Hofexperte zu Victorias Hochzeit: "Das passt"

Herman Lindqvist, Hofexperte und ehemaliger Geschichtslehrer von Kronprinzessin Victoria über die Hochzeit des Jahres, den Bräutigam und hausgemachtes Deutsch.

Interview: Gunnar Herrmann

Herman Lindqvist, 67, ist als Hofexperte in schwedischen Medien dauerpräsent. Der Journalist hat mehrere Bücher über das Königshaus geschrieben und Kronprinzessin Victoria als Privatlehrer in Geschichte unterrichtet. Er berät die königliche Familie und darf zur Hochzeit in den Stockholmer Dom kommen.

"Früher hatte man Respekt vor dem Königshaus", sagt Herman Lindqvist, ehemaliger Geschichtslehrer der Prinzessin.

(Foto: dpa)

SZ: Herr Lindqvist, was werden Sie empfinden, wenn Ihre ehemalige Schülerin am Altar steht?

Lindqvist: Das wird mich tief berühren. Ich war drei Jahre lang ihr Lehrer. Sie war damals schon erwachsen und hatte gerade ihre Beziehung zu Daniel Westling begonnen. Wir sprachen im Unterricht über Geschichte, aber auch über das Leben, die Liebe, die Medien. Ich habe sie schon lange in ihrer Entscheidung für Daniel unterstützt. Ich sagte ihr, sie solle der Stimme ihres Herzens folgen.

SZ: Gab es viele Widerstände?

Lindqvist: Die Medien waren am Anfang sehr gegen die Verbindung, wie auch viele am Hof. Wissen Sie: Viele, die am Hof angestellt sind, fühlen sich ja nobler als der König selbst. Die sind ein bisschen vom königlichen Glanz beschädigt. Die dachten, dass Daniel fürchterlich peinlich war und hofften, dass es vorbeigeht. Ich sah, dass es nicht vorbeigehen würde. Das war Liebe. Ich versuchte zu erklären, dass diese Verbindung genau richtig ist "Für Schweden - in der Zeit" (das ist das Motto von König Carl XVI. Gustaf, Anm. d. Red.). Es passt gut ins heutige Schweden, dass die Kronprinzessin eine Herzenswahl trifft.

SZ: Daniel aus Ockelbo passt also viel besser als irgendein Prinz aus dem Hochadel zu diesem Königshaus, das sich immer volksnah gibt?

Lindqvist: Genau. Vor 30 oder 40 Jahren hätte es vielleicht nicht so gut gepasst. Aber heute ist es perfekt. Und Daniel Westling hat sich in den sieben Jahren der Beziehung bewährt. Er ist nie ausgeflippt, hat nie Drinks auf Fotografen geschmissen, war nie aggressiv. Er hat sich niemals in der Klatschpresse geäußert. Er war stabil. Das gefällt den Schweden draußen auf dem Land, wenn jemand zuverlässig ist, vertrauenswürdig. Auch dass er aus Norrland kommt und mit leichtem norrländischen Akzent spricht, ist positiv. Mit Norrländern verbindet man, dass sie mit beiden Füßen auf der Erde stehen. Die Hochzeit von Carl XVI. Gustaf mit Silvia Sommerlath 1976 hat die Monarchie vitalisiert und ihr Überleben für weitere 30 Jahre gesichert. Jetzt passiert das Gleiche wieder.

SZ: Es gab in den vergangenen Wochen in Schweden aber auch viel Kritik an der Monarchie. Hat sich das Verhältnis der Medien zum Königshaus verändert?

Lindqvist: Die Medien sind näher und näher gerückt. Zum Beispiel die Sache mit der Trennung von Madeleine von ihrem Verlobten. Das ging ja Tag für Tag immer weiter: Madeleine lacht, Madeleine weint, Madeleine geht hierhin und dorthin. Es wurde so viel Mist geschrieben. Die Art von Journalismus gab es früher nicht, da hatte man Respekt vor dem Königshaus.

SZ: Ist das gefährlich für die Königsfamilie, wenn der Respekt schwindet?

Lindqvist: Nein, nicht so lange sie ihre Haltung bewahrt. Aber es ist sehr ermüdend. Wenn sie sich hinter dem Ohr kratzen, wird sofort ein Foto geschossen.

SZ: Wie kommt Daniel Westling damit zurecht?

Lindqvist: Er musste etwa lernen, die Dinge nicht persönlich zu nehmen. Als normaler Mensch wird man ja wütend, wenn etwas Falsches über einen in der Zeitung steht. Und das wurde Daniel auch. Aber er muss sich das abgewöhnen. Man kann ja nicht jeden Artikel dementieren. Das macht man nur bei den ganz großen Spinnereien. Aber nicht bei Kleinigkeiten wie etwa "Quellen am Hofe sagen, Daniel hat Bauchschmerzen".

SZ: In Deutschland werden Ikea-Warenhäuser die Hochzeit auf Großbildschirmen übertragen.

Lindqvist: Ich glaube, so etwas geht nur in Deutschland. In Frankreich würde das niemanden interessieren. Schweden und Deutschland hatten eben immer eine spezielle Beziehung. Das ist in Schweden zwar in Vergessenheit geraten, aber in Deutschland erinnert man sich daran. Die Deutsche Kirche ist die größte und schönste Kirche in der Stockholmer Altstadt, 80 Prozent unserer Sprache ist Plattdeutsch.

SZ: Also ist das jetzt auch ein bisschen unsere Hochzeit?

Lindqvist: Aber klar! Ich finde es nur etwas unangenehm, dass die Königskinder so schlecht Deutsch sprechen. Königin Silvia hat ja versucht, es ihnen beizubringen. Eine Zeitlang probierte man es auch mit einem deutschen Kindermädchen, aber die Kinder sind darauf nicht angesprungen. Erst später hat Victoria sich ein wenig zusammengenommen. Mit ihren deutschen Verwandten spricht sie nun so eine Art hausgemachtes Deutsch - sie nennt das selbst so.

SZ: Sie sind dennoch zufrieden mit Ihrer Schülerin?

Lindqvist: Ja, sehr.

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Victoria - Eine ganz normale Prinzessin