Süddeutsche Zeitung

Nachhaltige Ernährung:So vermeiden Sie Lebensmittelmüll

Warum der Kopfsalat die Tomate nicht mag und welche Apps bei der Einkaufsplanung helfen: Wer ein paar Tipps beachtet, kann seinen persönlichen Lebensmittel-Müllberg erheblich reduzieren.

Von Lena Jakat

Mit jeder angetrockneten Käsescheibe und jeder matschigen Tomate, die wir wegwerfen, wächst der globale Lebensmittel-Müllberg. Jedes Jahr landet laut der UN-Umweltorganisation Unep ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel nicht auf dem Teller. 2011 waren das 1,3 Milliarden Tonnen - eigentlich genug, um drei Milliarden Menschen satt zu bekommen.

Allein in reichen Industrienationen werden 222 Millionen Tonnen weggeworfen, fast so viel wie die gesamte Lebensmittelproduktion im südlichen Afrika. Während in Entwicklungsländern das meiste Essen zu Beginn der Verwertungskette verloren geht - weil es zum Beispiel an Infrastruktur, Organisation und Technologie fehlt -, sind es mit wachsendem Reichtum eines Landes zunehmend die Verbraucher, die den Müllberg verursachen. Jeder Deutsche wirft pro Jahr laut einer Studie des Verbraucherschutzministeriums 82 Kilogramm Lebensmittel in die Tonne - Essen im Gegenwert von 235 Euro.

Diese Lebensmittelmüllmenge lässt sich jedoch vergleichsweise einfach verringern. Folgende Tipps helfen bei der Müllvermeidung:

  • Besser einkaufen: "Waren da jetzt noch Eier im Kühlschrank? Und wenn ja, wie viele?" Wir alle sind schon einmal kurz vor Ladenschluss noch in den Supermarkt geschlüpft, nur um vor dem Kühlregal festzustellen, dass wir keine Ahnung haben, was genau wir eigentlich brauchen. Gute Planung ist der erste Schritt zur Vermeidung von Lebensmittelmüll. Leichtverderbliches möglichst zeitnah einkaufen - frisches Fleisch zum Beispiel höchstens am Vortag -, und zwar von allem nur so viel, wie man wirklich braucht.

Gerade Sonderangebote erscheinen oft verlockend. Doch schafft ein Zwei-Personen-Haushalt wirklich ein Drei-Kilo-Netz Mandarinen? Wie oft soll es in den kommenden Tagen eigentlich Kartoffeln geben? Reicht nicht doch die kleinere Packung - auch wenn sie genau so viel kostet wie die größere? Der klassische Einkaufszettel hilft hier schon entscheidend weiter. Für Nerds und Planungs-Fetischisten gibt es spezielle Apps ("Einkaufsplaner" zum Beispiel bietet die Möglichkeit, sich innerhalb der Familie abzustimmen), Rezept-Portale und -Anwendungen fürs Smartphone rechnen die Zutatenliste je nach Gästeanzahl um und bieten oft eine eigene Einkaufszettel-Funktion. Und zuletzt hilft für einen bedachten Einkauf: nicht völlig ausgehungert zum Supermarkt.

  • Besser lagern:

Im Kühlschrank

Der neueste Einkauf sollte im Kühlschrank ganz nach hinten, ältere Produkte gut sichtbar nach vorne geräumt werden. Angebrochene Quarks und Joghurts ziehen Bakterien an, deswegen sollte man sie gut abdecken oder schnell aufessen. Noch besser ist es, den Inhalt aus geöffneten Packungen und Dosen in gut schließende Behälter umzufüllen. Wird ein Produkt schimmlig, sind die anderen Produkte dadurch geschützt. Der Kühlschrank ist - insbesondere, wenn man ihn mit mehr als fünf Grad betreibt - ein Paradies für Mikroorganismen. Eine regelmäßige Reinigung der Oberflächen (Vorsicht bei den Dichtungen) mit Essigwasser hilft, Keime zu bekämpfen. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gibt auf ihrer Seite weitere Tipps für das optimale Kühlschrank-Management.

