bedeckt München 22°
vgwortpixel

Nachhaltige Ernährung:So vermeiden Sie Lebensmittelmüll

Die Recherche Fressen und Moral Lebensmittel lagern

Ordnung im Kühlschrank ist wichtig.

(Foto: Schellnegger/SZ.de)

Warum der Kopfsalat die Tomate nicht mag und welche Apps bei der Einkaufsplanung helfen: Wer ein paar Tipps beachtet, kann seinen persönlichen Lebensmittel-Müllberg erheblich reduzieren.

Mit jeder angetrockneten Käsescheibe und jeder matschigen Tomate, die wir wegwerfen, wächst der globale Lebensmittel-Müllberg. Jedes Jahr landet laut der UN-Umweltorganisation Unep ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel nicht auf dem Teller. 2011 waren das 1,3 Milliarden Tonnen - eigentlich genug, um drei Milliarden Menschen satt zu bekommen.

Recherche

"Erst das Fressen, dann die Moral - wie sollen wir uns künftig ernähren?" Diese Frage hat unsere Leser in der vierten Abstimmungsrunde unseres Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Dieser Text ist einer von zahlreichen Beiträgen, die sie beantworten sollen. Alles zur Recherche zu Fressen und Moral finden Sie hier, alles zum Projekt hier.

Allein in reichen Industrienationen werden 222 Millionen Tonnen weggeworfen, fast so viel wie die gesamte Lebensmittelproduktion im südlichen Afrika. Während in Entwicklungsländern das meiste Essen zu Beginn der Verwertungskette verloren geht - weil es zum Beispiel an Infrastruktur, Organisation und Technologie fehlt -, sind es mit wachsendem Reichtum eines Landes zunehmend die Verbraucher, die den Müllberg verursachen. Jeder Deutsche wirft pro Jahr laut einer Studie des Verbraucherschutzministeriums 82 Kilogramm Lebensmittel in die Tonne - Essen im Gegenwert von 235 Euro.

Diese Lebensmittelmüllmenge lässt sich jedoch vergleichsweise einfach verringern. Folgende Tipps helfen bei der Müllvermeidung:

  • Besser einkaufen: "Waren da jetzt noch Eier im Kühlschrank? Und wenn ja, wie viele?" Wir alle sind schon einmal kurz vor Ladenschluss noch in den Supermarkt geschlüpft, nur um vor dem Kühlregal festzustellen, dass wir keine Ahnung haben, was genau wir eigentlich brauchen. Gute Planung ist der erste Schritt zur Vermeidung von Lebensmittelmüll. Leichtverderbliches möglichst zeitnah einkaufen - frisches Fleisch zum Beispiel höchstens am Vortag -, und zwar von allem nur so viel, wie man wirklich braucht.

Gerade Sonderangebote erscheinen oft verlockend. Doch schafft ein Zwei-Personen-Haushalt wirklich ein Drei-Kilo-Netz Mandarinen? Wie oft soll es in den kommenden Tagen eigentlich Kartoffeln geben? Reicht nicht doch die kleinere Packung - auch wenn sie genau so viel kostet wie die größere? Der klassische Einkaufszettel hilft hier schon entscheidend weiter. Für Nerds und Planungs-Fetischisten gibt es spezielle Apps ("Einkaufsplaner" zum Beispiel bietet die Möglichkeit, sich innerhalb der Familie abzustimmen), Rezept-Portale und -Anwendungen fürs Smartphone rechnen die Zutatenliste je nach Gästeanzahl um und bieten oft eine eigene Einkaufszettel-Funktion. Und zuletzt hilft für einen bedachten Einkauf: nicht völlig ausgehungert zum Supermarkt.

  • Besser lagern:

Im Kühlschrank

Der neueste Einkauf sollte im Kühlschrank ganz nach hinten, ältere Produkte gut sichtbar nach vorne geräumt werden. Angebrochene Quarks und Joghurts ziehen Bakterien an, deswegen sollte man sie gut abdecken oder schnell aufessen. Noch besser ist es, den Inhalt aus geöffneten Packungen und Dosen in gut schließende Behälter umzufüllen. Wird ein Produkt schimmlig, sind die anderen Produkte dadurch geschützt. Der Kühlschrank ist - insbesondere, wenn man ihn mit mehr als fünf Grad betreibt - ein Paradies für Mikroorganismen. Eine regelmäßige Reinigung der Oberflächen (Vorsicht bei den Dichtungen) mit Essigwasser hilft, Keime zu bekämpfen. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gibt auf ihrer Seite weitere Tipps für das optimale Kühlschrank-Management.

