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Nachruf auf Ismael Ivo:Impulsgeber aus São Paulo

Wien 03 07 2006 Goldenes Verdienstzeichen an Ismael IVO

Ismael Ivo 2006 bei der Verleihung des Goldenes Verdienstzeichens des Landes Wien. Er hat 1984 das Festival Impulstanz mitgegründet.

(Foto: imago stock&people)

Der brasilianische Tänzer und Choreograf Ismael Ivo ist an Covid-19 gestorben. Er war Mitbegründer des Impulstanz-Festivals in Wien und prägte das europäische Tanzgeschehen.

Von Dorion Weickmann

Allein die Liste derer, mit denen der Tänzer und Choreograf Ismael Ivo gearbeitet hat, liest sich wie ein Who's who der vergangenen Tanz- und Theaterjahrzehnte: Ivo war mit dem Oberwüterich Johann Kresnik zugange, verbündete sich mit George Tabori und Heiner Müller, trat auch mit Marina Abramović und Stuttgarts Primaballerina, seiner Landsfrau Marcia Haydée in Erscheinung. Der am 17. Januar 1955 in São Paulo geborene Künstler war ein unerhört schöner Mann, der mit seiner eindrucksvollen Bühnenpräsenz das Publikum begeisterte.

Der entscheidende erste Karriereschritt führte Ismael Ivo aus seiner Heimat nach New York, wo er von 1983 an der revolutionären All-Black-Company von Alvin Ailey angehörte. Die Weltoffenheit und Subkultur der US-Metropole brachte er zwei Jahre später mit nach Europa, wo er sich schnell als ausgesprochen vielseitiger Performer einen Namen machte - ein zeitgenössischer Tanzprinz, geschmeidig und expressiv bis zum Anschlag, dessen theatralische Ausstrahlung Kritiker wie Zuschauer ins Schwärmen brachte. Die Fesseln seiner ärmlichen Kindheit hatte der Sohn einer Putzfrau und eines Bauarbeiters da längst gesprengt.

In der politischen Tanzlandschaft hinterlässt Ismael Ivo seinen Abdruck vor allem als Mitbegründer des Wiener Festivals Impulstanz, mittlerweile das größte seiner Art in ganz Europa. Mehr als 36 Jahre lang hat er das Tanzgeschehen in Wien mitgeprägt. 1996 übernahm er die Tanzsparte des Deutschen Nationaltheaters in Weimar, von 2005 an die Leitung der Tanzsektion der Biennale Venedig. Auch als Pädagoge äußerst gefragt, zog Ivo kreuz und quer durch die Welt, bevor er sich 2017 als Direktor der Tanzkompanie von São Paulo wieder im Land seiner Herkunft niederließ und das Profil der Bewegungskunst dort modernisierte. In der brasilianischen Metropole ist er am Donnerstag an den Folgen einer Covid-Erkrankung gestorben. Er wurde 66 Jahre alt.

© SZ/C.D.
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