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"Absolute Mehrheit" von Stefan Raab:"Guckt die Kanzlerin heute Abend zu?"

Raab stattdessen hielt sich nicht an die Etikette und fragte Oppermann von der SPD: "Wie lange ist Herr Steinbrück eigentlich noch haltbar als Kanzlerkandidat?" FDP-Mann Kubicki fragte er: "Muss der Rösler weg und wie kann ich Ihnen dabei helfen?" Michael Fuchs von der CDU bekam den Eisbrecher zu hören: "Herr Fuchs, wer hat die Gans gestohlen?" Und dann: "Guckt die Kanzlerin eigentlich heute Abend zu?" Fuchs: "Ich glaube eher nicht." Raab: "Ich glaube schon!"

Die mit in die Runde platzierte Nicht-Politikerin und Unternehmerin Verena Delius aus Berlin befragte er: "Würden Sie gerne noch mehr Steuern zahlen, Frau Delius?" Und in Richtung des stellvertretenden Linken-Chefs Jan van Aken streute er ein: "Will Herr von Aken den Faulen ein angenehmes Leben finanzieren?" Das war alles nicht ernst gemeint, sondern absichtlich provokativ, genau wie die in manchen Medien nun schon als "rassistisch" bewertete Frage, ob Philipp Rösler beim Abendessen nun die Stäbchen aus der Hand fallen würden.

Über Stefan Raabs Humor kann man sich streiten, nicht aber darüber, dass er an vielen Stellen genau die Fragen stellte, die sich viele Journalisten in anderen Polit-Talks schon gar nicht mehr zu fragen trauen. Raab macht es einfach, wie er alles einfach macht, weil er es sich zutraut. Deshalb ist diese Show vielleicht die beste, die er je gemacht hat, weil sie ein Publikum dazu bringen könnte, sich mit Politik zu beschäftigen, das sich für diese Themen sonst nicht mal am Rande interessieren würde.

Kubicki und van Aken siegen

Am Rande, da spielte sich hier vieles ab: Die Runden waren zu kurz, um ernsthaft Argumente austauschen zu können und wurden ständig unterbrochen davon, welcher der Kandidaten in der Anrufergunst vorne liege. Politisch inhaltlich Neues wurde nicht gesagt, aber das passiert in anderen Polit-Talks ja auch kaum - und hier geht es schließlich im Gegensatz zu den anderen Sendungen eher um Polit-Infotainment. Am Ende siegten mit Wolfgang Kubicki von der FDP auf Platz 1 und Jan van Aken von den Linken als Zweitplatziertem genau die beiden Kandidaten, deren Parteien ansonsten die wenigsten Stimmen erhalten. Und ständig musste noch das Auto eingespielt werden, das es zu gewinnen galt.

Wie immer hieß es also bei Stefan Raab: Wir haben doch keine Zeit. Dafür schlugen sich alle Kandidaten recht munter, auch wenn das Prinzip, hier für Geld gegeneinander antreten zu müssen, dann doch recht fragwürdig ist. Es lenkt die politische Diskussion auf eine Wettkampf-Ebene, die gar nicht nötig ist, nicht mal für den Unterhaltungs-Effekt.

Trotzdem: Ein vergleichsweise guter Anfang ist gemacht, Politik ist keine heilige Kuh, die man von jeglichem Spaß und Unterhaltungswert fernhalten müsste, um sie nicht zu beschädigen. Das Gegenteil ist der Fall: Politik muss wieder mehr Menschen erreichen, damit sie mitreden können über dasjenige und diejenigen, die über sie zu entscheiden haben. Eine Vorlage dafür hat Raab nun geliefert. Man kann nur hoffen, dass es - mit ein paar konzeptionellen Verbesserungen - weitergeht.

Und all denjenigen, die mit Raabs Experiment schon wieder den Untergang des Abendlandes heraufziehen sehen, sei eine Empfehlung ans Herz gelegt, die Raab selbst zu Beginn der Sendung mehrfach in die Runde warf: Macht euch mal locker.

© Süddeutsche.de/lala/sebi/bavo

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