Kritik an "Heute-Show" im ZDF:"Satire darf sich nicht daran beteiligen, den Diskurs zu verengen"

Kritik an "Heute-Show" im ZDF: Kritik auch an Jan Böhmermann: Christine Prayon.

Kritik auch an Jan Böhmermann: Christine Prayon.

(Foto: imago stock&people/Horst Galuschka)

Sie war die "Birte Schneider" der "Heute-Show". Jetzt sagt Kabarettistin Christine Prayon, die Sendung mache Stimmung gegen Andersdenkende - und hört auf.

Die Kabarettistin Christine Prayon hat die Zusammenarbeit mit Oliver Welkes Satiresendung Heute-Show im ZDF beendet, in der sie seit 2011 als Reporterin "Birte Schneider" zu sehen war. Als Grund nennt sie im Interview mit der Wochenzeitung Kontext, dass dort Andersdenkende der Lächerlichkeit preisgegeben würden. Sie habe sich "mit der Art, wie die großen gesellschaftlich prägenden Themen seit Corona behandelt werden", nicht mehr wohlgefühlt, sagt die 49-Jährige. Sie hätte darüber auch mit Verantwortlichen gesprochen. "Satire darf sich nicht daran beteiligen, den Diskurs zu verengen." Das aber finde in der Heute-Show statt, auch beim Krieg in der Ukraine. "Da werden Narrative und Positionen von Gruppen, die gesellschaftlich in der Hierarchie weit oben stehen, unablässig wiederholt und gleichzeitig Stimmung gegen Andersdenkende gemacht", sagt Prayon. Das habe nichts mehr mit Satire zu tun.

Für eine weitere Zusammenarbeit sei ihr die Tür offen gelassen worden, "falls ich das mal wieder anders sehen oder mich wohlfühlen sollte". Das finde sie auch schön, habe aber für sich einen Schlussstrich gezogen. Sie sei überhaupt keine Freundin von Satiresendungen mehr, erklärt Prayon und kritisiert Jan Böhmermann: "Auch er hat die gängigen Narrative verstärkt." Als Beispiel nennt die Kabarettistin eine Sendung, in der Böhmermann Nichtgeimpften zwei Stinkefinger gezeigt habe. "Ich dachte, wie kann man das machen?" Prayon leidet nach eigenen Angaben unter Symptomen, von denen sie nicht weiß, ob sie von einer Corona-Erkrankung oder einer -Impfung kommen.

Das ZDF äußerte sich auf Anfrage am Mittwoch zunächst nicht zu Prayons Kritik.

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