Historienserie geht es an die Kronjuwelen des royalen Dramas: die Ehe von Charles und Diana.

Von Kathleen Hildebrand

Dass "The Crown" in dieser vierten Staffel, die ziemlich genau die Achtzigerjahre behandelt, zu wenig Stoff hätte, kann niemand behaupten: Margaret Thatcher, eine der Ikonen des Jahrzehnts, wird 1979 Premierministerin, es folgen Sozialstaatsabbau, Falklandkrieg, das Apartheid-Regime in Südafrika - und das ist nur die Innen- und Weltpolitik. Das eigentliche Thema der Serie, nämlich das Innenleben der britischen Monarchie, hätte ebenfalls genug Stoff für noch mal so viele Folgen wie diese zehn hergegeben. Denn wer Anfang der Achtzigerjahre auf den Plan tritt, ist niemand anderes als Diana, Prinzessin von Wales und der Herzen, und die meistfotografierte, traurigste schöne Frau der Welt.

Viele Kritiker haben diese Thatcher-Diana-Staffel als die beste der gesamten Serie gelobt und das nicht zu Unrecht: Emma Corrin spielt Diana fast gruselig genau, vom schief gelegten Kopf bis zur Prosodie ihrer sanften Stimme, die am Satzende immer nach unten geht. Josh O'Connor verleiht Prinz Charles mit seiner gebückten Haltung und dem nur halb zum Mitleid ermunternden Selbstmitleid die Ausstrahlung eines gekränkten Knechts. Und Gillian Anderson zieht als Margaret Thatcher eine irre karikatureske Show ab, die so dezent ist wie ihre grotesk riesige Haarspray-Frisur. Auch geht es den hyperprivilegierten, arroganten Windsors nun öfter an den Barbour-Jacken-Kragen: The Crown ist noch nie so kritisch mit ihnen ins Gericht gegangen wie in diesen neuen Folgen.

Was Staffel vier aber, vielleicht wegen der Überfülle an Material, fehlt, ist das fein Ziselierte, das bisher beinahe jede der oft vignettenhaften Folgen ausgezeichnet hat: Weltpolitik und royales Leben fanden in ausgesuchten Metaphern zusammen. Hier passiert das nur zu Beginn, beim Jagdausflug im schottischen Schloss Balmoral: Ein Zwölfender wurde angeschossen und muss erlegt werden. Die junge Lady Diana ist zu Besuch. Sie soll zeigen, ob sie eine würdige Frau für den heiratsscheuen Charles abgäbe, der ja eigentlich Camilla liebt. Nach dem Wochenende hat sie nicht nur geholfen, den Hirsch zu erlegen, sondern auch den Prinzen gewonnen. Zehn Jahre später, am Ende der Staffel, wird wieder gejagt. Fasane hängen mit dem Hals an Haken. Diana und Charles stehen kurz vor der Scheidung, Opfer sind sie jetzt, und waren sie wohl immer: beide.

The Crown, Staffel vier, auf Netflix.

© SZ/hy

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