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Vornamen:So nennen die Deutschen ihre Kinder

Marie und Elias sind die beiden am häufigsten vergebenen Vornamen im Jahre 2016.

(Foto: SZ)

650 Standesämter in ganz Deutschland wurden befragt, jetzt hat die Gesellschaft für deutsche Sprache das Ergebnis. Die Top Ten der beliebtesten Mädchen- und Jungennamen im Jahr 2016.

Der Reiz an Top-Ten-Listen ist, dass sich ab und zu mal etwas ändert. In den Musikcharts zum Beispiel wird sich der britische Schnulzensänger und -gitarrist Ed Sheeran, der derzeit mit gleich zwei Songs vertreten ist, wohl nicht ewig halten können. Und in der ZDF-Umfrage über die zehn beliebtesten Politiker rutscht Angela Merkel irgendwann ab, die Beliebtheit von Horst Seehofer schwankt ebenfalls und Cem Özdemir oder Sahra Wagenknecht sind mal drin und mal draußen, es gibt also Neueinsteiger, Aufsteiger und Absteiger.

So gesehen ist die Liste der beliebtesten Vornamen in Deutschland, die jetzt für 2016 vorliegt, ein bisschen langweilig. Weder bei den Mädchen noch bei den Jungen gibt es einen einzigen neuen Namen. Nur die Reihenfolge hat sich verändert. Marie ist ein bisschen nach oben, Mia dafür ein bisschen nach unten gerutscht. Elias und Jonas haben Plätze gutgemacht, wohingegen Maximilian etwas an Beliebtheit eingebüßt hat.

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"Es haben wieder die Klassiker gewonnen", mit diesen Worten drückt es Andrea-Eva Ewels aus, die Geschäftsführerin der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Ihre Organisation ermittelt jedes Jahr, welche Vornamen Eltern in Deutschland ihren Kindern geben. Die Daten von 650 Standesämtern im ganzen Bundesgebiet wurden dieses Mal dafür abgefragt, mehr als 97 Prozent aller vergebenen Vornamen - insgesamt sind es mehr als eine Million - sind so erfasst.

Ewels, das wird schon nach wenigen Sekunden am Telefon deutlich, findet das alles andere als langweilig. Auch wenn sich an der Spitze wenig getan habe, herrsche hierzulande "eine riesige Vielfalt bei den Namen". Die These, dass Eltern heute vor allem auf Traditionen bedacht seien und deshalb traditionelle Namen bevorzugten, greife ohnehin viel zu kurz. "Im Gegenteil: Die Deutschen sind ziemlich kreativ", sagt Ewels. Schon lange etablierte Namen würden mit neuen Namen kombiniert. "Dann entstehen Verbindungen wie Linn-Marie oder Linn-Sophie, das beobachten wir in den vergangenen Jahren immer öfter. Der Rufname soll etwas Besonderes sein, während bei den Zweitnamen auf Bewährtes gesetzt wird", so die Sprachexpertin.

Wichtig zu wissen: In die Top-Ten-Listen der Mädchen- und Jungennamen fließen sowohl Erst- als auch Zweitnamen ein. Die allermeisten Standesämter erfassen diese nämlich nicht mehr getrennt, erklärt Ewels. Immer mehr Eltern geben ihren Babys mehrere Namen: 48 Prozent der im vergangenen Jahr geborenen Kinder hat mindestens zwei Namen, zehn Prozent der Neugeborenen bekommen sogar drei oder mehr Namen. Mehr als fünf Vornamen sind heute in Deutschland allerdings nicht mehr zulässig.

Auch sonst dürfen Eltern in Deutschland bei den Vornamen nicht machen, was sie wollen. Zahlen oder Abkürzungen sind, anders als beispielsweise in den USA, verboten. Ebenso Ortsnamen oder sprechende Namen.

Bandito und Ibiza sind nicht erlaubt

"Unser Bestreben ist es, Namen, mit denen Kinder später gehänselt werden, nicht zuzulassen. Die Gesellschaft für deutsche Sprache wird von Standesämtern, die über die Anträge der Eltern entscheiden müssen, häufig um ein Gutachten gebeten. "Wir bestätigen pro Jahr zwischen 300 und 400 Vornamen. Abgelehnt haben wir kürzlich zum Beispiel die Namen Bandito und Ibiza".

Auch wenn Marie, Sophie, Mia, Elias, Maximilian und Ben seit Jahren zu den beliebtesten Namen zählen, bedeutet das nicht, dass die Mehrzahl der Kinder so heißt. Denn nur 2,77 Prozent aller im Jahr 2016 geborenen Mädchen heißen tatsächlich Marie und sogar nur 1,42 Prozent der Jungen tragen den Namen Elias.