Bastian Schweinsteiger:Am Handgelenk

Bastian Schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger bleibt TV-Experte der ARD.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Hat Bastian Schweinsteiger in der ARD Schleichwerbung gemacht?

Von Harald Hordych

Zu welcher gewitzten Formulierung man auch immer greifen mag, jede ist abgeschmackt und trifft doch ins Schwarze: Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger, 36, der seine große Popularität vielfach in Werbeeinnahmen umzumünzen versteht, hat sich mächtig verdribbelt, ein Eigentor geschossen, und auch noch die Gelbe Karte bekommen - mit der Präsentation seiner Armbanduhr während einer EM-Übertragung. Am Montag hat die ARD beziehungsweise der WDR als federführender Sender der EM-Übertragungen eine Stellungnahme veröffentlicht. Dort heißt es, dass Schweinsteiger und sein Management um eine Erklärung gebeten worden seien. Außerdem steht dort: "Dabei haben wir sehr deutlich gemacht, dass die ARD gemäß ihrer Richtlinien keine Form von Schleichwerbung und nicht kenntlich gemachter Produktplatzierung ihrer Protagonist:innen duldet."

Für das Halbfinale zwischen Spanien und Italien, die letzte Live-Übertragung bei der EM durch die ARD, ist Schweinsteiger wieder zusammen mit Jessy Wellmer als Moderatoren-Duo vorgesehen.

Den Grund, warum man so genau darauf schaut, dass die Besetzung überhaupt weiterbesteht, trägt Schweinsteiger an der linken Hand. Der Weltmeister von 2014 hatte während der Übertragung der Viertelfinal-Begegnung Ukraine gegen England seine Armbanduhr auffällig präsentiert. Statt, wie sonst oft der Fall, das Mikrofon in der rechten Hand zu halten, hielt es Schweinsteiger in der linken Hand, an der Uhr und dementsprechend auch Fabrikat und Marke deutlich zu erkennen waren. In der Halbzeitpause waren dann auf dem Twitter-Account von Bastian Schweinsteiger zwei Fotos gepostet worden. Eines zeigte den populären "Schweini" beim Gespräch mit Wellmer. Das andere war eine Nahaufnahme von Schweinsteigers Handgelenk samt des Modells des Herstellers Garmin, der mit Schweinsteiger als "Kampagnen-Gesicht der neuen Kollektion" wirbt. Inzwischen wurden diese Tweets wieder gelöscht.

Ausgestanden ist die Sache jedoch noch nicht

Damit ist auch so gut wie ausgeschlossen, dass von einer der Landesmedienanstalten ein Verwaltungsverfahren wegen möglicher fehlender Werbekennzeichnung erfolgt. Denn am Ende dieses Verfahrens könnte ohnehin nur die nachträgliche Kennzeichnung oder die Löschung der Tweets stehen. Die Landesmedienanstalt für NRW erklärte sich auf Nachfrage für nicht zuständig, wegen des Verweises in Schweinsteigers Twitter-Impressum auf seine Agentur. Und die sitzt in Grünwald bei München.

Ausgestanden ist die Sache deshalb aber noch nicht. Der WDR prüft noch. Zu den offenen Fragen gehört, inwiefern der Sender verantwortlich ist, wenn etwas aus der Sendung auf einem privaten Account gepostet wird. Und zwar im Fall von Bastian Schweinsteiger eine offensichtliche Produktpräsentation. Laut einer WDR-Sprecherin war unter dem Detail-Bild der Name der Uhrenmarke verlinkt. Generell hat die ARD eine eindeutige Haltung zu Schleichwerbung, wie sie bereits am Sonntag in einer ersten Stellungnahme, die der SZ vorliegt, festgehalten hatte: "Die ARD-Übertragungen von der Euro 2020 unterliegen - wie alle unsere Programme - den ARD-Werberichtlinien, die jede Form von Schleichwerbung und nicht kenntlich gemachter Produktplatzierung ausschließen."

Was den Austausch zwischen dem Schweinsteiger-Management und der ARD angeht, hieß es von Seiten des WDR am Dienstagnachmittag: "Wir sind bezüglich der Bewertung des Sachverhaltes weiter im Kontakt mit Bastian Schweinsteiger und seinem Management."

© SZ/cag
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