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Sachsen:Schuld sind immer die anderen

Der Die-da-ismus nach der Randale in Bautzen bringt niemanden weiter. Es braucht den Mut, differenziert zu diskutieren, was schief gelaufen ist - und wie es besser werden kann.

Wer trägt Schuld an der Randale in Bautzen? Ganz einfach: die da oben, die da drüben und die da unten. Die da oben tragen Schuld, weil sie zwar die Geflüchteten ins Land geholt haben, sich jetzt aber nicht ernsthaft genug um deren Integration bemühen. Die da drüben tragen Schuld, weil sie aus ihren Städten alle verjagen, die von anderswo kommen, um sich dann darüber zu beschweren, dass nichts los ist. Und die da unten tragen Schuld, weil sie den Staat, der ihnen Obdach gibt, auch noch provozieren und beschimpfen.

So stellen sich die Dinge dar, je nach Perspektive, und auf exakt dieses Fingerzeigen reduziert sich die Debattenqualität nach öffentlichen Unruhen wie jenen in Bautzen. Der jeweilige Schauplatz wird dann per Ferndiagnose zum Nazikaff, die Antwort darauf ist Enttäuschung und in der Regel noch mehr Wut. Journalisten ist es in diesem ermüdenden Spiel sogar möglich, mit ein und demselben Text den Linken als Verharmloser in Erscheinung zu treten und den Rechten als pauschalisierender Voll-Heini von der Mainstream-Presse.

Bautzen fügt diesem Muster insofern noch etwas hinzu, als dieses Mal Gewalt wohl auch initiativ von Asylbewerbern ausgegangen ist. Da darf der Asylgegner jubeln: Endlich haben die mal angefangen! Noch eine Gruppe mehr also, auf die man mit dem Finger zeigen kann. Und, ach so, die Bundeskanzlerin trägt ja sowieso immer Schuld.

Nur steht zu befürchten: Kein einziger Rechtsradikaler lässt sich mit dem Zeigefinger missionieren. Kein Geflüchteter fühlt sich so sicherer oder besser integriert. Kein lokaler Verantwortungsträger wird durch den Die-da-ismus motiviert, offen und differenziert über Erfolge, aber auch Probleme am Ort zu sprechen.

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