Obst und Gemüse

Die Grundregel für das Aufbewahren von Obst: Exoten mögen es warm, einheimische Sorten bevorzugen es kühl. Mangos und Bananen sollten also nicht in den Kühlschrank, Äpfel und Kirschen dagegen schon. Manche Obstsorten geben viel Ethylen ab, ein Reifegas, das andere Früchte in der Umgebung schneller verderben lässt. Äpfel, Aprikosen und Pflaumen sollten deswegen besser getrennt von anderem Obst aufbewahrt werden. Das gilt auch für manche Gemüsesorten - zum Beispiel für Tomaten. Und Salat reagiert seinerseits besonders empfindlich auf das Ethylen. Deswegen am besten für Obst und Gemüse: Einzelhaft. Die Frage nach Kühlschrank oder Küchenregal lässt sich für die allermeisten Gemüsesorten mit "egal" beantworten. Vier gängige Sorten sind allerdings kälteempfindlich und sollten deswegen ungekühlt aufbewahrt werden: Aubergine, Tomate, Kartoffel und Kürbis.

  • Besser prüfen: Bei jedem Einkauf wandert der Blick automatisch auf das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Für viele ist dieses Verfallsdatum gleichbedeutend mit dem Verbrauchsdatum. Dabei gibt das MHD nur an, bis wann der Hersteller für die unveränderte Qualität seines Produkts garantiert. Verbrauchstauglich ist es meist deutlich länger. Vor dem Wegwerfen erst einmal gucken, riechen, schmecken - und den eigenen Sinnen vertrauen, ob ein Produkt noch genießbar ist. Bei Eiern hilft der Wassertest: Schwimmt in einem mit Wasser gefüllten Topf das rohe Ei an der Oberfläche, sollte man es eher nicht mehr verwenden. Bei Schimmel gilt jedoch immer: die ganze Packung wegwerfen. Einzige Ausnahme ist Hartkäse. Da er nur wenig Feuchtigkeit enthält, kann sich der Schimmel nur schlecht ausbreiten. Befallene Stellen einfach großzügig entfernen. Hinweise zur Haltbarkeit einzelner Produkte gibt es vielerorts im Netz, zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale Hamburg.
  • Besser Reste verwerten: Übriggebliebenes Obst lässt sich ziemlich einfach zu Konfitüren, Trockenobst oder Säften weiterverarbeiten und so länger haltbar machen. Etliche Kochbücher und Rezeptforen bieten darüber hinaus Rezeptideen nach Produkten sortiert an und bieten so viele Inspirationen zur Resteverwertung. Mit "Beste Reste" hat das Verbraucherministerium noch unter der Ägide von Ilse Aigner eine eigene App vorgelegt, die auf diesem Prinzip basiert. Auf der zugehörigen Kampagnen-Seite "Zu gut für die Tonne" kann jeder eigene Rezepte hochladen. Darüber hinaus bietet die kostenlose App ein umfangreiches Lexikon mit Aufbewahrungstipps für einzelne Lebensmittel.
  • Besser loswerden: Wer doch einmal falsch geplant und zu viel eingekauft hat und das bemerkt, bevor die Lebensmittel verdorben sind, muss nicht alles wegwerfen. Produkte, die das MHD noch nicht erreicht haben, können zum Beispiel an die örtliche Tafel gespendet werden. Oder beim Foodsharing mitmachen und die eigenen Reste mit anderen teilen. Die Seite Foodsharing.de bietet die Möglichkeit, Übriggebliebenes online anzubieten und zu finden (lesen Sie hier einen Erfahrungsbericht). In vielen Städten gibt es zudem Tauschbörsen für (unverdorbene) Essensreste (einen Überblick finden Sie zum Beispiel auf lebensmittelretten.de).

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