Neue Wohnformen Neue Ideen, neue Gemeinschaften

Ko-Dorf statt Kuhdorf: Wenn die digitale Bohème ein Dorf gründet

Noch weiter treibt dieses Prinzip der Journalist Frederik Fischer aus Berlin. Er möchte gleich ein ganzes Dorf gründen: das Ko-Dorf. Auch er findet, die Stadt mit den hohen Mieten, dem Lärm, dem Verkehr verursache zu viel Stress, sei menschenunfreundlich. Das muss nicht sein, findet er - vor allem, wenn man dank der Digitalisierung seinen Job überall machen kann. Das Ko-Dorf denkt er sich nicht unbedingt als festen Wohnsitz, sondern als Ergänzung zur Stadtwohnung, als Rückzugsort. Dafür will Fischer Land pachten, eine Genossenschaft gründen, Wohnhäuser bauen, aber eben auch Gemeinschaftsräume und -flächen, Coworking-Spaces und Cafés. Gerade ist er noch auf der Suche nach einer geeigneten Fläche. Er hat aber schon Vorbilder: zum Beispiel das Feriendorf "Meerleben" an der Ostsee. Mehr über sein Projekt lesen Sie in diesem Artikel.

Hier entsteht ein Haus der Vorbildsiedlung "Meerleben".

(Foto: Agmm Architekten)

Bauernhof in Deutschland, Lehmhaus in Bolivien

Schorsch Dreher-Pellhammer hingegen empfiehlt den Deutschen den Blick über die Landesgrenzen. Der 73-jährige Entwicklungshelfer hat schon in den 90er Jahren für seine Familie in Bolivien, wo er seit vielen Jahren arbeitet, ein Lehmhaus gebaut, 120 Quadratmeter mit Garten. Dort wuchsen seine Kinder und auch einige seiner Enkelkinder auf. Wenn die Familie doch mal in Deutschland war, wohnten sie auf dem Campingplatz. Inzwischen ist einer seiner Söhne mit den Enkeln und der Schwiegertochter in Deutschland in einen Bauernhof gezogen. Sein Sohn sei als Förster viel in der Welt unterwegs, aber seine Familie möchte sich in seinem Heimatland einleben. "Wenn wir beiden Alten in Deutschland sind, leben wir auch dort", sagt Dreher-Pellhammer.

Das Lehmhaus von Schorsch Dreher-Pellhammer in Bolivien.

(Foto: Entwicklungsdienst Bolivien)

Trotzdem, sein Zuhause, das ist die Lehmhütte. "Wenn man seine eigenen vier Wände mit den eigenen Händen gebaut hat, dann gibt es nichts besseres", sagt er. Diese Erfahrung würde er auch Menschen in Deutschland wünschen, die unter der Wohnungsnot in den Städten oder der Zersiedelung auf dem Land leiden. "Ich finde es wichtig, dass Menschen mit ihren Händen ihr eigenes Zuhause bauen können", sagt er. Doch leider machten es hierzulande enge Vorschriften und wenig kreative Wohnansätze schwer, diese Träume zu verwirklichen. "Bei mir sprudeln da die Ideen", sagt er. "Warum nicht auch hier Lehmhäuser bauen? Baumhäuser? Oder Stelzenhäuser?" Das wäre doch besser als immer neue Betonwüsten in den Vorstädten - während die Dörfer verfallen.

Selbstverwaltetes Studentenwohnheim: das Collegium Academicum in Heidelberg

So sollen die Zimmer im Collegium Academicum aussehen.

(Foto: Collegium Academicum GmbH)

Wer anders leben will, muss zuweilen einen langen Atem haben. Das beweist eine Gruppe junger Menschen aus Heidelberg, die seit 2013 an einem selbstverwalteten Wohnheim für Studierende, Auszubildende und Promovierende arbeitet. Entstehen soll das Collegium Academicum auf ehemaligem US-Militärgelände, wichtig ist der Gruppe der ökologische und selbstbestimmte Ansatz. Nicht nur die Planung soll basisdemokratisch ablaufen, sondern auch das spätere Leben. Neben günstigen Appartments für 176 Personen zu je 300 Euro Warmmiete plant die Gruppe auch eine Werkstatt, Seminarräume, Platz für kulturelle Veranstaltungen. Ende 2017 hat sie die Baugenehmigung erhalten, zur Zeit bereitet ein Architekt die Ausschreibung vor. Außerdem muss die Gruppe weitere Kredite anwerben. Mehr über das Projekt erfahren Sie in diesem Artikel.

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Darum geht es diese Woche in der Werkstatt Demokratie der SZ. Heute können Sie in München mitreden - melden Sie sich jetzt an.   Von Sabrina Ebitsch