Obst und Gemüse

Die Grundregel für das Aufbewahren von Obst: Exoten mögen es warm, einheimische Sorten bevorzugen es kühl. Mangos und Bananen sollten also nicht in den Kühlschrank, Äpfel und Kirschen dagegen schon. Manche Obstsorten geben viel Ethylen ab, ein Reifegas, das andere Früchte in der Umgebung schneller verderben lässt. Äpfel, Aprikosen und Pflaumen sollten deswegen besser getrennt von anderem Obst aufbewahrt werden. Das gilt auch für manche Gemüsesorten - zum Beispiel für Tomaten. Und Salat reagiert seinerseits besonders empfindlich auf das Ethylen. Deswegen am besten für Obst und Gemüse: Einzelhaft. Die Frage nach Kühlschrank oder Küchenregal lässt sich für die allermeisten Gemüsesorten mit "egal" beantworten. Vier gängige Sorten sind allerdings kälteempfindlich und sollten deswegen ungekühlt aufbewahrt werden: Aubergine, Tomate, Kartoffel und Kürbis.

  • Besser prüfen: Bei jedem Einkauf wandert der Blick automatisch auf das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Für viele ist dieses Verfallsdatum gleichbedeutend mit dem Verbrauchsdatum. Dabei gibt das MHD nur an, bis wann der Hersteller für die unveränderte Qualität seines Produkts garantiert. Verbrauchstauglich ist es meist deutlich länger. Vor dem Wegwerfen erst einmal gucken, riechen, schmecken - und den eigenen Sinnen vertrauen, ob ein Produkt noch genießbar ist. Bei Eiern hilft der Wassertest: Schwimmt in einem mit Wasser gefüllten Topf das rohe Ei an der Oberfläche, sollte man es eher nicht mehr verwenden. Bei Schimmel gilt jedoch immer: die ganze Packung wegwerfen. Einzige Ausnahme ist Hartkäse. Da er nur wenig Feuchtigkeit enthält, kann sich der Schimmel nur schlecht ausbreiten. Befallene Stellen einfach großzügig entfernen. Hinweise zur Haltbarkeit einzelner Produkte gibt es vielerorts im Netz, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale Hamburg.
  • Besser Reste verwerten: Übriggebliebenes Obst lässt sich ziemlich einfach zu Konfitüren, Trockenobst oder Säften weiterverarbeiten und so länger haltbar machen. Etliche Kochbücher und Rezeptforen bieten darüber hinaus Rezeptideen nach Produkten sortiert an und bieten so viele Inspirationen zur Resteverwertung. Mit "Beste Reste" hat das Verbraucherministerium noch unter der Ägide von Ilse Aigner eine eigene App vorgelegt, die auf diesem Prinzip basiert. Auf der zugehörigen Kampagnen-Seite "Zu gut für die Tonne" kann jeder eigene Rezepte hochladen. Darüber hinaus bietet die kostenlose App ein umfangreiches Lexikon mit Aufbewahrungstipps für einzelne Lebensmittel.
  • Besser loswerden: Wer doch einmal falsch geplant und zu viel eingekauft hat und das bemerkt, bevor die Lebensmittel verdorben sind, muss nicht alles wegwerfen. Produkte, die das MHD noch nicht erreicht haben, können zum Beispiel an die örtliche Tafel gespendet werden. Oder beim Foodsharing mitmachen und die eigenen Reste mit anderen teilen. Die Seite Foodsharing.de bietet die Möglichkeit, Übriggebliebenes online anzubieten und zu finden (lesen Sie hier einen Erfahrungsbericht). In vielen Städten gibt es zudem Tauschbörsen für (unverdorbene) Essensreste (einen Überblick finden Sie zum Beispiel auf lebensmittelretten.de).
Fressen und Moral Geteiltes Essen ist halber Müll
Die Recherche
Nachhaltiger Konsum

Geteiltes Essen ist halber Müll

Wenn ich übriggebliebenes Essen wegwerfe, dann immer mit schlechtem Gewissen. 82 Kilogramm Lebensmittel entsorgt jeder von uns pro Jahr. Die Online-Plattform Foodsharing will Abhilfe schaffen. Wie klappt das mit der Müllvermeidung? Ein Selbstversuch.   Von Lena Jakat

Die Recherche zu Landwirtschaft und Ernährung: Kein Fressen ohne Moral

"Erst das Fressen, dann die Moral - wie sollen wir uns (künftig) ernähren?" Das wollten unsere Leser in der vierten Runde unseres Projekts Die Recherche wissen. Mit einer Reihe von Beiträgen beantworten wir diese Frage.

  • Fleisch Petrischale Luxus ist, seine Wurst selbst zu machen

    Kochen wir bald selbst im Restaurant an der Ecke? Ernährungsexpertin Hanni Rützler will herausfinden, wie wir in Zukunft essen. Im Interview erzählt sie von Apps, die Bauernmärkte finden, kuratiertem Essen und wozu Bananenschalen dienen können.

  • Dem Erdbeerjoghurt auf der Spur

    Welche Wege haben Milch, Obst und Zucker hinter sich, wenn sie im Fruchtjoghurt landen? Verbraucher werden mit der Frage nach dem Ursprung von Lebensmitteln meist alleine gelassen. Eine Suche nach der Herkunft des Erdbeerjoghurts.

