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"Anne Will" zu Ausschreitungen in Sachsen:Jakob Augstein, Verleger des "Freitags", wirkt wie ein DJ

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hätte gerne mehr über Prävention (wichtig und bald weniger unterfinanziert) gesprochen und über minderjährige Geflüchtete (besondere Herausforderung), kam damit aber eher selten durch. Und Jakob Augstein, Verleger des Freitags, wirkte wie ein DJ, der in seinen alten Platten kramt, aber mit keiner Scheibe Schellack den Beat der Sendung trifft. Er pöbelte unpräzise, seine eilig angelesenen Schlaumeiereien waren nicht so gut getarnt wie sonst, im Fußball-Magazin Kicker müsste man jetzt schreiben: Augstein fand nicht ins Spiel.

Der Sonntagabend ist auch im Fernsehen eine Transitzone, zwischen der alten Woche und der neuen, und wie ermüdend das Personal in dieser manchmal ist, das merkt man immer dann, wenn eine oder einer von anderem Schlag hinzukommt, ein mindestens AA-Gast wie Alexander Ahrens.

Auf die Schuld-Frage von Bautzen sagte Ahrens, wer angefangen habe, interessiere ihn "eigentlich gar nicht so brennend". Auf den impliziten Vorwurf, er würde einem braunen Ort vorstehen, merkte Ahrens gelassen an, dass das schon deswegen nicht stimmen könne, weil er als "linker Vogel" mit exakt der Ansage gewählt worden sei, dass es mit ihm keine Politik gegen Flüchtlinge geben werde. Und auf den viertelinformierten Hinweis von Will, Bundespräsident Gauck sei bei seinem Besuch in Bautzen ja auch beschimpft worden, ordnete Ahrens: Gauck sei sechs Stunden in der Stadt gewesen, von vielen Tausenden freundlich begleitet - angeschrien von sechs Menschen für 30 Sekunden.

Darauf wiederum sagte Jaschke: "Das Problem, Herr Ahrens, ist: Es passt ins Bild." Und spätestens da hätte man, einmal wieder, mit der Sonntags-Talkshow an sich brechen wollen, können, dürfen. Jaschke stellte sein medial vermitteltes Erwartungsbild über die Realbeobachtung eines Oberbürgermeisters, er gab im Grunde und unbewusst zu, dass für ihn das mediale Bild von höherem Rang ist als das tatsächliche Erleben eines Verantwortungsträgers vor Ort.

Als Zuschauer konnte man an dieser Stelle trotzdem mit einem guten Gefühl zum Ende der Transitzone weiterziehen. Weil man Alexander Ahrens, in aller Kürze, kennengelernt hatte, und damit einen Kommunalpolitiker, der zum unabdinglichen Rückgrat der Demokratie in diesem von der Talkshow-Öffentlichkeit zu viel beschriebenen Land gehört.

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Sachsen

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