  • Niederkaufungen T Unser Stall, unser Baum, unser Beet

    Wie viel sind Lebensmittel wert? Die Mitglieder der Kommune Niederkaufungen sagen: weit mehr als Autos oder Urlaub. Sie haben ihre Maßstäbe verändert, auch wenn es Geld kostet und anstrengend ist. Ein Besuch bei Menschen, die besonders leben und essen.

  • Foodsharing Recherche Fressen und Moral Geteiltes Essen ist halber Müll

    Wenn ich übriggebliebenes Essen wegwerfe, dann immer mit schlechtem Gewissen. 82 Kilogramm Lebensmittel entsorgt jeder von uns pro Jahr. Die Online-Plattform Foodsharing will Abhilfe schaffen. Wie klappt das mit der Müllvermeidung? Ein Selbstversuch.

  • Raubtier Fleischessen Weniger Fleisch, mehr Mitgefühl

    Menschen sind an den Fleischkonsum angepasst. Und Tiger haben auch kein Mitleid mit ihrer Beute. Wieso habe ich dann Gewissensbisse, wenn ich ein Schnitzel esse? Gerade weil ich ein Mensch bin. Und es ist besser, auf das Mitgefühl zu hören als auf den Gaumen. Ein biologistisches Plädoyer für den Fleischverzicht.

  • Hiltl vegetarische Metzgerei "Die Zürcher haben extrem emotional reagiert"

    Er führt laut Guinness-Buch das älteste vegetarische Restaurant der Welt. Nun hat Inhaber Rolf Hiltl die erste fleischlose Metzgerei in der Schweiz eröffnet. Ein Gespräch über vegetarische Riesengarnelen und veganen Sonntagsbraten.

  • Schlaraffenland ist heute

    Nie waren Lebensmittel so sicher, schmackhaft und gesund wie heute. Doch im Zeitalter der Fertiggerichte und Skandale verklären viele Menschen eine Vergangenheit, die es so niemals gab.

  • Zeigt her eure Einkäufe

    Was und wie kaufen die Menschen in Deutschland ein? Wir haben fünf SZ-Leser besucht und in ihre Kühlschränke geschaut. Regional, günstig oder exotisch - im Gespräch verraten sie, worauf sie beim Einkaufen und Essen Wert legen.

  • Bio-Produkte Versuch, eine weiße Weste zu kaufen

    Wer glaubt, er erwirbt mit Siegeln automatisch ein reines Gewissen, irrt. Bei Öko-Fleisch, -Gemüse oder -Obst sind Gut und Böse nicht immer klar voneinander zu unterscheiden. Und je mehr man hinterfragt, desto verwirrender kann es werden. Ein Selbstversuch.

  • Geheimsache Ekelessen

    Ratten, Dreck, Keime: Kontrolleure finden Verstörendes in Gaststätten. Wer gegen Vorschriften verstößt, dürfen die Bürger aber nicht wissen. Wieso ist Deutschland Transparenz-Entwicklungsland und was bringen Restaurant-"Smileys" in anderen Ländern? Zeit, über Pranger zu reden.

  • Gentechnik Supermarkt Versteckte Gentechnik im Supermarkt

    In der EU werden kaum genmanipulierte Pflanzen angebaut. Dennoch ist Grüne Gentechnik in Supermärkten omnipräsent. Die fehlende Transparenz ist politisch gewollt.

  • Tomaten Gemüse Lebensmittel Die Recherche "Der Preiskampf findet da statt, wo die Masse ist"

    Tomaten sind das meistverkaufte Gemüse in Deutschland. Entsprechend sensibel reagieren die Kunden, wenn die Preise in den Wintermonaten steigen. Welche Kosten bei Produktion und Transport entstehen und warum es ganz einfach ist, gute und günstige Tomaten zu kaufen.

  • Agraratlas Wo sich Deutschlands Schweine ballen

    Wo werden die meisten Schweine gehalten? Wie viel Bio wird in Ihrer Gegend angebaut? Und wo schuften die meisten Saisonarbeitskräfte auf den Feldern? Der Agrar-Atlas gibt Antworten.

  • "Die Tiere fühlen sich wohl"

    Was ist Massentierhaltung? Geflügelzüchter Michael Häsch hat uns mit Kamera in seinen Stall im bayerischen Dietramszell gelassen. Selbstverständlich ist das nicht. Manche Bauern fürchten, Tierschützer würden ihren Stall niederbrennen. Häsch sagt: "Bei mir muss keiner einbrechen, die Leute müssen nur klingeln."

  • Bye-bye, Bio

    Die Bio-Branche boomt und Johann Glockner war dabei. Seit kurzem kommt aus den Eutern seiner Kühe keine Bio-Milch mehr, obwohl sich in seinem Stall kaum etwas ändert. Warum? Eine Spurensuche im Grenzland zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft.

  • Bio-Produkte Die heiligen drei Buchstaben

    Öko-Landwirtschaft erscheint als Inbegriff des Guten. Hohe Erwartungen veranlassen Menschen, Bio-Produkte aus Gründen zu kaufen, die zweifelhaft oder schlicht unrealistisch sind. Was an Bio ist wirklich besser?